Farmer Boys - The other side

Farmer Boys- The other side

Nuclear Blast / Warner
VÖ: 26.01.2004

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Seitenaus

Nichts ist so hart wie der Boden der Tatsachen. Kaum hatten die Farmer Boys anno 2000 mit ihrem selbstbewußt betitelten "The world is ours" zum intergalaktischen Höhenflug angesetzt, mußten sie eine empfindliche Bauchlandung hinnehmen und sich plötzlich wieder mit ganz irdischen Dingen beschäftigen: Der Plattendeal ging flöten, die Kreativität auch, und obendrein sahen sich noch mehrere Bandmitglieder mit Familien- und Vaterfreuden konfrontiert, was ausgiebiges Touren verhinderte. Die Band steckte in einer Sackgasse, und die Fans wurden des langen Wartens allmählich überdrüssig.

Da mag es gar nicht verwundern, daß man nun zum Comeback nach fast vierjähriger Auszeit auf übernatürlichen Beistand aus dem Jenseits hofft. Das Cover zu "The other side" zitiert überdeutlich den Grusel-Film "The Others" mit Heldin Nicole Kidman, und zeigt die fünf Bauernburschen mit angsterfülltem Blick. Als ob ihnen gleich an der nächsten Ecke ein untoter Zombie auflauern würde. Nein, hier geht es nicht um Spaß, sondern um Gespenstervertreibung. Dabei sollen die Geister der Vergangenheit allerdings nicht mit übernatürlichen Kräften, sondern eher mit äußerst konventionellen Waffen zurückgeschlagen werden. Dazu setzen die Stuttgarter auf den bewährten Mix aus wohldosierten 80ies-Metal-Riffs und poppigen Melodien, die verziert mit allerhand Electronica und ganz viel Pathos vor allem Eines wollen - hoch hinaus! Denn die Welt ist schließlich nicht genug. Die Farmer Boys wollen Hymnen für die Ewigkeit schreiben, die am besten noch jenseits unseres Sonnensystems zu hören sind.

Daß Anspruch und Realität aber nun oftmals arg auseinanderklaffen, ist eine altbekannte Binsenweisheit. Bei dem Farmer Boys gibt sich beides die Klinke in die Hand. Zwar knallen die breitbeinig riffenden Songs ziemlich straight aus den Boxen und schreien in ihrer Melodienverliebtheit geradezu nach Radio-Airplay. Aber genau diese Berechenbarkeit sorgt bei aller gewollten Hörte für einen bittersüßen Nachgeschmack. Die Nummern wirken einfach zu clean, zu sehr auf Nummer sicher getrimmt. Hier gibt es kaum nennenswerte Ecken und Kanten, die den Songs ein unverwechselbares Profil geben könnten. Und schon gar kein Augenzwinkern. Zumal es die Band, explizit Sänger Matthias Sayer, mit dem Pathos gerne übertreibt, was einer Ballade wie "My darkest hour" das zarte Genick bricht.

Das ist schade, denn mit etwas mehr Mut und druckvollerem Sound hätten die Farmer Boys mit "The other side" durchaus auf der guten Seite landen können. So aber scheint den Jungs mit ihrem vierten Album endgültig die Bodenhaftung verloren gegangen zu sein. "It's time now for this rocketship to fly / Gravity will never hold me / 'Cause home is where the stars are", heißt es in "Home is where the stars are". Aber solange die Menschheit nicht mal vernünftig zum Mars fliegen kann, steckt hinter solchen Parolen wenig mehr als heiße Luft.

(Christof Nikolai)

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Highlights

  • Stay like this forever
  • Get crucified

Tracklist

  1. For the world to sing
  2. Like Jesus wept
  3. Once and for all
  4. Where the sun never shines
  5. Premonition
  6. In my darkest hour
  7. Stay like this forever
  8. The other side
  9. What a feeling like
  10. Trail of tears
  11. Home is where the stars are
  12. Get crucified

Gesamtspielzeit: 46:28 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
immer noch
2017-02-02 19:08:09 Uhr
Tolles Scheibchen!
Gringo
2004-01-20 20:55:57 Uhr
Hey,Vera! Du wirst Dich doch wohl nicht von den Farmer Boys von Machine Head ablenken lassen? ;-)
vera
2004-01-20 20:19:03 Uhr
im hammer war eine cd, da war ein lied von denen drauf."stay like this forever". is glaub ich ganz gut.
Eggs
2004-01-20 16:15:02 Uhr
Fand sie anfangs gar nicht mal so toll, aber nach mehrmaligem Hören rockt die einen immer wieder aufs neue; v.a. gibt es auf dieser Platte keinen Song der kein Hitpotential hätte. Für mich das beste seit langem in diesem Genre!!
Höldälin
2003-12-21 16:27:07 Uhr
Homos? Farmer Boys? Watt is los? *lol*
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