Kali Uchis - Orquídeas
Geffen / Interscope / Universal
VÖ: 12.01.2024
Unsere Bewertung: 8/10
Eure Ø-Bewertung: 6/10
¿Nueva era?
Eine neue Ära für ihre Musik. So pompös umschreibt Kali Uchis dieses vierte Album, ihr zweites auf Spanisch und Nachfolger zum parallel aufgenommenen "Red moon in Venus". Zum Glück ist Karly-Marina Loaiza eine geniale Künstlerin, denn das Konzept von "Orquídeas" geht vollends auf. Im Vergleich zu den vorherigen Platten klingt es mehr denn je entfesselt, gesanglich wie instrumental sogar noch facettenreicher. Nach wie vor lädt die US-Kolumbianerin mit jedem Album die unterschiedlichsten Musikliebhaber*innen und zur gemeinsamen gran fiesta ein. Latin-Pop trifft auf Funk und Soul, manchmal tanzt R'n'B mit House, irgendwo klingt es mal wie Lo-Fi und dann wieder nach Reggaeton. Neu ist nun, dass die beim Vorgänger teils verschwommene Downtempo-Stimmung nun viel häufiger Club-Sounds und Four-to-the-floor-Rhythmen weicht. Die Songs sind kräftiger, zwar immer noch so schön verträumt, aber mit mehr Abwechslung, Entfaltung und Wagnis. Ja, hier beginnt spürbar etwas Neues, was kein Zufall ist. Denn "Sin miedo (del amor y otros demonios)" – ihr erstes spanischsprachiges Album – mag viele Fans zu Recht begeistert haben, stieß beim Label jedoch auf kritische Gegenstimmen und erreichte nicht einmal die Top 50 der Billboard-Charts. Ein anderer Grund für diese auf "Orquídeas" dauerpräsente Aufbruchstimmung erscheint dagegen viel erfreulicher, denn die 29-Jährige erwartet zusammen mit Rapper Don Toliver ihr erstes Kind. Jetzt also erst recht!
Ihre musikalische Weiterentwicklung zeigt sich erstklassig bei all den zahlreichen Ausflügen in die wunderbaren Musikwelten Lateinamerikas. Kali Uchis beherrscht wie im anpeitschenden Closer "Dame beso // Muévete" stilsicher sowohl das vergnügte Merengue als auch die teils melodramatische Emotionalität des Bolero. Mit "Te mata" gelingt ihr ein modernes Meisterwerk, das die Bolero-Sängerin im Gegensatz zum historischen Charakter statt als unterwürfige Diva als machtvolle "Diabla" zeigt – so lautete auch der Demo-Songtitel. Das Storytelling fesselt sowohl lyrisch als auch im Musikvideo, und begleitet von zarten Streichern verbrennt sich schließlich der toxische Lover die untreuen Finger an einer sich emanzipierenden Teufelin. Interessanterweise fällt "Igual que un ángel" deshalb etwas aus der Reihe, weil es viel vom älteren Uchis-Sound hat: poppige Synths, etwas Funk im Bass, Midtempo und eine interessanten Feature-Wahl, denn der junge mexikanische Volksmusiksänger Peso Pluma, der auch rappen kann, macht sich in einer himmlischen Retro-Atmosphäre überraschend harmonisch als gesangliche Begleitstimme. Irgendwo zwischen Dembow und Reggaeton und um einiges schneller überzeugt die Lead-Single "Muñekita" als zeitlos klingender 128-BPM-Club-Banger. Hier wählte Uchis mit JT von City Girls sowie dem dominikanischen Rapper El Alfa die passenden Wunsch-Gäste, denn auf einem bemerkenswerten Beat von Hector Mazzarri und Fabiano "FABV" Paolazzi erinnert das Trio an die besten Zeiten von Daddy Yankee, Speedy oder Lumidee – nur eben moderner und sogar besser.
Deutlich zärtere Synths hält "Perdiste" bereit, neben "Young, rich & in love" einer der wenigen Entspannungsmomente, mit zahlreichen LoFi-Elementen und anmutigen Strophen, bei denen sich je nach Vibe Spanisch und Englisch zeilenweise abwechseln. Ob es die Eighties-Loops sind, die angenehmen Stimmhöhen oder die so simple wie pointierte Produktion – beide Songs sind klassich Kali Uchis, im kunstvollsten Sinne, fluffige Hintergrundmusik für verliebte Tagträumende. Ebenso prächtig funktionieren die vereinzelten Genre-Crossovers, wie wenn auf "Labios mordidos" der ausgefallene Reggaeton-Beat sich an den einprägsamen Pop-Synths orientiert, wodurch Karol G und Uchis als zwei der größten Latina-Sängerinen unserer Zeit nebeneinander glänzen können. Dieses Orchideen-Album fühlt und hört sich einfach verdammt richtig an, eine musikalische wie menschliche nächsthöhere Sphäre, die wir so noch nicht von Kali Uchis kannten. Der Opener "¿Cómo así?" transformiert symbolisiert diesen Prozess und beginnt mit hallenden Vocals auf gedämpften Downbeat-Instrumentals, ehe schnelle Beats einsetzen und Uchis die mittlerweile herausrsgende Bandbreite ihrer Stimme präsentiert. Versprochen und geliefert – die neue Ära war nicht bloß Promo-Gerede, stattdessen erleben wir hier einen vorläufigen Höhepunkt. Denn zum perfekten Zeitpunkt ist Kali Uchis ihr bestes Album seit dem Debüt "Isolation" gelungen.
Highlights
- Igual que un ángel (with Peso Pluma)
- Te mata
- Perdiste
- Young, rich & in love
- Muñekita (with El Alfa & JT)
Tracklist
- ¿Cómo así?
- Me pongo loca
- Igual que un ángel (with Peso Pluma)
- Pensamientos intrusivos
- Diosa
- Te mata
- Perdiste
- Young, rich & in love
- Tu corazón es mío ...
- Muñekita (with El Alfa & JT)
- Labios mordidos (with Karol G)
- No hay ley, parte 2 (with Rauw Alejandro)
- Heladito
- Dame beso // muévete
Gesamtspielzeit: 44:14 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
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MopedTobias (Marvin) Mitglied der Plattentests.de-Schlussredaktion Postings: 20408 Registriert seit 10.09.2013 |
2024-02-28 13:50:05 Uhr
Bin die Tage erst richtig zum Hören gekommen, aber das ist ja wirklich mega gut. Klar ihr bestes Album seit "Isolation", teile die 8/10. |
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joseon Postings: 1625 Registriert seit 04.09.2023 |
2024-01-22 13:46:37 Uhr
Unglaublicher Closer! |
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Armin Plattentests.de-Chef Postings: 30541 Registriert seit 08.01.2012 |
2024-01-15 20:32:35 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert."Album der Woche"! Meinungen? |
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Referenzen
Karol G; El Alfa; JT; Peso Pluma; Don Toliver; Jorja Smith; Lana Del Rey; Rosalía; Rauw Alejandro; Solange; Tinashe; Raveena; Ravyn Lenae; Ari Lennox; Jazmine Sullivan; Jhené Aiko; Sabrina Claudio; Kelela; SZA; Mahalia; Summer Walker; Omar Apollo; Miguel; Bad Bunny; Aaliyah; Frank Ocean; Ivy Queen; Gorillaz; Mac Miller; Tyler, The Creator; Rico Nasty; Alina Baraz; Sade; Rina Sawayama; Blood Orange; Jhay Cortez; PartyNextDoor; Bia; Reykon; Bootsy Collins; H.E.R.; Doja Cat; Estelle; Jowell & Randy; Erykah Badu; Neneh Cherry; Clairo; Portishead; Garbage; Shirley Bassey; John Barry; Kehlani; PinkPantheress; The Internet; Mitski; Cuco; Orion Sun; Manuel Lara; Josh Crocker; Ovy On The Drums; El Guincho; Jam City; Yung Miami; City Girls; El Chombo; Umi; Hotel Ugly; Teyana Taylor; Abra; Cleo Sol; Fana Hues; Sudan Archives; Little Dragon; Grimes; Speedy; Daddy Yankee; Lumidee; City Girls; Pro2Jay
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