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Holly Humberstone - Paint my bedroom black

Holly Humberstone- Paint my bedroom black

Polydor / Universal
VÖ: 13.10.2023

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Unter der Lupe des Alltags

Wenn der Fokus sitzt, kommt der Rest meistens ganz wie von selbst: "Paint my bedroom black" geht als Debütalbum der britischen Indie-Pop-Künstlerin Holly Humberstone an den Start. Letztlich ist "Paint my bedroom black" die Kulmination einer bisher durchaus steil verlaufenden Karriere. Und vor allem auch das erste ganzheitliche musikalische Gesamtwerk der 23-Jährigen fernab von fragmentierten EPs und Singles. Ein Umstand, der zunächst mal reichlich Grund zur Freude bietet, ist doch das bisherige Schaffen von Holly Humberstone geprägt von messerscharfen Beobachtungen des Alltags irgendwo zwischen Tennager-Heartbreak und Mittzwanziger-Endzeitstimmung, gegossen in ein musikalisches Indie-Pop-Kleid mit mehr Charme, mehr Wendungen und mehr Detailverliebtheit als bei vielen anderen Kolleg*innen des Gen-Z-2000er-Revivals. Nun also das Ausrufezeichen zum Abschluss ereignisreicher Jahre. Und möglicherweise ein Blick auf das, was da zukünftig noch kommen mag?

Letztendlich gestaltet sich "Paint my bedroom black" als eine musikalisch äußerst gelungene Fortsetzung und Weiterentwicklung dessen, was Humberstone in einzelnen Momenten bereits angedeutet hatte. Das Manifest einer jungen Künstlerin auf 13 Songs, wenn man so will – und eine überzeugende Fokussierung auf die Stärken im Kern ihres Songwritings. Wie auch schon auf ihren Frühwerken zeichnen sich die Songs von Holly Humberstone an vielen Stellen durch groß gedachtes Understatement aus: "Into your room" schickt sich, der legitime Nachfolger zur einstigen Durchbruch-Single "Scarlett" zu werden, verweigert sich aber trotz einem schönen, hymnischen Refrain der ganz großen Geste. Und wird vermutlich genau deswegen nicht im Formatradio-Dusel versinken, sondern in den kommenden Jahren die Instagram-Captions, Bedroom-Pop-Playlists und Notes-Einträge abertausender Neu-Fans zieren und Lebensabschnitte untermalen. Derweil liefert das wundervolle "Antichrist" einen satten Kontrastpunkt aus zunächst Autotune-getränkter Stimme in Kombination mit elektronischen Elementen und dem schönsten Refrain des Albums. "Superbloodmoon" gibt sich, gemeinsam mit Featuregast und R'n'B-Shootingstar d4vd im Gegensatz dazu minimalisiert und zurückhaltend und gewährt seinen Protagonist*innen Luft und Raum zum Atmen. Es ist durchaus beeindruckend, mit welchem Facettenreichtum die Engländerin ihre Songs anreichert.

Auch auf inhaltlicher Ebene bietet "Paint my bedroom black" viele Bezugspunkte, an denen sich Hörer*innen durch die prägnanten und persönlichen, aber äußerst clever geschilderten Geschichten hier und da sicherlich wiederfinden. Das von Americana-Einflüssen getragene "Cocoon" etwa eröffnet seine Erzählung von nahezu lähmenden Depressionen und Orientierlungslosigkeit mit der Frage "Are you free tonight to watch 'The OC'? / This is protocol, I need you here beside me." Ein Bild, das man so oder so ähnlich sicherlich auch aus der eigenen Vergangenheit herauskramen kann. "Ghost me" erzählt von Trennungsängsten inmitten eines magischen Abends. "We're singing 'Angels' on karaoke / On the most chaotic night / I can barely make you out in the artificial light / And if you try to ghost me / And quit being in my life / Don't you dare", umschreibt Humberstone die Szenerie eines Abends, der zu schön ist, um wahr zu sein. Es sind diese vermeintlich kleinen, aber pointiert vorgetragenen Geschichten, die Holly Humberstone zu einer der spannendsten Künstlerinnen im Wust der Gen-Z-Hypes machen. Nicht immer müssen die ganz großen Probleme des Weltgeschehens erörtert werden, manchmal muss man sich auch einfach mal über das eigene Leben auskotzen. "I'm just going through something."

(Hendrik Müller)

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Highlights

  • Into your room
  • Ghost me
  • Antichrist

Tracklist

  1. Paint my bedroom black
  2. Into your room
  3. Cocoon
  4. Kissing in swimming pools
  5. Ghost me
  6. Superbloodmoon (feat. d4vd)
  7. Antichrist
  8. Lauren
  9. Baby blues
  10. Flatlining
  11. Elvis impersonators
  12. Girl
  13. Room service

Gesamtspielzeit: 41:57 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Klaus

Postings: 8934

Registriert seit 22.08.2019

2023-11-14 11:00:34 Uhr
Falls jemand Fan ist: Spielt am 21.11. kostenlos in Berlin, via introducing
(mit uche yara & venbee)

Kai

User und News-Scout

Postings: 2864

Registriert seit 25.02.2014

2023-10-14 13:06:29 Uhr
Die 7 Punkte gehen absolut in Ordnung. Das Album hat ein paar tolle Songs von denen man aber auch schon einige vorher kannte. Der Rest nicht weniger schlecht aber so richtig neu ist hier wenig.
Wäre das Album so 2021 rausgekommen hätte es vielleicht sogar für eine 8 gereicht.

"Süffig" wäre wohl ein passendes adjektiv für das Album denn irgendwie hab ich trotz eines tollen ReleaseFreitags gestern dieses Album bereits fünf mal gehört...

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 26621

Registriert seit 08.01.2012

2023-10-11 22:04:25 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 26621

Registriert seit 08.01.2012

2023-10-09 19:52:22 Uhr - Newsbeitrag
Holly Humberstone
19.02. - 28.02.2024

Am 13. Oktober erscheint mit „Paint My Bedroom Black“ das lang erwartete Debütalbum von Holly Humberstone. Schon der Opener und Titelsong zeigt, dass es hier ohne Umweg zur Sache geht. Direkte, ungeschminkte Lyrics und scharfe Gitarrenlinien bestätigen die Kompromisslosigkeit der Engländerin und zeigen gleichzeitig die Entwicklung, die sie in den vergangenen zwei Jahren genommen hat. Klar sind die Abgründe, die ihre gefeierte Debüt-EP „The Walls Are Way Too Thin“ durchzogen haben, in den Texten und der Musik noch gegenwärtig, doch haben Songwriting und Produktion durchweg an Tiefe und Qualität gewonnen. Auffällige Themen wie verlorene Liebe, Familienzusammenhalt und die tiefsitzenden Ängste der Jugend verflechten sich mit einer organischen Klangproduktion, die von dieser schwebenden Stimme zusammengehalten wird. Dass das auch live zu einem überwältigenden Erlebnis werden kann, bewies Holly Humberstone erst kürzlich beim Reeperbahn Festival und bei einem feinen und sehr intimen Auftritt in Berlin. Jetzt hat sie bestätigt, dass sie im kommenden Februar erneut zu uns kommt.

Image Label

Präsentiert wird die Tour von Musikexpress, kulturnews, DIFFUS und Bedroomdisco.



19.02.2024 Hamburg - Knust

20.02.2024 Berlin - Hole44

24.02.2024 München - Strom

28.02.2024 Köln - Gebäude 9

jo

Postings: 6010

Registriert seit 13.06.2013

2023-09-21 22:22:27 Uhr
Habe sie eben schon gehört und bin in ner Art YouTube-Loop hängen geblieben :D. Aber alles toll, ich bin wirklich begeistert! Auch ihre Texte fließen sehr schön, da hat sie schon nen ziemlich eigenen Stil. Toll, vielen Dank an euch :).
Zum kompletten Thread

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