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Helmet - Left

Helmet- Left

Ear / Edel
VÖ: 10.11.2023

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Der Riffblicker

Ein einziges Riff. Nur ein einziges Riff. Der neue Helmet-Song "Bombastic" läuft gerade in die Zielgerade ein, Groove-Meister Page Hamilton grufft "Give it up!" in Mezzoforte – und er und seine Bandkollegen halten an einem einzigen Kopfnicker-Riff fest. Sie krallen sich regelrecht daran fest, als könnte es ihnen weglaufen. So, als ob das Riff eine Frau wäre, oder mehr als eine Frau, die Liebe ihres Lebens. Indes: Es passiert nicht. Das Riff läuft nicht. Es rifft, bis zum Ende. Ein Ende mit Urknall natürlich. Und Vorschlaghammer. Davor hatten Helmet wieder Helmet-Sachen angestellt, also ihre auf Krawall gebürsteten Gitarren mit Hamiltons Singstimme wieder grundharmonisch zurechtgebogen. Takte und Rhythmen so routiniert gewechselt wie Leistungssportler ihre Tennis-Socken. Vocals behandelt, als wären sie ein Teil der Rhythmusabteilung. Taktzahlen penibel auf ihren kleinsten gemeinsamen Groove gekürzt. Gelärmt, gerockt, dabei sogar Spaß gemacht. Und Wiedergutmachung betrieben. Etwas anderes würde die Menschheit Helmet nicht verzeihen. Nicht mehr.

Helmet sind nämlich an allem schuld. Hätten sie vor über acht Fußballmillionär-Weltmeisterschaften nicht damit angefangen, aus auf Drop-D gestimmten Zappel-Riffs einen Rhythmus-Tanz samt Kunstform zu machen – Fred Durst wäre samt Buddy Wes Borland eine Wurst geblieben. Papa Roach hätten niemals Nerven weltweit zerstört. Plattentests.de-Chef Armin Linder hätte sich etliche Therapiestunden sparen können. Und Nu-, Nerv- und Rap-Metal hätte spätestens nach Ice-Ts Body Count für immer die Fresse gehalten. Indes: Es kam anders. Obwohl nie so beabsichtigt – auch der Erfinder von Twitter hatte bestimmt mal Gutes im Sinn – lieferten Helmet mit ihrem Vorzeige-Sound und -Crossover aus Alternative, Math-Noise und Stakkato-Core Steilvorlagen für Mist. Mist, dem man nirgends entkommen konnte. Sogar sie selbst waren keine Bank mehr, nachdem Page Hamilton nach der Auflösung 1998 die Band Mitte der 2000er-Jahre reformiert hatte. Jetzt wagen sich Helmet auf ihrer neuen Platte "Left" trotzdem wieder dahin zurück, wo sie mal angefangen hatten. Hamilton will wieder den Checker-Lärm einfangen, mit dem Musikfans schon in den 1990er-Jahren sowohl die Spießer-Nachbarn erschrecken als auch Moshpits unsicher machen konnten. Und die alten Helmet mit den neuen vereinen. Zumindest teilweise.

In der Warmlaufphase von "Left" ist davon zunächst mittelviel zu spüren. Die erste Single-Auskopplung "Holiday" bemüht sich, das wiederzufinden, was zwischen der Auflösung und zuletzt verloren ging. Hamilton macht erst den Synapsen-Pogo, reimt "moon" auf "doom" und "gloom", um sich im Refrain wieder an der Art Melodie zu versuchen, welche die schwächeren Helmet-Songs der letzten 20 Jahre so verknödelt hatte. Und hier funktioniert das sogar. Im bereits erwähnten "Bombastic" kriegen Helmet mühelos die Kurve, während mitten in "Powder puff" eine Sägegitarren-Bridge den Song amtlich in seine Einzelteile zerlegt. Der Zauber hält aber nicht ewig vor. Dem Groove in "Disclocated" fehlen über zu lange Strecken die Ausreißer und Hamiltons einstiges Trademark-Gebell, um zu Potte zu kommen. Der "NYC tough guy" entpuppt sich als Flanellhemdenträger-Lauch, der noch mal die alten Alternative-Zeiten feiern will. Die Streicher in "Tell me again" hätten sich Helmet genauso sparen können, wenn sie wie früher wirklich nachgerechnet hätten. Und der Rausschmeißer "Resolution" ist für den studierten Musiker und Jazz-Liebhaber Page Hamilton nicht mehr als eine Fingerübung. Aber zumindest für alle, die von Helmet zuletzt enttäuscht waren, gibt es gelegentlich Saures. Und wenigstens eine Handvoll sauber abgezählten Noise-Core mehr.

(Sven Cadario)

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Highlights

  • Holiday
  • Bombastic

Tracklist

  1. Holiday
  2. Gun fluf
  3. NYC tough guy
  4. Make-up
  5. Big shot
  6. Bombastic
  7. Reprise
  8. Dislocated
  9. Tell me again
  10. Powder puff
  11. Resolution

Gesamtspielzeit: 31:25 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

fuzzmyass

Postings: 16011

Registriert seit 21.08.2019

2023-11-16 22:23:57 Uhr
Grad am Hören... Holiday eigentlich super Song, aber diese Lyrics - grauenhaft... dieses dumpfe Gefluche passt irgendwie null, das sollte man lieber Limp Bizkit überlassen... sonst toller Song...
Ansonsten eigentlich recht solides Album, nach Holiday nicht mehr stark auf Lyrics geachtet und dennoch sind hier und da paar kleine blöde Stellen aufgefallen, nichts aber derart schlimmes wie beim Opener...

NeoMath

Postings: 1856

Registriert seit 11.03.2021

2023-11-11 17:19:26 Uhr
Musikalisch OK, ja, aber eben auch nicht super.
Die Gesangsmelodien sind mir allerdings teilweise viel zu cheesy

Hierkannmanparken

Postings: 1109

Registriert seit 22.10.2021

2023-11-11 17:04:00 Uhr
Musikalisch geht das echt in Ordnung. Mein Problem sind die Lyrics.

Das Konzept scheint oft zu sein: Ich lass mit diesem Song meine Wut an Personengruppen raus, die ich verachte.

Finde ich irgendwie etwas stumpf umgesetzt. Gerade das Gefluche in Holiday finde ich ein bisschen schräg.

fuzzmyass

Postings: 16011

Registriert seit 21.08.2019

2023-11-09 19:27:52 Uhr
Bin mal gespannt, fand die letzten Alben absolut okay bis teilweise recht spaßig zum hören - wenn man sich von den alten Meisterwerken lösen kann...

Hierkannmanparken

Postings: 1109

Registriert seit 22.10.2021

2023-11-09 19:03:09 Uhr
Auf Bombastic bin ich jetzt aber doch gespannt
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