Fantômas - Delìrium còrdia

Fantômas- Delìrium còrdia

Ipecac / Southern / EFA
VÖ: 23.01.2004

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Unpôpbar

Ein dunkles, feuchtes Gewölbe wird nur sehr spärlich mit Fackeln beleuchtet. Der Protagonist schaut gehetzt umher. "Held" ist hier der ganz falsche Ausdruck, denn die Person scheißt sich vor Angst geradezu in die Hose. Seine Augen stochern ziellos in der Dunkelheit umher, verzweifelt nach einem Orientierungspunkt suchend. Irgendwo da hinten kann er sie hören, die Typen in ihren langen Kutten, die die satanische Version Gregorianischer Gesänge immer wieder vor sich hinleiern. Wo zum Teufel ist er hier? Bei einer wahnsinnigen Sekte? In Frankensteins Laboratorium? In Mordor? In der Vorhölle?

Herzlich willkommen in Deinem Kopfkino. Heute läuft Dein ganz persönlicher Albtraum, denn Du hast Dir als Soundtrack Fantômas' "Delìrium còrdia" ausgesucht. Wird also wohl kein besonders amüsanter Abend werden, aber Du hast es Dir ja nicht anders ausgesucht. Mike Patton hat sich nämlich vorgenommen, Dir die furchterregendsten Gestalten, die sich Deine aus Horrorfilmen inspirierte Fantasie je ausgemalt hat, in komprimierter Form mitten ins Hirn zu pflanzen. Dabei fungiert der Stimmenakrobat hier im wesentlichen als Regiseur, nicht als Schauspieler: Er setzt kaum einmal sein Organ in Szene, sondern bleibt fast immer im Hintergrund.

Mike Pattons stimmliche Qualitäten sind ja nun über jeden Zweifel erhaben. Was aber, wenn der Meister stumm bleibt und stattdessen mit Deinen Gedanken Achterbahn fährt? Das Ergebnis dieses Höllentrips bleibt leider hinter den Erwartungen zurück. Denn der Film, zu dem Fantômas hier die Musik abgeben, bleibt über weite Strecken schwarz-weiß. Oder passender noch grau-grau. Ewig lange bleibt die Kamera auf die zusammengesunkene Kreatur gerichtet, ohne daß sich etwas bewegt. Der Cineast mag schwärmen, daß "sich hier noch jemand Zeit für Bilder nimmt."

Weniger kunstbeflissene Zeitgenossen aber sind unangenehm berührt. Natürlich wollte man keinen kommerziell gestylten Actionhero in perfekt inszeniertem Effektfeuerwerk sehen. Aber man hoffte doch auf trashige Szenen sinnloser Gewalt, schräge Schnitte und ein paar ziemlich durchgeknallte Charaktere. Stattdessen bekommt man sowas ähnliches wie ein Freejazz-Video von Rainer-Werner Fassbinder vorgesetzt. Ganz schwere Kost, wenn nicht gar gänzlich unverdaulich. Zumindest ist "Delìrium còrdia" ein typischer Fall von "Sowas muß man mögen." Oder eben nicht.

(Rüdiger Hofmann)

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Highlights

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Tracklist

  1. Delìrium còrdia

Gesamtspielzeit: 74:06 min.

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