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Lol Tolhurst X Budgie X Jacknife Lee - Los Angeles

Lol Tolhurst X Budgie X Jacknife Lee- Los Angeles

PIAS / Rough Trade
VÖ: 03.11.2023

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Der Ex war schneller

Vom Witz der Woche zum inzwischen fast zeitlosen Running Gag hat sich das neue Album von The Cure entwickelt. Seit vielen Monaten wartet die weltweite Fanschar auf frisches Material, jedes noch so kleine Gerücht wurde mit Wonne – zuletzt aber auch mit wachsendem Gleichmut – debattiert. Ob es 2024 dann doch so weit sein wird? Zweifel sind angebracht. Zur Erinnerung: 2008 erschien das bislang letzte Werk. Dass es auch anders geht, beweist jetzt ein langjähriger Weggefährte von Robert Smith und Kollegen. Nach lächerlichen vier Jahren Entstehungszeit legt Lol Tolhurst, ehemaliger Drummer und sogar Gründungsmitglied bei The Cure, mit seinen beiden musikalischen Mitstreitern Budgie und Garret "Jacknife" Lee ein in vielerlei Hinsicht bemerkenswertes Album vor – und ist damit seinem Ex-Chef in jedem Fall zuvorgekommen. Dabei setzen die drei Herren nebenher auf eine Vielzahl an Gästen, die "Los Angeles" für viele noch interessanter machen dürften.

Mit Blick auf die Musik gilt es gleich zu Beginn festzuhalten: Mit The Cure hat das mit seltenen Ausnahmen wenig zu tun. Robert Smith kann sich also beruhigt wieder hinlegen. Lol Tolhurst hat sich für das Album nicht nur mit einem anderen begnadeten Drummer, Budgie von Siouxsie And The Banshees und The Creatures, zusammengetan, sondern auch mit dem vielbeschäftigten Produzenten Garret "Jacknife" Lee. Das ungewöhnliche Trio strotzt auf "Los Angeles" vor Ideen. Mit klar gesetzten Rhythmusakzenten werden vielerlei Abzweigungen eingeschlagen und spannende Umwege gewählt, die es unmöglich erscheinen lassen, es sich in diesem Klangkörper allzu gemütlich zu machen. Schon der Auftakt liefert eine Vielzahl an Eindrücken, die man sich so zu vermengen auch erst einmal trauen muss. Allerdings: Wann, wenn nicht im siebten Lebensjahrzehnt, kann man generös mit Erwartungshaltungen spielen und diese wie eine lästige Fliege wegschnipsen? "This is what it is" wabert atmosphärisch vor sich hin und lässt die Kollegen von New Order gewiss aufhorchen. Stichwort Gäste: Bobby Gillespie von Primal Scream wirkt an diesem starken Opener mit, später tritt er noch zwei weitere Male in Erscheinung.

Im flirrenden Titeltrack, einem vor allem von Drumkunststücken und elektronischen Spielereien beherrschten Song, tritt James Murphy von LCD Soundsystem ans Mikrophon. Das bleibt im Verlauf des Ganzen übrigens auch gelegentlich verwaist, wenn Tolhurst, Budgie und Lee instrumental vorgehen und beispielsweise in "Train with no station" nur ein paar elektronisch erzeugte Sprachschnipsel hinzufügen. Und auch hier musiziert ein Gast mit: The Edge von U2. Mit zunehmender Spielzeit wird deutlich, dass dem Trio offenkundig gar nicht so viel an einem durchgängigen Klangstrom lag, sondern vielmehr eine Unmenge an Ideen höchst kreativ in Szene gesetzt werden sollte. Das ist vor allem deshalb mit Langzeitwirkung versehen, weil es ungeheuren Spaß macht, die einzelnen Songs nach und nach in all ihrer Komplexität und Verschiedenheit zu begreifen. Spannend ist natürlich auch die Frage, ob das formidable Zusammenspiel der drei Briten eine Fortsetzung erfährt. Und ob sie am Ende sogar noch früher mit ihrem möglichen zweiten Album aufwarten als The Cure mit "Songs from the lost world". Herr Smith, das mit dem Hinlegen gilt es zu vergessen: Sie sind am Zug!

(Torben Rosenbohm)

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Highlights

  • Los Angeles (with James Murphy)
  • Country of the blind (with Bobby Gillespie)
  • Noche Oscura (with The Edge)
  • Skins (with James Murphy)

Tracklist

  1. This is what it is (to be free) (with Bobby Gillespie)
  2. Los Angeles (with James Murphy)
  3. Uh oh (with Arrow de Wilde and Mark Bowen)
  4. Ghosted at home (with Bobby Gillespie)
  5. Train with no station (with The Edge)
  6. Bodies (with Lonnie Holley and Mary Lattimore)
  7. Everything and nothing
  8. Travel channel (with Pan Amsterdam)
  9. Country of the blind (with Bobby Gillespie)
  10. The past (being eaten)
  11. We got to move (with Isaac Brock)
  12. Noche Oscura (with The Edge)
  13. Skins (with James Murphy)

Gesamtspielzeit: 54:42 min.

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User Beitrag

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 26961

Registriert seit 08.01.2012

2023-11-08 22:00:26 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?


Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 26961

Registriert seit 08.01.2012

2023-07-27 20:49:17 Uhr - Newsbeitrag
Lol Tolhurst x Budgie x Jacknife Lee

Zwei der berühmtesten Schlagzeuger der Post-Punk-Ära, Lol Tolhurst von The Cure und Budgie von Siouxsie & The Banshees und The Creatures, haben zusammen mit dem Produzent Garret 'Jacknife' Lee (u.a. Taylor Swift, U2 und The Killers) die letzten vier Jahre damit verbracht, eines der außergewöhnlichsten Alben des Jahres 2023 zu entwickeln.
Das gemeinsame Album "Los Angeles" erscheint am 3. November über Play It Again Sam. “Lol is very levelling”, erzählt Budgie über die intensiven kreativen Sessions. “He calls himself a pragmatist, whereas I’m very impetuous, and it was like Garret was bridging the two, in his consultation room.” Wie der Titel schon sagt, ist "Los Angeles" eine Reise in das dunkle Herz des zeitgenössischen LaLaLands, ein Ort der grenzenlosen Möglichkeiten, aber auch eine kranke und verzehrende Welt, in der Träume platzen - und die, Zitat James Murphys im Titeltrack, "ihre Kinder frisst".

Wenn man sich die Tracklist ansieht, auf der unter anderem James Murphy von LCD Soundsystem, Bobby Gillespie von Primal Scream, The Edge, Lonnie Holley, Mary Lattimore, Starcrawler-Sängerin Arrow de Wilde und Mark Bowen von IDLES auftauchen, fragt man sich zu Recht, was der 13-Track-Longplayer alles zu bieten haben wird. Die Antwort: ein knallharter und zwanghaft forschender, 55-minütiger elektronischer Ritt, mit einem Arsenal an Synthesizern, Gitarren und peitschenden Drums, oft überlagert von Streichern und Bläsern der Spitzenklasse, die von Lee verdreht und geformt werden. Getreu der eigentlich Absicht sind vier Tracks auch als Instrumentalstücke erhalten geblieben, jedes davon unberechenbar, beunruhigend und doch wunderschön.

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