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King Nun - Lamb

King Nun- Lamb

Marshall / FUGA
VÖ: 29.09.2023

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Jugend forscht

Wann ging dieses neuerliche Grunge-Revival eigentlich los? Vor allem: warum? Und wie lange wird es noch sein Unwesen treiben? Fragen über Fragen, auf die es keine zufriedenstellenden Antworten zu geben scheint. Aber egal werden diese ohnehin spätestens dann, wenn die Bewegung hin und wieder mal eine anständige Band abwirft. King Nun sind natürlich zu jung, um am eigenen Leib die Nirvana-Revolution und das anschließende Vermarkten von deren Sound und Attitüde in den Neunzigern mitbekommen zu haben. Über den Betten der fünf Musiker dürften trotzdem "Nevermind"- neben den "Surfer rosa"-Postern gehangen haben. Denn deren Formel, unverschämte Pop-Hooks mit juvenilem Krach auf wenigen Akkorden zu kreuzen, haben sich auch die Londoner als Modus Operandi auserkoren und dafür mutmaßlich noch fleißig sämtliche artverwandte Bands und Platten recherchiert. Die dicke halbe Stunde ihres Zweitlings "Lamb" bollert fröhlich durch die Gegend, gönnt sich dabei keinerlei Verschnaufpause – und macht einen Riesenspaß.

King Nun sind nun aber keine Kopie einer Kopie einer Kopie, wir sind hier noch nicht ganz bei Superbloom. Das Quintett macht sich stattdessen geschickt weitere Einflüsse zu eigen: Frontmann Theo Polyzoides klingt gleichzeitig nach einem blutjungen Alex Turner (King Nun dann entsprechend wie Arctic Monkeys mit Bigmuffs) und nach einem nicht wesentlich älteren Brett Anderson von Suede (was mindestens genauso lang her ist wie Grunge). Trotz vollster Alternative-Schlagseite Marke US-amerikanische Westküste bleibt die Band so im besten Sinne britisch. "Do you know where you are" ist die perfekte Kreuzung zwischen Pixies und älteren, zappeligen Suede-Songs, der Hit "Sinking feeling" nimmt dann auch den Glam-Einschlag ein bisschen genauer. "OCD" passt ebenfalls hervorragend in diese Schublade, ist ein Song, den Placebo mit einem solchen Drive auf den Alben vor "Never let me go" länger nicht hinbekommen haben, und erzählt von Hypochondrie, Zwangsstörungen und gebrochenen Teenager-Herzen.

Stücke wie "But we live on the beach" sind bocksimpel, aber eben auch äußerst effektiv. Wenn sie noch dazu dermaßen mitreißend wie das von ansteckender Verve berstende "Selfish" ausfallen, umso besser. King Nun sind zwar mehr oder weniger frisch geschlüpft, schreiben aber schon Songs wie alte Hasen, und die Spielregeln ihres Genres haben sie komplett verinnerlicht. Ergo dürfen sich gängige Spielereien wie ein zweiminütiger Instrumental-Track mit Rumpel-Riff und kontrollierter Eskalation ebenso gegönnt werden ("Escapism"). Der Schunkel-Britpop des abschließenden Titeltracks gibt sich dann ähnlich augenzwinkernd und unbeschwert. "Lamb" hat den Schalk im Nacken und das Herz am rechten Fleck. Revolutionär wird die Herangehensweise der Band 2023 nicht mehr werden, beweist aber Zeitlosigkeit – und einen ausgezeichneten Musikgeschmack.

(Ralf Hoff)

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Highlights

  • Selfish
  • Sinking feeling
  • OCD
  • In vain

Tracklist

  1. Golden age
  2. Selfish
  3. Do you know where you are
  4. Sinking feeling
  5. One time alarm
  6. OCD
  7. In vain
  8. I must be struck by lightning to fly
  9. But we live on the beach
  10. Escapism
  11. Lamb

Gesamtspielzeit: 32:42 min.

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Armin

Plattentests.de-Chef

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Registriert seit 08.01.2012

2023-10-04 20:08:46 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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