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Spiritual Cramp - Spiritual Cramp

Spiritual Cramp- Spiritual Cramp

Blue Grape
VÖ: 03.11.2023

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Zeitgeistlos

An der Westküste der Vereinigten Staaten ist man dem Trend wieder einmal voraus. Oder ist da etwa bloß jemandem der Zeitgeist schnurzpiepegal? Nein, um KI geht es an dieser Stelle nicht. Es geht um die Musikszene, denn die ist – ob im Mainstream oder in nischigeren Spielwiesen – anno 2023 längst deutlich weiblicher geworden. Spiritual Cramp aus San Francisco jedoch bestehen aus sechs Rockern und null Rockerinnen, was durchaus überrascht, zumal es hitzige Debatten gegeben hat über den seit Dekaden währenden Männerüberschuss an den Instrumenten.

Klar, Punkrock und so. Das berühmte Tun und Lassen, was man will. Regeln oder Vorgaben? Braucht's vielleicht auch nicht, zumindest nicht, wenn dabei ein derart schnörkelloses Album herauskommt wie "Spiritual Cramp". Eine Platte, die sich nach einigen EPs seit 2017 zumindest offiziell Debüt der Kalifornier nennen darf. Angesichts solcher augenzwinkernd auf dicke Hose machenden Hits wie "Slick Rick" und kleiner Instant-Launemacher wie "Talkin' on the internet" steht klar der Spaß am Rock'n'Roll, im Vordergrund, das Zucken in jeglichen Gliedmaßen. Da man der räumlichen Nähe zu San Francisco gern das Pop-Punk-Etikett anheftet, sei sofort klargestellt: Spiritual Cramp haben – abseits von so manch spaßigem Kalauer und nicht immer bierernst zu nehmenden Lyrics – mit Blink-182 eher wenig am Hut. Die Truppe tönt mehr wie eine Spät-Siebziger-UK-Punkband, die über gut 20 Jahre eingemottet war und nun aus der Überraschungskiste gepellt wurde.

Immer mal wieder fließen auch Shoegaze- und Post-Punk-Elemente in den Sound des Sextetts mit ein. Das tolle "Herberts on holidays" etwa lässt alleine durch den The-Cure-Vibe und seine Interpol-artigen Gitarren etwas Atmosphäre rein. Und Songs der Marke "Can I borrow your lighter?" oder "Better off this way" hätten in ihrer breitbeinigen Kargheit anno 2004 auch The Hives mit aufs Album gepackt. Überhaupt ist Kurzweil der fette Pluspunkt dieser ohnehin recht knappen 26 Minuten. Stücke wie "Catch a hot one" lassen ein wenig Dark-Wave-Punk-Feeling aufleben, während der mächtig stampfende Rock von "City on fire" alle seit "London calling" entflammten Herzen hüpfen lässt.

Großen Anteil an der launigen Rock'n'Roll-Mischpoke haben sicherlich Michael Bingham und Mike Fenton, Sänger und Gitarrist von Spiritual Cramp und so etwas wie die Kreativköpfe der Truppe. Vielmehr hört man aus den Kompositionen auch die eine oder andere Band heraus, in der die beiden unterwegs waren, wie etwa die Shoegaze-Postpunks Creative Adult. Bingham hat unlängst aber endgültig für sich festgestellt, dass man unter dem Schlagwort "spiritual cramp" einfach das ganze verdammte Leben summieren könne. Jeden einzelnen Tag. Bei derart breiter Indentifizierung mit dem großen Ganzen stehen die Zeichen für baldigen, energiegeladenen Nachschub aus der Schmiede Spiritual Cramps womöglich gar nicht so schlecht. Zeitgeist hin oder her.

(Eric Meyer)

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Highlights

  • Slick Rick
  • Talkin' on the internet
  • Herberts on holidays
  • City on fire

Tracklist

  1. Blowback
  2. Slick Rick
  3. Talkin' on the internet
  4. Herberts on holidays
  5. City on fire
  6. Better off this way
  7. Clashing at the party
  8. Catch a hot one
  9. Can I borrow your lighter?
  10. Addict

Gesamtspielzeit: 26:12 min.

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User Beitrag

sizeofanocean

Postings: 1361

Registriert seit 27.01.2020

2023-12-22 09:25:24 Uhr
hat mindestens einen Punkt mehr verdient

Armin

Plattentests.de-Chef

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Registriert seit 08.01.2012

2023-12-21 20:07:55 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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