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Culk - Generation Maximum

Culk- Generation Maximum

Siluh / Cargo
VÖ: 17.11.2023

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

The revolution will be socialised

"Alles viel zu viel und alles zu wenig" – was zunächst auch ein Ausspruch der Autorin dieser Rezension bei der Auswahl im Donutladen ihres Vertrauens sein könnte, ist eigentlich eines der möglicherweise wichtigsten Zitate vom neuen Culk-Album "Generation Maximum". Entnommen dem Song "2000", geben Titel und Text die Marschrichtung vor, die der Nachfolger des 2020er-Longplayers "Zerstreuen über Euch" so konsequent verfolgt, wie man es von Sophie Löw alias Sophia Blenda und ihren Bandkollegen gewohnt ist. War der Vorgänger noch ein Frontalangriff auf das Patriarchat, fokussiert sich das Drittlingswerk auf jene Generation, die aktuell die jüngsten Erwachsenen unserer Zeit bildet. Über Gen Z gibt es mittlerweile wahrlich genug Abhandlungen, dies soll keine weitere sein. Und doch bleibt festzuhalten, dass sich Culk hier durchaus mit den vielen Gegensätzlichkeiten beschäftigen, die diese besondere Generation umtreibt: der Wille nach maximaler Ehrlichkeit nach außen, verbunden mit höchster Sensibilität, Verletzlichkeit und gar Empfindlichkeit, wenn es um die eigene Person geht. Ungeduld hinsichtlich jeglicher Entwicklung und sämtlichen Fortschritts, aber stets darauf bedacht, sich selbst genug Zeit für alles nehmen zu dürfen. Oder eben: Alles zu viel, alles zu wenig.

Blenda & Co. verurteilen Gen Z nicht, im Gegenteil: Sie möchten sie befähigen, ihnen die Werkzeuge für ihre Kampagne an die Hand geben und bei der Revolution in der ersten Reihe mit dabei sein. Die Digital Natives bevorzugen natürlich, dass diese online stattfindet, Culk gehen aber direkt auf die Straße. "Ihr sucht in uns die Revolution, bürdet uns auf, was Ihr nicht leisten wollt / Wer sich heute nicht mehr wehrt, wird übrigbleiben", mahnt der Titelsong, während das grandiose Finale "Dein Gehen" Hilfestellung leistet: "Wir sind bei Dir / Ich halte Dich, so lange ich kann." Culk sind hier Mutter, Mentor, Motivator in einem und wissen genau, wie sie es anstellen müssen. Der Opener "Willkommen in der Hedonie" leitet den Aufstand trotz des melancholischen Basslaufs mit sanfter Hoffnung ein und punktet abermals mit starken Worten wie "Wir können nicht mehr nur danebenstehen", lässt aber auch Taten folgen. "www" rumpelt mit ordentlicher Post-Punk-Power durch sämtliche Frequenzen, während "Ode an die Freude" mit Götterfunken so gar nichts gemein hat, sondern stattdessen ein "neues Lied über unausgesprochene Träume" fordert – dabei erfüllt es diese Rolle eigentlich selbst ganz vortrefflich.

Hand in Hand stürzen sich Culk gemeinsam mit den Revolutionsführern von morgen schon heute ins Getümmel – allen voran natürlich Blenda, deren warmer und zwar verträumt klingender, aber doch hellwacher Gesang auch auf "Generation Maximum" ein Highlight für sich darstellt. Die definierten, durchdringenden Melodien tun ihr Übriges: "Eisenkleid" etwa dröhnt so schön shoegazig durch die Menschenmassen und sammelt dabei eifrig Unterstützer ein, dass sogar der Rattenfänger von Hameln neidisch werden könnte. Während jener am Ende aber auf Rache aus war, suchen Culk den Zusammenhalt und den gemeinsamen Lohn nach getaner Arbeit. Zurück in "2000", stellen sie die philosophische und doch wichtige Frage, was die Erde uns wert ist – und doch kommt man beim Hören von "Generation Maximum" nicht umhin zu denken, dass Culk die Antwort selbst ganz genau kennen und unseren Planeten um jeden Preis schützen wollen. Und mit welchen Verbündeten ginge das besser als mit jenen, die hier noch mitunter die längste Zeit verbringen werden? Also ran ans Werk – nichts ist zu viel, nichts ist zu wenig.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • Willkommen in der Hedonie
  • 2000
  • Eisenkleid
  • Dein Gehen

Tracklist

  1. Willkommen in der Hedonie
  2. 2000
  3. Generation Maximum
  4. Die Glut vor uns
  5. www
  6. Flutlicht
  7. Ode an die Freude
  8. Eisenkleid
  9. Ihre Welt
  10. Dein Gehen

Gesamtspielzeit: 37:59 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

eric

Mitglied der Plattentests.de-Chefredaktion

Postings: 2791

Registriert seit 14.06.2013

2023-12-07 14:37:33 Uhr
Viel Spaß @saihttham, den Hinweg solltest Du in jedem Fall schaffen. Muss nach Wiesbaden heute Abend. Da gibt's nen Bus zurück.

saihttam

Postings: 2349

Registriert seit 15.06.2013

2023-12-07 13:57:37 Uhr
Ich mag das Album auch. Ich hoffe die Bahn lässt mich nach Mainz fahren heute Abend.

cargo

Postings: 668

Registriert seit 07.06.2016

2023-11-24 21:49:45 Uhr
Großartiges Album, noch einmal ein echtes Highlight zum Jahresende. Auf Augenhöhe mit dem Vorgänger.

nörtz

User und News-Scout

Postings: 13800

Registriert seit 13.06.2013

2023-11-24 21:21:46 Uhr
Da sie immer so singt, brauchste dir dann ja auch die älteren Sachen nicht anhören.^^

Old Nobody

User und News-Scout

Postings: 3619

Registriert seit 14.03.2017

2023-11-24 21:03:15 Uhr
Eigentlich eine schöne Atmo,will aber nicht so recht zünden. Die Sängerin hat auch eigentlich eine echt angenehme Stimme,aber das was in der Rezi (schön mal wieder was von Jennifer zu lesen) als verträumt bezeichnet wird, klingt in meinen Ohren irgendwie so als wär das noch im Halbschlaf/ todmüde gesungen worden :) Soll so klingen, schon klar.Ist ja auch wirklich nicht schlecht,aber mir fehlt da halt irgendwas für mehr
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