Listen




Banner, 120 x 600, mit Claim


Brown Horse - Reservoir

Brown Horse- Reservoir

Loose / Believe
VÖ: 19.01.2024

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

In Geografie nicht aufgepasst

Wenn man sich bei Google Bilder der nordenglischen Stadt Norwich anguckt, dann sieht das genau so aus, wie man sich einen Ort vorstellt, aus dem aus der Zeit gefallener Folk-Rock kommt. Jemand packt am Wasser seine Klampfe aus, im Hintergrund gibt es eine Burg, und wer es etwas ländlicher mag, geht auf die Wiesen und schnippt den Tau von den Blättern der nebelverhangenen Landschaft. Nun erlaubt sich das Sextett Brown Horse auf seinem Debütalbum “Reservoir” aber folgende Frechheit: Die klingen gar nicht nach Inselromantik!

Stattdessen zeigen die schwermütigen Songs von der ersten Sekunde einen Hang zum Goth-Rock, und der grandiose Opener "Stealing horses" klaut seine Reittiere wohl eher nicht vor den Toren Norwichs, sondern irgendwo in den breiten Landschaften der Vereinigten Staaten von Amerika. Das Steel Pedal krächzt, das Banjo lässt sich genüsslich picken, und ein Akkordeon zieht den Sound an beiden Enden breit. Sowas haben Big Thief zuletzt auch gemacht. Ansonsten erinnert der üppige Sound auch das ein oder andere Mal an Namen wie Drive-By Truckers oder ein ganz bisschen sogar an Neil Young. Es ist ein widersprüchlicher Genuss, wie Frontsänger Patrick Turner zurückhaltend energetisch ist und seine Kumpan*innen ihm immer wieder unter die Arme springen, sollte er doch mal etwas wacklig stehen wie im schwelgerischen "Everlasting".

Kraftvoll können Brown Horse aber auch, wenn “Bloodstain” seine E-Gitarre jaulen lässt und "Silver bullet" sogar noch einen Ticken schneller rennt und rockt und rödelt. Das bringt genügend Spannung in die gute Dreiviertelstunde Melancholie, durch die sich die als Amerikaner*innen verkleideten Norwicher*innen manövrieren, ohne auch nur einmal vom Weg abzukommen. Besonders beeindruckend: Laut Pressemitteilung sind alle sechs Mitglieder selbst schon seit Jahren mit Songwriting beschäftigt, und jede Person kann sich einbringen – und trotzdem klingt alles wie aus einem Guss. Selbst das fast sechseinhalbminütige Stück "Paul Gilley" über den Countrymusiker, der 1957 im Alter von 27 Jahren im Nachbarsteich ertrank, ist mit seinem gemischtgeschlechtlichen Gesang so sicher komponiert und getextet, als wäre es das Einfachste der Welt. Ja, die Musik von Brown Horse wiegt schwer. Aber eher wie eine Gewichtsdecke an einem Tag zum Vergessen. Das hier muss etwas wiegen, damit man fühlen kann.

(Arne Lehrke)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen bei Amazon / JPC

Highlights

  • Stealing horses
  • Everlasting
  • Paul Gilley
  • Silver bullet

Tracklist

  1. Stealing horses
  2. Reservoir
  3. Shoot back
  4. Everlasting
  5. Bloodstain
  6. Paul Gilley
  7. Sunfisher
  8. Silver bullet
  9. Outtakes
  10. Called away

Gesamtspielzeit: 45:50 min.

Album/Rezension im Forum kommentieren

Einmal am Tag per Mail benachrichtigt werden über neue Beiträge in diesem Thread

Um Nachrichten zu posten, musst Du Dich hier einloggen.

Du bist noch nicht registriert? Das kannst Du hier schnell erledigen. Oder noch einfacher:

Du kannst auch hier eine Nachricht erfassen und erhältst dann in einem weiteren Schritt direkt die Möglichkeit, Dich zu registrieren.
Benutzername:
Deine Nachricht:
Forums-Thread ausklappen
(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Grizzly Adams

Postings: 7040

Registriert seit 22.08.2019

2024-02-09 16:53:17 Uhr
Album war heute in der Post. Und bestätigt meinen Eindruck der drei vorabsongs. Gefällt mir richtig gut. Norwich liegt bei dieser Band irgendwo im mittleren Westen der USA. Musikalisch muss man das Album dort verorten. Wie Arne in der Rezi schreibt, sind Banjo, Pedal Steel, aber auch hin und wieder ein paar Piano und Akkordeonsprengsel sowie der „Weltschmerz-Gesang“ und die gniedelige Leadguitar prägend.
Schöne Entdeckung.

Grizzly Adams

Postings: 7040

Registriert seit 22.08.2019

2024-01-16 08:45:09 Uhr
Die ersten Songs klingen verdammt vielversprechend. Aus Norwich die Band?! Wäre ich so nie drauf gekommen, hätte den Sound eher in den USA verortet. Goth-Rock höre ich allerdings gar nicht raus.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 30849

Registriert seit 08.01.2012

2024-01-15 20:29:32 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?
Zum kompletten Thread

Hinterlasse uns eine Nachricht, warum Du diesen Post melden möchtest.

Bestellen bei Amazon

Threads im Plattentests.de-Forum

Anhören bei Spotify