Paris - Yellow Eden

Paris- Yellow Eden

Look Left / V2 / Zomba
VÖ: 05.01.2004

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

French kiss

Plattentests.de bittet zur Geographiestunde: Reden wir kurz über ein Land, das nicht nur als IKEA-Papa und Wasa-Mama, sondern auch als große Pop-Nation bekannt ist. Man denke an ABBA, und - im hiesigen Kontext etwas relevanter - an Kent oder The Sounds. Um was kann es sich da nur handeln? Klar - Schweden! Ein Name jedoch fehlt in der Liste: Paris. Wider Erwarten keine patriotische Band aus Frankreich, sondern eine Stockholmer Combo. Bereits das stylische Cover mit knallrotem Lippenstiftkuß, verrät eindeutig: Hier geht es um Pop, Pop und nochmal Pop. Tradition verpflichtet schließlich, und zumindest strukturell lassen sich Paris durchaus mit ABBA in einem Atemzug nennen, handelt es sich bei den Stockholmern doch auch um ein Quartett mit zwei Frauen und zwei Männern.

Auf "Yellow Eden" wühlen Paris tief in der Pop-Geschichtskiste und zitieren dabei ausführlich die letzten Jahrzehnte, vorzugsweise die Achtziger. Fluffige Melodien, pluckernde Disco-Beats, Wave-Pop und Indierock werden in eine bunte Wundertüte gepackt, und heraus kommen etliche flotte Ohrwürmer. Die knarzige Lo-Fi-Produktion verleiht der Musik einen gewissen Kammermusik-Charme, der das Album wie ein verstaubter Klassiker klingen läßt. Aber auch wenn "Yellow Eden" nach eigener Aussage tatsächlich im Wohnzimmer eingespielt wurde, erscheinen die eigenen vier Wände viel zu klein für die zwar simplen, aber wirkungsvollen Songs, die aus allen Ecken und Ritzen wie Sonnenschein nach draußen brechen. Mit Melodien, die die ganze Welt umarmen und sich gnadenlos im Ohr festsetzen.

Paris geht es nicht darum, komplexe Songs zu schreiben oder Messages zu vermitteln. Das Quartett transportiert lieber eine jugendliche Frische, die mitreißt wie mit dem Blondie-artigen "Streetlights" oder dem Britpop-Prototyp "Rainy day in London". So naiv-verspielt wie die Musik sind auch die Texte, die sich teen-like um abendliches Ausgehen, geklaute Lieblingsplatten, lange Fernsehnächte und viel Herzschmerz drehen. Dennoch ist bei Paris längst nicht alles Jubel, Trubel, Heiterkeit. Bei fragilen Songs wie dem hilflos-verträumten "During the conversation" oder "Quiet night" wird auch gerne mal gefühlvoll gelitten. Und es funktioniert, denn gerade, wenn Frontfrau Annika Mellin in Melancholie badet, ist es ist ihr betörender Gesang, der jedes Herz zum Schmelzen bringt.

Das Faszinierende an Paris ist, daß man ihnen ihre jugendliche Attitüde anstandlos abkauft. Trotz aller Naivität und Banalität - gerade was die Lyrics betrifft - bleiben eine Reihe Songs, deren Charme man sich einfach nicht entziehen kann. Bei soviel Authenzität und Gefühl fallen sogar die diversen schwachen, allzu belanglosen Songs kaum ins Gewicht. "Thank you for listening to our record", schreiben Paris brav im Booklet. "Thank you for the music", fügen wir hinzu.

(Christof Nikolai)

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Highlights

  • I stole Barry
  • Rainy day in London
  • During the conversation

Tracklist

  1. I stole Barry
  2. I watch TV
  3. Disco fever
  4. Tonight
  5. Hey sailor
  6. Grey summers day
  7. Streetlights
  8. Rainy day in London
  9. During the conversation
  10. Going south
  11. Dallas
  12. Quiet night

Gesamtspielzeit: 46:34 min.

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