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Green Day - Saviors

Green Day- Saviors

Reprise / Warner
VÖ: 19.01.2024

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Wake us up when 2024 ends

2024 ist voll für'n Arsch. Selbst im Januar-Kackwetter gibt es beste Aussichten für Landolf Ladigs Burschenschaft AfD, Donald Trump nimmt schon einmal Anlauf auf die US-Diktatur – und die Amigos machen Plattenpause. Wir legen uns fest: Schön geht anders. Ähnlich geballten Rotz gab es schon einmal vor genau zwanzig Jahren, 2004. George W. Bush zog in seine zweite Amtszeit ein, Plattentests.de bestand weiter auf barriereunfreie schwarze Schrift auf preußischblauem Grund – und Silbermond verschwendeten unsere Zeit. Damals retteten Green Day mit ihrem Hinhörer "American idiot" nicht nur manchen Tag. Sondern das ganze Jahr. Soviel vorab: Das wird ihnen mit "Saviors" nicht noch einmal gelingen. Als ausgesorgte Superstars endgültig in der Metallica-Phase ihrer Karriere angekommen, lieferten Green Day zuletzt musikalische Selbstzitate und banalische Experimente. Und es dauert auch auf "Saviors" eine ganze Weile, bis sich aus der Routine-Masse so etwas wie echter Schmiss erhebt. Ausgerechnet einer semi-autobiographischen Nummer über Sucht, Medikamentenmissbrauch und Dachschäden haben Green Day einen Chorus samt Harmoniespitzen verpasst, die selbst den Januar 2024 fast erträglich macht.

Ihre Saiten haben Green Day dafür auf banduntypisches Drop-D gestimmt und warten keine zwanzig Sekunden nach Song-Beginn, bis sie das Ohrwurmbiest erstmals von der Leine lassen: "I was sober, now I'm drunk again / I'm in trouble and in love again", singt Armstrong. Und selbst die Bridge harmoniert so gut mit dem Rest des Lieds, dass "Dilemma" so manche Alterssünde der Band fast vergessen macht. Zumindest für die Dauer eines Poppunk-Songs. Plotspoiler: Das wird ihnen auf "Saviors" so zwar kaum ein zweites Mal gelingen. Aber immerhin: Green Day können es also noch. Vor allem der ewig jugendliche Billie Joe Armstrong machte im Vorfeld Hoffnung: "'Saviors' does feel like a trifecta with 'Dookie' and 'American idiot' where it feels like a life's work. I went from not knowing what the hell I was doing to going, 'Oh gosh, we managed to bridge the gap between those two huge albums.'" Auch Produzent Rob Cavallo war für Fans ein gutes Vorzeichen. Er produzierte mit Green Day schon "Dookie" sowie "American idiot". Na schön, später auch "¡Uno!", Avril Lavigne, James Blunt, My Chemical Romance, Kid Rock, Uncle Kracker. Aber das muss ja niemand wissen.

Und so klingt "Saviors" in Teilen auch: gefangen zwischen Stadion-Sause und dem legendären Berliner SO36. Green Day haben die Rotzigkeit wiederentdeckt. Etwa, wenn sie in "Look ma, no brains!" Powerchords runterholzen, als wären sie wieder U20 statt Ü50. Rob Cavallo lenkt das Ganze in radiotaugliche Bahnen, glättet Takte, pimpt die Hintergrund-Gesänge im Chorus, hat immer das Radio vor Augen und die Billboard-Charts im Visier. Das gelingt ihm und Green Day mal gut wie hier. Mal mäßig wie in "1981", dessen penetrante Gefälligkeit schon nervt, bevor Armstrong in der Bridge den unvermeidlichen Tonart-Wechsel vornimmt. Und für all das Tempo, das das Riffing und die Maschinengewehr-Snaredrums in "Coma city" vorlegen, bewegen sich Green Day über dreieinhalb Minuten erstaunlich wenig von der Stelle, Gitarren-Gegniedel mit Überlänge inklusive. Überhaupt, Bewegung: Ganz entfernen von ihren letzten Rock-Krepierern wollen sich Green Day auf "Saviors" nicht.

Armstrong sprach von Brücken. Und Brücken baut "Saviors". Im Guten wie im Mittelmäßigen. So werden RPR1-Hörer demnächst "So what" von P!nk anstimmen, wenn die Playlist das Eingangs-Riff von "One eyed bastard" in die Morningshow-Rotation schickt – genau dort haben sich es Green Day nämlich entwendet. "Strange days are here to stay" schickt die "Basketcase-"Formel noch einmal im School-of-Rock-Gewand in die Verlängerung. "Corvette summer" klingt mit seinen Kuhglocken so, als hätten Aerosmith Green Day einen Song aus ihrer Resteverwertung geschenkt. Das Titelstück "Saviors" schielt in Richtung Lennon/McCartney. Und während Green Day den amerikanischen Traum in "The American dream is killing me" beerdigen, kommen sie nicht umhin, die bissigen Zeilen mit pappig-süßen Streichern zu unterkleistern: "People on the street / Unemployed and obsolete / Did you ever learn to read the ransom note?" Aufstände im Land of the Free, Obdachlose im Home of the Brave, Popper-Handbremsen im Punkrock: Mit ihrer gefälligen "Kleinstes gemeinsames Ärgernis"-Musik auf "Saviors" werden Green Day 2024 die Welt genauso wenig ändern wie 2004 mit "American idiot". Beschissene Tage versüßen aber auch nur gelegentlich.

(Sven Cadario)

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Highlights

  • Dilemma
  • Strange days are here to stay

Tracklist

  1. The American dream is killing me
  2. Look ma, no brains!
  3. Bobby Sox
  4. One eyed bastard
  5. Dilemma
  6. 1981
  7. Goodnight Adeline
  8. Coma city
  9. Corvette summer
  10. Suzie Chapstick
  11. Strange days are here to stay
  12. Living in the '20s
  13. Father to a son
  14. Saviors
  15. Fancy sauce

Gesamtspielzeit: 46:02 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

HerrH.

Postings: 69

Registriert seit 04.02.2021

2024-02-05 10:40:50 Uhr
(Zwinkersmiley)

Socko

Postings: 955

Registriert seit 06.02.2022

2024-02-05 08:11:31 Uhr
Du verwendest ja auch Begriffe wie "voll knorke"

HerrH.

Postings: 69

Registriert seit 04.02.2021

2024-02-03 11:12:57 Uhr
Nun, es scheint offiziell zu sein:
Ich bin alt.
Für mich waren Rock am Ring / im Park immer die Mainstream- Festivals, die sich mit Headlinern geschmückt haben, deren Glanzzeiten weit hinter ihrem Namen zurück liegen.
Und jetzt finde ich die neuen Alben von genau diesen Bands (FooFighters, die hier) voll knorke (Glubschaugenemoji)!
Habe übrigens zum 30-jährigen von Dookie mit meiner Tochter angestoßen...
Ich bin alt. Ist aber okay.

RandomChance

Postings: 628

Registriert seit 02.05.2018

2024-02-02 18:14:41 Uhr
Finds mittlerweile schwer, das am Stück zu hören. Der erste Nervsack kommt ja schon mit "Bobby Sox". "Do you wanna be my giaaaaaaargh." Das ist nicht mal Good-Charlotte- oder Sum-41-Niveau.

Ansonsten klingt das so, als wollten sie mit Gewalt was gutmachen. Und bloß niemanden vergrätzen. Wo der Vergleich mit "American idiot" herkommt, erschließt sich mir nicht, alleine "Jesus of suburbia" ist der komplette Gegenentwurf zu diesem Album. Alles gefällig, aber bis auf ein, zwei Nummern auch genauso beliebige Lala- Nummer-Sicher-Musik. Scheint bei Rateyourmusic auch eher mit Tendenz nach unten von anfangs über 3 Punkten zu mittlerweile drunter.

Aber im Prinzip müssen die ja auch nix mehr. Die haben längst ausgesorgt.

Huhn vom Hof

Postings: 5640

Registriert seit 14.06.2013

2024-02-02 12:49:14 Uhr
Ich finde das Album auch ziemlich kurzweilig und spaßig, sehe es so bei 6-7/10.
Highlights:
Bobby Sox
Coma City
Father To A Son
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