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Taking Back Sunday - 152

Taking Back Sunday- 152

Fantasy
VÖ: 27.10.2023

Unsere Bewertung: 3/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Vier Hochzeiten und ein Totalausfall

Taking Back Sunday sind hiermit offiziell zu alt für den Scheiß. Sieben Jahre lang hatten sie sich eine Plattentests.de-Auszeit gegönnt, sieben komplette Bayern-München-Meisterschaften in Serie lang keine neue Platte mehr gemacht. Selbst die Ampelregierung kommt fixer zu Potte — und sogar manch Progrocker hatten in dieser Zeit locker gleich mehrere Dreifach-LPs mit Überlängenmusik bestückt. Dann ließen Taking Back Sunday im Sommer 2023 von sich hören. Endlich wieder. Mit einem Song, der "The one" heißt, der so anfängt, wie Karrieren ansonsten im Bierzelt auslaufen: Ein paar Best-Of-Hooks aus ihrer eigenen Diskografie hatte die Band unter die Stimme von Sänger Adam Lazzara gelegt und dieser wiederum mehr Hallhallhall-Effekte verpasst, als manch Schlagersternchen-Publikum nüchtern vertragen würde. "I took my time / I held my tongue / Knew all along that you were the one", schmachtet der einstige Emo-Posterboy hier, als sei er Chris Martin und Chris de Burgh in Personalunion. Dazu unterwummert Shaun Coopers Bassgitarre einen Vierviertel-Schunkeltakt, der im ZDF-Fernsehgarten für manche Sause sorgen könnte. Und die Musikwelt wusste schon nach den ersten Tönen und Zeilen: Diese XXL-Auszeit von Taking Back Sunday hatte womöglich einen Grund.

Cut (natürlich without the "E"): Im Dezember 2001 nehmen Taking Back Sunday gerade in New Jersey ihr "Tell all your friends" auf, ihr Newcomer-Debüt. Die ganze Band pendelte damals zwischen Vollzeit-Jobs und Aufnahme hin und her, zwischen Jersey und Long Island, zwischen Aufbrechen und Ankommen. Die Energie wird sich im Big Blue Meenie Recording Studio in New Jersey heftig entladen. Nicht nur in krachigen Gitarren, sondern auch in Zeilen wie diesen: "The truth is you could slit my throat / And with my one last gasping breath / I'd apologize for bleeding on your shirt." Zeilen, die John Nolan trotz der offensichtlichen Ironie eine Zeit lang und einen Emo-Myspace-Hype später peinlich sein werden. Warum das erwähnenswert ist: Weil "152", die neue Platte von Taking Back Sunday, über weite Strecken so energisch rockt wie ein Origami-Kurs. Und weil "152" selbst seine schwülstigsten Liebes- und Kumpelslieder zu keiner Zeit auch nur einen Funken ironisch meint. "I want people playing our new song 'S'old' at their wedding!", entblößte sich Lazzara neulich gegenüber dem Kerrang!-Magazin. Der meinte das ernst.

Entsprechend sind bereits manche Songtitel der durchgehend Dreiminüter auf "152" eine wohlkalkulierte Frechheit. "The one" hatten wir bereits, mit "I'm the only one who knows you" geht's ernsthaft direkt weiter — und Lazarra singt dazu nicht selten Beziehungsgedöns-Plattitüden, die er sich wohl von ChatGPT hat liefern lassen. Auszüge gefällig? Bitte sehr: "Like you're my one / 'Cause you're the one / 'Cause you're the one / You're the one." Oder der hier: "I love you but I'd rather live without you / I'm glad you're gone, I'm glad." Ohne Vorwarnung könnte das alles problemlos auch Bryan Adams sein statt Adama Lazzara. Dazu reimt Lazzara passenderweise am liebsten etwa "betting" auf "forgetting", das Offensichtliche auf das Offensichtlichere. Hätten Jimmy Eat World nicht längst den wenig schmeichelhaften Begriff des "Emo-Schlagers" für sich abonniert, Taking Back Sunday wären spätestens jetzt ganz vorne mit dabei.

Indes: Der Totalabsturz in die Banalen der Rockmusik-Geschichte gelingt Taking Back Sunday mit "152" nicht ganz. Das liegt weniger daran, dass die zweite Single "S'old" mit ihrem U2-Einstieg und Feierbiester-Chorus das schreckliche "The one" wiedergutmachen würde. Um Himmels Willen, nein. Sondern daran, dass Taking Back Sunday noch immer aus Menschen besteht, die zumindest grundsätzlich wissen, wie man Töne und Akkordfolgen so aneinanderreiht, dass sie zu gefälligen Melodien werden. Und das ganz ohne KI-Hilfe. Man höre "The stranger", einen der wenigen Tracks, die nicht auf das Plastikradio-Niveau von The All-American Rejects oder Panic! At The Disco abstürzen. Trotzdem: Wer hierzu eskaliert, der sucht verzweifelt nach neuen Taschentuch-Schnulzen und Paarfängern für die nächste Hochzeit. Sagt's all Euren Freunden: Hier werden sie fündig.

(Sven Cadario)

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Highlights

  • The stranger

Tracklist

  1. Amphetamine smiles
  2. S'old
  3. The one
  4. Keep going
  5. I am the only one who knows you
  6. Quit trying
  7. Lightbringer
  8. New music friday
  9. Juice 2 me
  10. The stranger

Gesamtspielzeit: 31:11 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Max der Musikliebhaber

Postings: 121

Registriert seit 13.07.2018

2023-11-23 09:23:16 Uhr
Wenn all dem so sein sollte: Okäse.

didz

Postings: 2075

Registriert seit 29.06.2017

2023-11-20 09:42:55 Uhr
war kein böser gedanke dahinter, pardon!

Autotomate

Postings: 6174

Registriert seit 25.10.2014

2023-11-20 07:06:02 Uhr
Nur zum Spaß. Und nix "raumhacken". Mir ist vollkommen wurscht, ob jemand Rezession oder Rezension schreibt, das ist ironischerweise auch genau die Aussage meines sicherlich etwas albernen "Romans" da oben.

Max der Musikliebhaber

Postings: 121

Registriert seit 13.07.2018

2023-11-20 00:13:39 Uhr
Ich denke, man sollte sich fragen, warum man wegen eines einzigen Wortes ganze 45 Wörter lange Romane fabrizieren und implizit auf andere Leuten rumhacken muss. Das ist echt too much.

Max der Musikliebhaber

Postings: 121

Registriert seit 13.07.2018

2023-11-19 23:48:49 Uhr
Könntet ihr bitte aufhören, darüber zu reden und das unnötig zu dramatisieren? Es reicht! :D
"Leute" kennen sehr wohl den Unterschied zwischen Rezension und Rezession. Und jetzt Themenwechsel!
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