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Danko Jones - Electric sounds

Danko Jones- Electric sounds

AFM / Soulfood
VÖ: 15.09.2023

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Hartes Los

München, irgendwann im September. Kurz vor Beginn unseres alljährlichen Betriebsausflugs auf eine dort stattfindende kleinere Veranstaltung sitzen die eigens angereisten Mitarbeiter im Konferenzraum des vollverglasten Plattentests.de-Redaktionsgebäudes und erfreuen sich bereits bester Stimmung. Plötzlich befindet Kollege Rodach, man könnte doch die allwöchentliche Verteilung der Rezensionen mal anders gestalten, so per Zufall, vielleicht mit Flaschendrehen oder so. Au ja, juhu, die gesamte Truppe feiert. Doch als bei "Electric sounds" von Danko Jones die Buddel ausgerechnet beim Redakteur aus dem hohen Norden landet, wird's komisch. Denn wieso dreht sich Andi plötzlich grinsend weg? Und was soll dieses kleine Gummiplättchen, das er verstohlen in die Tasche steckt und beim Lauf der Flasche für einen etwas abrupten Bremsvorgang sorgte? Plötzlich dämmert es dem Hanseaten: Das war von langer Hand geplant und schon anlässlich der eher mittelmäßigen Platte "Power trio" angekündigt. Na warte, mein Freund ...

Mit exakt dieser Haltung scheint wohl auch Danko Jones mit der gleichnamigen Band zu ihrem elften Studioalbum angetreten zu sein. Nur dass es statt einem freundlichen "Moin" oder "Servus" direkt heißt: "Guess who's back? Me, motherfucker!" – an Selbstbewusstsein mangelte es dem Kanadier noch nie. Und tatsächlich ist "Guess who's back" ein Opener nach Maß, bittet zu good friendly violent fun in den Pit und will direkt mitmachen: "I'm gonna wreck this place / You're gonna have a bad day / And it won't stop / Till the smile's off your face." Gut gebrüllt, Löwe, kann man da nur sagen, denn schon beim folgenden "Good time" bekräftigt Jones: "I came here to fuck shit up and have a good time." Jaja, wissen wir, grölen den Refrain aber trotzdem inbrünstig und mit gereckter Faust mit – denn darum geht es doch, oder?

Denn natürlich ist klar, dass sich die Innovationen bei jedem Album von Danko Jones eher mit der Lupe zu suchen sind. Weil sie eben nicht vorhanden sind. Aber wozu auch? Gut, "Get high?" schaut vor allem im Strophenteil sehr genau nach Dänemark in Richtung Volbeat, aber ansonsten reden wir hier von grundsolidem Heavy Rock, dessen einziger Anspruch es ist, die Leute zünftig unterhalten zu wollen. Dazu gehört die bekannt große Klappe, aber auch die Chuzpe, auch im Jahr 2023 noch Texte wie in "Stiff competition", "She's my baby" oder "Let's make out" rauszuhauen – während die einen sich noch fragen, ob man das tatsächlich so bringen kann, nennen das die anderen Neudeutsch "Tongue in cheek". Allemal lassen die Kanadier nicht wie Steel Panther eine Horde ausgewählter Damen oberkörperfrei auf der Bühne umherhüpfen, und vermutlich nimmt Jones selbst das alles am wenigsten ernst.

Auf der anderen Seite nämlich gefällt sich Danko Jones als Kumpeltyp, der einfach nur spielen und eine gute Zeit haben will. Dazu gehört, dass die Ohrwurmdichte merklich zugenommen hat – wer bei "Eye for an eye" tatsächlich ruhig sitzen bleiben kann, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen. Und während sich mit "I like it" nur ein einziger echter Langweiler eingeschlichen hat, reißt "What goes around" kurz vor Schluss der schon ziemlich unverschämt kurzen Platte auch noch die letzten Trümmer nieder, packt sie sorgfältig auf den Schuttlaster und fährt sie noch auf die Deponie. Natürlich ist Danko Jones nicht Steven Wilson, um mal die musikalischen Maßstäbe auszuloten. Bei einem der beiden Musiker weiß man aber immer, was man bekommt. Ob das nun langweilig oder verlässlich ist, liegt im Auge des Betrachters. Die Angst vor dem Los war also unbegründet – nur beim nächsten Mal reichen wir dann kein Weißbier, sondern Lütt un Lütt. Wer zuletzt lacht, lacht am besten.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Good time
  • Eye for an eye
  • What goes around

Tracklist

  1. Guess who's back
  2. Good time
  3. Electric sounds
  4. Get high?
  5. Stiff competition
  6. She's my baby
  7. Eye for an eye
  8. I like it
  9. Let's make out
  10. What goes around
  11. Shake your city

Gesamtspielzeit: 36:44 min.

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Armin

Plattentests.de-Chef

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Registriert seit 08.01.2012

2023-10-11 22:04:54 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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