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The Jeffrey Lee Pierce Sessions Project - The task has overwhelmed us

The Jeffrey Lee Pierce Sessions Project- The task has overwhelmed us

Glitterhouse / Indigo
VÖ: 30.09.2023

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Last two pages of Frankenstein

Aller guten Dinge sind vier. Zumindest für Cypress Grove. Irgendwie wusste der britische Gitarrist nämlich schon 2010, dass "We are only riders", eine auf unveröffentlichen Tapes seines 1996 verstorbenen Kumpels Jeffrey Lee Pierce basierende Songsammlung, nicht ausreichen würde, um dem legendären Frontmann von The Gun Club gebührend Tribut zu zollen. Zu Kolleg*innen und Weggefährt*innen wie Lydia Lunch, Nick Cave, Debbie Harry oder Dave Eugene Edwards gesellten sich 2012 auf "The journey is long" und 2014 auf "Axels & sockets" außerdem Thurston Moore, Steve Wynn von The Dream Syndicate oder auch Iggy Pop – The Jeffrey Lee Pierce Sessions Project wurde schnell zum Allstar-Ding. Denn wedelt Grove mit ungehörten Pierce-Aufnahmen, kommen nun mal alle – auch auf dem voraussichtlich letzten Teil der illustren Tribute-Reihe.

Kleine Ironie auf "The task has overwhelmed us": Den vielleicht berühmtesten Musiker hat nicht Grove, sondern die mit ihm zusammen federführende Suzie Stapleton aufgetan. Bei den Aufnahmen zu "Imposter" hatte Depeche-Mode-Frontmann Dave Gahan "Mother of Earth" vom The-Gun-Club-Klassiker "Miami" noch entnervt verworfen, zusammen mit Stapleton jedoch gelingt ihm plötzlich ein herausragender Opener mit samtener Eleganz in Stimme und Piano, ehe raue Twangs einfallen. Wunderbar – wenn auch nicht ganz im Sinne der ursprünglichen Idee, da The Jeffrey Lee Pierce Sessions Project lediglich die Verarbeitung unbekannten Materials vorsah. Eine Zierde ist dieses Stück trotzdem. Dafür erstmals dabei: sogenannte "Frankenstein songs", für welche die Beteiligten grobe Instrumental- oder Textskizzen zu neuen Tracks zusammenschrauben. Ganz in Pierces Sinne.

Für zwei davon zeichnen The Amber Lights verantwortlich, das Duo um The-Birthday-Party-Legende Mick Harvey, der die kleine Uptempo-Grobheit "Debbie by the Christmas tree" und "Tiger girl" von Pierces erster Band The Red Lights genauso sumpfig interpretiert wie Landsmann Hugo Race. Auch die jüngeren Hüpfer lassen sich nicht lumpen: Die Riot Grrrls The Coathangers überführen "La la Los Angeles" in barschen Bubblegum-Punk, während Peter Hayes und Leah Shapiro von Black Rebel Motorcycle Club mit dem Electro-Rocker Humanist in "The stranger in our town" um Feedback bitten. Und auch Pierce selbst darf ran – in einer beschwörenden Version von "Yellow eyes", bei der Nick Cave und Warren Ellis die zweite Stimme singen. Ein größerer Auftritt wartet auf Cave in "On the other side" zusammen mit Debbie Harry – ein Duett, das hier Tradition hat.

Ähnlich wie der Tod, denn mit Mark Lanegans blendender Bluesrock-Fassung von "Go tell the mountain", 1993 von Pierce unter seinem Americana-Alias Ramblin' Jeffrey Lee veröffentlicht, und einem manischen Mark Stewart von The Pop Group bei "Vodou" sind auch unlängst verstorbene Musiker vertreten. Noch besser jedoch: Alejandro Escovedos staubiger Tex-Mex-Reißer "From death to Texas" und die Waliser Sendelica, die "Bad America" als lärmigen Electro-Rocker mit teufelndem Rap inszenieren – sowohl zorniger Black-Lives-Matter-Kommentar als auch launige Reminiszenz daran, dass Pierce seinen Mitmusikern im Tourbus mit HipHop-Tapes auf den Keks zu gehen pflegte. Nur einer fehlt: Jack White, den Grove bisher nicht zu einem Beitrag bewegen konnte. Doch sollte er es sich anders überlegen, könnte das Projekt in die Verlängerung gehen. Aller guten Dinge sind fünf.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Mother of Earth (Dave Gahan)
  • Yellow eyes (Jeffrey Lee Pierce feat. Nick Cave & Warren Ellis)
  • Go tell the mountain (Mark Lanegan feat. Nick Cave & Warren Ellis)
  • From death to Texas (Alejandro Escovedo)
  • Bad America (Sendelica feat. Wonder & Dynamax Roberts)

Tracklist

  1. Mother of Earth (Dave Gahan)
  2. La la Los Angeles (The Coathangers)
  3. Yellow eyes (Jeffrey Lee Pierce feat. Nick Cave & Warren Ellis)
  4. Debbie by the Christmas tree (The Amber Lights)
  5. Go tell the mountain (Mark Lanegan feat. Nick Cave & Warren Ellis)
  6. Going down the red river (Jim Jones And The Righteous Mind)
  7. The stranger in our town (Peter Hayes, Leah Shapiro & Humanist)
  8. Secret fires (Suzie Stapleton feat. Duke Garwood)
  9. Tiger girl (Hugo Race)
  10. On the other side (Nick Cave & Debbie Harry)
  11. Idiot waltz (Cypress Grove)
  12. Tiger girl (The Amber Lights)
  13. From death to Texas (Alejandro Escovedo)
  14. Vodou (Mark Stewart)
  15. Time drains away (Lydia Lunch, Jozef Van Wissem, Jim Jarmusch)
  16. Lucky Jim (Chris Eckman & Chantal Acda)
  17. I was ashamed (Pam Hogg feat. Warren Ellis & Youth)
  18. Bad America (Sendelica feat. Wonder & Dynamax Roberts)
  19. Desire by Blue River (Cypress Grove)

Gesamtspielzeit: 79:18 min.

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Armin

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2023-12-21 20:05:55 Uhr - Newsbeitrag
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