The Coral - Nightfreak and the sons of Becker

The Coral- Nightfreak and the sons of Becker

Deltasonic / Sony
VÖ: 26.01.2004

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Beckerhechtsuppe

Die entsprechende Pressemitteilung wurde zwar noch nicht herausgegeben, aber im Prinzip ist es so gut wie offiziell: The Coral sind jetzt endgültig und unwiderruflich vollkommen verrückt geworden. Der Ofen ist aus, die Katze im Sack und der Braten gegessen. Was geschehen ist? Nun, zunächst einmal gar nichts außergewöhnliches. Die sechs U21er aus Liverpool haben sich zu einer lustigen Woche in der nordwalisischen Partymetropole Bryn Derwen verabredet und nebenbei ein neues Album aufgenommen. Ihr drittes in zwölf Monaten. Und drauf kommen sollten da diesmal nur ganz spontane Sachen. Nichts außergewöhnliches, wie gesagt.

Irgendwann während dieser Woche muß die Jungs aber doch der Wahnsinn gepackt haben. Sicher, schon ihre ersten zwei Platten waren voll mit Musik, die Atomphysiker zur Teilung von Gehirnzellen benutzen könnten. Was The Coral uns aber diesmal an abstrusen Erleuchtungen aufs Butterbrot schmieren, läßt den schief gewickelten Gypsy-Pop ihrer bisherigen Alben mühelos als fluffige Fahrstuhlvertonung erscheinen. Da wird schon mal ein Song aus Einzelteilen zusammengeflickt, die vorher unmöglich voneinander gewußt haben können. Da wird sorglos dazwischengequatscht, während alle gerade voll bei der Sache sind. Und da drückt auch schon mal jemand heimlich auf die FWD-Taste und freut sich nachher diebisch darüber, wie wunderbar beschissen das jetzt klingt. Es fehlen eigentlich nur noch Helium-Luftballons.

Wenn man erstmal mit der verstrahlten Funk-Mutation "Venom cable" getanzt, dem mordlüsternen Psychopathen-Singalong "I forgot my name" ins Auge geblickt und den jenseitigen Höllentrip "Migraine" schadlos überstanden hat, ist man auch bereit für die Erklärung des mysteriösen Album-Titels. Gewidmet haben The Coral "Nightfreak and the sons of Becker" dem international anerkannten Star-Schriftsteller Boris Becker. Weil der nämlich eigentlich ihr Papa ist. Sagen sie. Und das wirklich erschreckende an der Geschichte ist: Sie ist das Vernünftigste, was man in den letzten 28 Minuten und sieben Sekunden gehört hat.

Ob The Coral nun wirklich die legitimen Nachfahren von Bumm-Bumm-Besenkammer sind, ist am Ende aber eigentlich gar nicht mehr so wichtig. Zu erwähnen wäre da eher noch, daß man von dieser Mini-Platte mehr Spaß erwarten kann, als in einem zweiwöchigen Euro-Disney-Urlaub. Er ist eben nur ziemlich gut versteckt. Hinter Gitarren mit Magengeschwüren, unter spukenden Orgeln und gern auch mal zwischen zwei Tracks, die sich angiften, als wäre der eine Türke und der andere Grieche. Möglich, daß man sich in fünf Jahren, wenn das 63. Coral-Album rauskommt, an "Nightfreak and the sons of Becker" nur noch deshalb erinnern wird, weil der Popsong "Precious eyes" es so wundervoll und mit Ziehharmonika eröffnet hat. Für den Moment gibt es aber nichts, was noch egaler sein könnte.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Precious eyes
  • Keep me company
  • Lovers paradise

Tracklist

  1. Precious eyes
  2. Venom cable
  3. I forgot my name
  4. Song of the corn
  5. Sorrow or the song
  6. Auntie's operation
  7. Why does the sun come up?
  8. Grey harpoon
  9. Keep me company
  10. Migraine
  11. Lovers paradise

Gesamtspielzeit: 28:07 min.

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User Beitrag
flink
2004-06-03 09:49:31 Uhr
also ich find "nightfreak..." besser als "magic&medicine". das geht wieder ein bischen mehr in richtung debüt. magic&medicine war irgendwie zu lahm, da helfen auch nich ein paar schöne pop-melodien.
Sebastian
2004-06-01 17:13:31 Uhr
Ist auch krass gegen die Erwartungen. Zunächst würd ich vielleicht 6/10 geben, der Umstand ist hier ähnlich wie bei der aktuellen Mclusky

Ansonsten wäre es ein Gedanke bei so einem Fall die Bewertung lieber ganz auszulassen und nur zu beschreiben. Der Charakter als Mini Album ist ja auch nicht selbstverständlich.

Bei dem Album nehm ich aber The Coral mal gar nichs übel
Dän
2004-05-28 15:43:07 Uhr
Hmm, so richtig weiß ich nicht, was ihr habt. Natürlich hält das mit den richtigen Coral-Alben nicht ansatzweise mit, weshalb man den Unterschied vielleicht schon durch zwei Punkte weniger hätte ausdrücken können. Aber Spaß macht's mir trotzdem nicht zu knapp.
Demon Cleaner
2004-05-28 15:18:34 Uhr
So arg schlecht find ich es nicht, aber 7/10 sind definitiv zu viel. Außer "Precious Eyes", "Song Of The Corn" und "Sorrow Or The Song" bleibt da bei mir kaum was hängen. Da sind die Vorgänger um Längen besser. So 6/10 maximal von mir.
Speedpeter
2004-05-28 13:42:31 Uhr
Totaler Mist das Album, muss euch leider zustimmen

Rezension: 4/10 hättens auch getan
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