Baal - The supreme machine

Baal- The supreme machine

Virgin / EMI
VÖ: 12.01.2004

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Bombast-Röckchen

Beginnen wir mal mit einem ganz trockenen Satz: "This record and artwork are protected by copyright law." Diese freundliche Warnung tritt hinter durchsichtigem Plastik zutage, wenn man die Baal-CD aus ihrem Jewel-Case befreit. Und, was denkt man angesichts des Cover-Anblickes? "The Music!", jawohl. Aber bitte, sehen wir über Äußerlichkeiten hinweg, es kommt ja bekanntlich auf die inneren Werte an. Doch gerade die sind das Problem: Pathos, Theatralik und profilloser Classic Rock triefen aus den Lautsprechern und verursachen ein unangenehmes Rinnsal. Wie Gemüse im Kühlschrank, das schon viel zu lange darauf wartet, verzehrt zu werden. Auch Baal scheinen schon sehr lange darauf zu warten, von Journey, Asia oder gar REO Speedwagon angerufen und als Support einer etwaigen Skandinavien-Tour begehrt zu werden. Könnte bitte mal jemand den Jungs behutsam beibringen, daß sich diese Truppen mangels Bedarf höchstens als Touristen nach Skandinavien verirren und die Achtziger nur noch in höchst überflüssigen TV-Shows stattfinden?

Umso erstaunlicher, daß das Kopenhagener Quintett erst 1996 gegründet wurde. Und sogar ein bißchen bewundernswert, daß man sich so gar nicht um die musikalischen Entwicklungen der letzten 20 Jahre schert. Nichtsdestotrotz werden Gemeinsamkeiten mit The Verve, Mercury Rev, Spiritualized und den Flaming Lips angepriesen, deren Grundlage jedoch vollkommen schleierhaft bleibt. Auch der Vergleich mit Queenscher Grandezza hinkt schwer.

Stattdessen klingt Sänger Bjørn Fjæstad zuweilen wie eine mäßig originelle Ed-Kowalczyk-Parodie. Er tremoliert sich eifrig durch schwülstige Melodien, die offenbar ein Dauerabonnement auf Keyboard-Oktaven haben. Die sollen wohl Ausrufezeichen setzen, hinterlassen aber bedauerlicherweise nur Fragezeichen. Man läßt sich fast zu der Vermutung hinreißen, daß da der alte Clayderman irgendwie sein Gnadenbrot als Studiomusiker verdient. Bei "Straight & insane" sucht man vergeblich Elton John in den Credits. Die orchestrale Wucht der "Scapegoats" droht vor lauter Crescendi samt Gospelchor im pompösen Finale zu explodieren. Und Zeilen wie "She's a star / When she rides my emotional car" lesen sich wie aus einem unseriös erstandenen Zufallsgenerator für Rock-Lyrics.

In der Bibel ist "Baal" ein Synonym für lokale Gottheiten. Mit diesem Namen hat die Gruppe eine gute Wahl getroffen. Denn angeblich ist das hier Dänemarks beste, mehrfach ausgezeichnete und überdies Roskilde-erprobte Live-Band. Sogar Stücke für Musicals und Theaterprojekte hat man dem Vernehmen nach bereits geschrieben. Letzteres ist wiederum sehr gut vorstellbar. Es ist ja nicht so, daß Baal ihre Instrumente nicht beherrschen würden. Aber in diesem Kontext hier, ganz ehrlich: lieber ein Stück dänischen Esrom im Kühlschrank als "The supreme machine" im CD-Player.

(Ina Simone Mautz)

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Highlights

  • Straight & insane
  • The world is losing air

Tracklist

  1. The supreme machine
  2. Relax
  3. Blow
  4. Hold on to yourself
  5. Straight & insane
  6. Scapegoats
  7. Dissonance
  8. Writing on the wall
  9. She's a star
  10. Shine
  11. Launch of harmony
  12. The world is losing air
  13. The other side
  14. My big mouth

Gesamtspielzeit: 56:10 min.

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