Billy Raffoul - For all these years

Nettwerk
VÖ: 20.10.2023
Unsere Bewertung: 5/10
Eure Ø-Bewertung: 5/10

Beeindruckend unbeeindruckend
Von außen betrachtet kann man schon auf den Trichter kommen, dass sich im Pop derzeit viele Künstlerinnen ähneln. Olivia Rodrigo etwa gibt offen zu, Akkorde bei Taylor Swift abgeguckt zu haben. Auch thematisch nähern sich so manche dem derzeit größten Popstar der Welt an. Ist es mangelnde Kreativität, sind es Labels, die sich auf eine sichere Bank stürzen oder handelt es sich einfach um puren Zeitgeist? So oder so müssen sich noch andere Genres den Schuh des Einheitsbrei-Vorwurfes und der Doppelgängerei anziehen. Nach James Bay, George Ezra, Vance Joy, Tom Odell, Paolo Nutini, Passenger, Jake Bugg oder Sam Fender sollte es eigentlich abwegig erscheinen, dass die Welt noch einen Songwriter braucht, der irgendwo zwischen Folk-Rock und Radio-Pop ansiedelt und eine gewisse Würze in der Stimme mitbringt oder diese zumindest für einen dreiminütigen Song vorgaukeln kann. Wie talentiert oder berechtigt die genannten Künstler im Einzelnen sind, sei mal dahingestellt. Fest steht, dass es noch deutlich mehr von ihrem Schlag gibt. Und die wenigsten wiederum haben länger als einen angenehmen, vielleicht sogar wirklich spannenden Hit überlebt.
Irgendwo in dieser Liga mischt auch Billy Raffoul mit. In Deutschland wohl eher unterm Radar, denn seine Signature-Single wurde hierzulande noch nicht im hiesigen Radio totgespielt. Dennoch: Sein meistgestreamter Song auf Spotify zählt mehr als 70 Millionen Aufrufe. Wortgewandt wie Raffoul offenbar ist, trägt das Stück den bezeichnenden Namen "Acoustic", als wären die zaghaft gezupften Gitarrensaiten und das ebenso zurückhaltende Klopfen des Korpus nicht Hinweis genug, welchen Stil der Song anstrebt. Auch auf seinem neuem Album "For all these years" bewegt er sich nicht fort von simplen Reimen, bemüht röhrender Stimme und dem Fokus auf der Gitarre. Während der Opener "Bliss" und auch das darauffolgende "Better" noch überraschend frisch und poppig daherkommen, verfällt Raffoul zügig in gewohnte Muster.
In der Ballade "I wish you were here" führt eine pathetische Klaviermelodie quälend lange drei Minuten an. Während "dear" auf "here" und "year" sowie "fear" gereimt wird, klingt Raffouls Gesang rauer und rauer. Was man geschönt als charakterstarke Stimme bezeichnen könnte, ist in Wahrheit weder besonders angenehm noch beeindruckend. Wer einmal Henning May gehört hat, den überrascht in dieser Hinsicht rein gar nichts mehr. Obwohl Raffouls Tonlage noch in höheren Tönen ansiedelt.
Mit "Drive you home", oder "We could get high" wird es nochmal fröhlicher und rockiger auf "For all these years". Raffoul setzt häufiger Kopfstimme ein und klingt insgesamt natürlicher. Ein Sound, der ihm besser steht. Besonders Spaß macht hier "Alligator", das an eine Mischung aus James Bay und The Fratellis erinnert, also leichte Indie-Vibes mitbringt. Über den offensichtlichen Versuch, als Bruce-Springsteen-Imitator durchzugehen und dabei mysteriösen Folk-Rock zu spielen, kommt Raffoul aber nicht hinaus. Die Stimmung, die Instrumente und vor allem seine Lyrics wurden gefühlt schon tausendmal gespielt, gesungen und erlebt. Nämlich auch bei John Mayer, Rhodes, Roo Panes, Foy Vance – you name it!
Highlights
- Bliss
- Alligator
Tracklist
- Bliss
- Better
- I wish you were here
- In my arms
- My old man
- Drive you home
- We could get high
- Alligator
- Michael
- I can't love you anymore
- Tangerine
- Jim Carrey
Gesamtspielzeit: 34:05 min.
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2023-10-25 21:59:23 Uhr - Newsbeitrag
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Referenzen
Vance Joy; Tom Odell; Ben Howard; James Vincent McMorrow; Damien Rice; George Ezra; Kodaline; John Mayer; Roo Panes; Jake Bugg; Rhodes; Sam Fender; Years & Years; Hozier; Sam Smith; Bear's Den; Lucy Rose; Benjamin Francis Leftwich; Angus & Julia Stone; Paolo Nutini; Laura Marling; Matt Corby; José González; Passenger; Daughter; Johnny Flynn; First Aid Kit; Northcote; Newton Faulkner; Foy Vance; Noah Gundersen
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- Billy Raffoul - For all these years (1 Beiträge / Letzter am 25.10.2023 - 21:59 Uhr)