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Steep Canyon Rangers - Morning shift

Steep Canyon Rangers- Morning shift

Yep Roc / Bertus
VÖ: 08.09.2023

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 3/10

Ganz bei sich

Irgendwo im Nirgendwo sitzen ein paar bärtige Männer und musizieren. Die Flanellhemden spannen ein wenig um die Bauchgegend, die Haare sind ergraut. Die Banjos jubilieren, die Fiddle quietscht. Viel mehr Klischee geht eigentlich gar nicht – trotzdem funktioniert die Musik von Steep Canyon Rangers ganz hervorragend, vielleicht auch, weil den Herren völlig egal ist, was außerhalb ihrer kleinen Bubble passiert. Während der Rest der Welt sich in Hysterie verliert, bleibt die Band aus North Carolina ihrem Stil treu. Nichts bringt sie aus dem Gleichgewicht. Ihr neues Album "Morning shift" ist nicht nur Zeugnis großer Kompetenz, sondern auch ein Statement: Sollen die anderen sich um Klicks und Follower streiten, wir bleiben unter uns.

Nun könnte eine solche Herangehensweise schnell in rückwärtsgewandtem Kitsch enden, doch Steep Canyon Rangers sind glücklicherweise keine Phrasendrescher. Sie erzählen Geschichten aus dem Alltag, in einfachen Worten, mit einem großen Gespür für Zwischentöne. Ihre Musik bedient sich gleichermaßen bei Bluegrass und Country, besonders toll sind die Harmoniegesänge, die viele Refrains in Ohrwürmer verwandeln. Wenn beispielsweise "Ghost of Glasgow" sich gegen Ende in einem whiskyseligen Wechselgesang verliert, bleibt kaum ein Auge trocken. Auch in ruhigeren Momenten weiß die Musik zu berühren. Das absolute Highlight des Albums ist diesbezüglich der Closer "Recommend me", der mit wunderschön noch zurückhaltend beschrieben ist.

Gelungen fällt auch die Produktion aus, die Aufnahmen haben einen angenehmen Raumklang, der besonders den Background-Stimmen guttut. Auch die Instrumente sind stilvoll in Szene gesetzt, nachzuhören etwa in dem minimalistischen "Above my burdens". In Sachen technischem Können macht Steep Canyon Rangers ohnehin keiner etwas vor. Nichts wirkt gestellt oder gar gezwungen. Es gibt virtuose Momente, diese sind aber stets geschmackvoll in die Kompositionen eingebunden. Herzlose Fingerakrobatik bleibt der Konkurrenz überlassen. Stattdessen schwebt der Geist von John Denver durch Songs wie "Birds of Ohio" und "Fare thee well, Carolina girls".

Beim Hören von "Morning shift" stellt sich ein wonniges Gefühl ein. Ein Gefühl, das an taufeuchte Morgenspaziergänge erinnert. An jene kleinen Momente, die einen die Hektik des Alltags vergessen lassen. Wir bauen uns Festungen aus Beton, aber wofür? Manchmal ist es sinnvoller, sich an einen Waldrand zu setzen und der Wiese beim Wogen zuzuschauen. "Entschleunigung" sagt man im Neusprech, aber das ist ein fürchterliches Wort. Es geht um mehr als eine im Terminkalender festgehaltene Pause, es geht darum, Gewohnheiten zu ändern. Sich daran zu erinnern, dass das Leben genau lang genug ist, um es in vollen Zügen zu genießen. Bestenfalls mit der richtigen Begleitmusik.

(Christopher Sennfelder)

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Highlights

  • Ghost of Glasgow
  • Above my burdens
  • Fare thee well, Carolina gals
  • Recommend me

Tracklist

  1. Hominy valley
  2. Deep end
  3. Second in line (Junior)
  4. Old stone house / Handlebars / Chimney rock
  5. Harvest queen
  6. Ghost of Glasgow
  7. Above my burdens
  8. Birds of Ohio
  9. Alabama calling
  10. Morning shift
  11. Fare thee well, Carolina gals
  12. Recommend me

Gesamtspielzeit: 47:31 min.

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Armin

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2023-10-11 22:07:31 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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