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Hochzeitskapelle + Japanese Friends - The orchestra in the sky

Hochzeitskapelle + Japanese Friends- The orchestra in the sky

Morr / Alien Transistor
VÖ: 01.12.2023

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Momente des Einklangs

Die Entfernung zwischen Weilheim in Oberbayern und Tokio in Japan beträgt rund 9.500 Kilometer Luftlinie, bis nach Kobe sind es immerhin nur rund 9.200 Kilometer. Dass sich hier ein regelmäßiger musikalischer Austausch entwickelt hat, der in den letzten Jahren stets neue Formierungen und Veröffentlichungen hervorbrachte, geht auf das produktive Treiben der The-Notwist-Brüder Markus und Micha Acher sowie deren musikalisches Umfeld zurück. Graduell gewachsen ist dieser Dialog beispielhaft durch die Kompilationsreihe "Minna Miteru", auf der Tenniscoats-Mitglied Saya japanischen Indie-Pop vorstellte, oder durch die im letzten Jahr erschienene Zusammenstellung "Alien Parade Japan", die diverse Underground-Acts Japans einband. "The orchestra in the sky" fügt sich in diese Serie nahtlos ein und präsentiert über zwei zusammengefasste Alben Aufnahmen aus Tokio und Kobe. Die musikalische Konstante bildet hier das Quintett Hochzeitskapelle, bestehend aus verschiedenen Mitgliedern von The Notwist, Alien Ensemble und der die Band umgebenden Jazzszene; dazu kommen mehr und weniger bekannte japanische Indie- und Folk-Musiker*innen wie die eingangs erwähnten Tenniscoats oder die Singer-Songwriterin Yuko Ikema.

"The orchestra in the sky" lebt von analogen Klängen und orchestralen Arrangements, die allerdings kein übervolles Klangbild schaffen. Viel eher bleibt hier ausreichend Luft zum Durchatmen und zum aufmerksamen Hören. So arbeitet "Kaze no uta" (zu Deutsch etwa "Windlied"; mit Tenniscoats) mit wunderschön strukturierten, klaren und repetitiven Melodieläufen in der Stimme der Sängerin Saya, die von sanft gedämpften Blasinstrumenten untermalt und gedoppelt werden. Wie viele Songs des Albums nimmt sich "Kaze no uta" ausreichend Zeit und baut das zunächst reduzierte Klangbild über rund sieben Minuten aus, bis sich sämtliche instrumentale Stimmen mit der Gesangsstimme in einem dynamischen Höhepunkt vereinigen.

Viel rauer und folkiger wirkt das instrumentale "Boat" (mit Popo), das nur aus Blasinstrumenten und einfachen Percussions eine wiegende Melancholie kreiert. Inspiriert ist "Boat", wie einige weitere Songs, von der Tradition der japanischen Marsch-Bands Chindon'ya. Diese erleben in Japan aktuell eine gewisse Renaissance, gehen ursprünglich aber zurück bis in die 1840er-Jahre, in denen die Chindon'ya als Straßenmusiker*innen mit einfachen Instrumenten für verschiedene Geschäfte warben. Am deutlichsten unterscheiden sich die Tracks auf "The orchestra in the sky" wohl in ihren jeweiligen Emotionen – zufrieden und beruhigt wirkt das sanfte Wiegelied "Time tonight" (mit Yuko Ikema und Tenniscoats), kindlich aufgeregt "Miracle happy" (mit Mitamurakandadan?) und vitalisierend das experimentelle "Gagyu" (mit Fuigo und Zayaendo).

Unter den 24 Songs auf "The orchestra in the sky" stechen einige Highlights wie "Kaze no uta", "Time tonight" oder "Tsuki no oto" wirklich hervor, während andere Tracks schlichtweg untergehen. Dies mag der Länge der beiden Alben geschuldet sein oder auch dem Fakt, dass einige der Songs in ihrem Aufbau komplexer gehalten sind als andere. In einer kürzeren Zusammenstellung wären gerade diese Kandidaten vielleicht besser zur Geltung gekommen. Insgesamt schafft "The orchestra in the sky" aber aus minimalistischen Melodien und Rhythmen eine zurückgenommene, dynamische Atmosphäre, die in sich absolut stimmig ist und kaum vermuten lässt, aus welchen unterschiedlichen kulturellen Hintergründen die Musiker*innen stammen.

(Nicola Koch)

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Highlights

  • Kaze no uta (feat. Tenniscoats)
  • Boat (feat. Popo)
  • Ashioto (feat. Kanako Numata)
  • Time tonight (feat. Yuko Ikema & Tenniscoats)
  • Tsuki no oto (feat. Tenniscoats & Zayaendo)
  • Gagyu (feat. Fuigo & Zayaendo)

Tracklist

  • CD 1
    1. Garden of peace (feat. Tenniscoats)
    2. Higasa amagasa (feat. Gratin Carnival)
    3. Itsuno manika watashitachi (feat. Eddie Marcon)
    4. Kaze no uta (feat. Tenniscoats)
    5. Kitakana St. March (feat. Satomi Endo)
    6. Kuroganemochi (feat. Eddie Marcon)
    7. Poisong (feat. Tenniscoats)
    8. Big park (feat. Kanako Numata)
    9. Unknown street (feat. Gratin Carnival)
    10. Miracle happy (feat. Mitamurakandadan?)
    11. Dep (feat. Popo)
    12. Gold rush (feat. Popo)
    13. Boat (feat. Popo)
    14. Ashioto (feat. Kanako Numata)
    15. When the wind blows, the bucket maker gains (feat. Satomi Endo)
  • CD 2
    1. Surfing in the city (feat. Kama Aina)
    2. Time tonight (feat. Yuko Ikema & Tenniscoats)
    3. New window (onto a collapsed house) (feat. Masaharu Seki & Zayaendo)
    4. Koyasan (feat. Mahasaru Seki & Zayaendo)
    5. Tsuki no oto (feat. Tenniscoats & Zayaendo)
    6. Gagyu (feat. Fuigo & Zayaendo)
    7. Oboreru (feat. Yuko Ikema & Tenniscoats)
    8. Nennennokoroli (feat. Kanji Nakao & Zayaendo)
    9. Coppepan (feat. Mitamurakandadan?)

Gesamtspielzeit: 124:38 min.

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Armin

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2023-12-09 21:54:43 Uhr - Newsbeitrag
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