Wayfarer - American gothic
Century Media / Sony
VÖ: 27.10.2023
Unsere Bewertung: 7/10
Eure Ø-Bewertung: 6/10
Lasso redn
Ein Grunzen hallt über die Prärie, die Schweine tragen Lederklamotten. Wayfarer haben ein neues Album aufgenommen. Es hört auf den Namen "American gothic", womit auch gleich die künstlerische Prämisse genannt wäre. Denn Wayfarer sind zwar in erster Linie eine Metal-Band, gleichzeitig bedienen sie sich gerne bei traditionellerer amerikanischer Musik, wenn es darum geht, das Geballer atmosphärisch einzurahmen. Glücklicherweise sind die Americana-Elemente nicht nur Gimmick, sondern durchaus wertiges Stilmittel, nachzuhören etwa in dem bedrohlich wabernden "Reaper on the oilfields". Das Kerngeschäft der Musiker liegt freilich woanders: Es muss geknüppelt werden.
Und so knüppeln sie. Mal vertrackt, wie im grandios arrangierten "The cattle thief", mal straight, wie im fiesen "To enter my house justified". Vereinfacht gesagt ist das hier Post-Metal, die wichtigsten Einflüsse stammen aus den Bereichen Black, Death und Progressive Metal. Dabei geht die Band mit reichlich Pathos zu Werk, was besonders dann zum Tragen kommt, wenn cleane Gesangspassagen erklingen. Musterbeispiel hierfür ist das hymnische "A high plains eulogy", das mit seinen schlierenden Gitarren und den in Hall ersaufenden Vocals ein wenig an Danzig erinnert. Allgemein leisten die beiden Sänger Shane McCarthy und Jamie Hansen ganze Arbeit, sie beherrschen das Wechselspiel zwischen Melodie und Geschrei hervorragend.
Die Produktion fällt indessen überraschend hochwertig aus, was der Musik meist gut zu Gesicht steht. Stellenweise wären ein paar rohere Elemente jedoch durchaus angebracht gewesen, so verliert "Black plumes over God's country" durch den auf Hochglanz getrimmten Sound etwas an Durchschlagskraft. Am feinen Songwriting des Quartetts ändert dies freilich nichts. Die Band reiht nicht nur Parts aneinander, sondern komponiert kleine Kunstwerke, die besonders durch ein großes dynamisches Spektrum zu überzeugen wissen. Immer wieder gibt es kleine Verschnaufpausen, bevor die Doublebass wieder das Steuer an sich reißt. Wie tragfähig das Konzept dahinter ist, wird sich erst noch zeigen müssen. Stand jetzt haben sich Wayfarer eine Nische geschaffen und es sich dort bequem gemacht. Die Chuzpe, Honky-Tonk-Melodien mit verzerrten Gitarrenwänden zu verbinden, muss man auch erstmal haben.
Highlights
- The cattle thief
- To enter my house justified
- A high plains eulogy
Tracklist
- The ten thousand tombs of western promise
- The cattle thief
- Reaper on the oilfields
- To enter my house justified
- A high plains eulogy
- 1934
- Black plumes over God's country
- False constellation
Gesamtspielzeit: 43:39 min.
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