Listen




Banner, 120 x 600, mit Claim


Fiddlehead - Death is nothing to us

Fiddlehead- Death is nothing to us

Run For Cover / Secretly
VÖ: 18.08.2023

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Zurück in die Zukunft

Für eine Reise in die Vergangenheit sind Fiddlehead bis dato stets zu haben gewesen. So fühlte sich Redaktionskollege Martin beim rund zwei Jahre alten Vorgängeralbum "Between the richness" an eine alternative 90er-Party mit Bands wie Quicksand, Braid, Samiam, Sunny Day Real Estate und Konsorten erinnert. Ihre Mixtur aus Post-Hardcore, Emo und Alternative-Rock hat sich die Band aus Boston auch auf ihrem dritten Longplayer, dessen Bezeichnung bei zwölf Songs und einer Spielzeit von unter einer halben Stunde geschmeichelt ist, bewahrt und beschert einem zuweilen wohlige Erinnerungen an vergangene Zeiten. Hierzu gehört auch "Fifteen to infinity", ein Liebeslied über die vermeintlich kleinen Dinge und Momente, die das Besondere einer Beziehung ausmachen. Der dazugehörige und liebenswert arrangierte Roadmovie-Clip eines jungen Pärchens irgendwo zwischen kalifornischer Einöde, Tankstelle, Motel und American Diner trägt seinen Teil dazu bei. "Well, if I'm gonna die then I wanna die with you right by my side", gibt Sänger Patrick Flynn zum Besten und legt mit "Hand in hand since fifteen / Hand in hand to infinity" im Refrain nach.

Apropos sterben: Was die Inhalte ihrer Songs angeht, spielt der Tod im Hause Fiddlehead nach wie vor eine große Rolle, wobei das negativer und düsterer klingt, als es auf "Death is nothing to us" de facto ist. Häufig geht es vielmehr um tiefgründige Sichtweisen und Schilderungen über alles, was sich zwischen den Extremen Leben und Tod abspielt. Flynn garniert eigene Lebenserfahrungen über Familie, Liebe, Verlust, Ängsten, Depressionen und Euphorie mit Zitaten aus "Über die Natur der Dinge" des römischen Dichters und Philosophen Lukrez sowie weiteren Schriftstellern und Künstlern. Am Ende geht es dem Bostoner Quintett darum, dass die Größe des Lebens über der Traurigkeit des Todes stehen sollte. "But I got fire, I got light", brüllt Flynn lebensbejahend im krachigen "Sullenboy", um der Angst noch ein "So face it, face it, face it all / Replace it, replace, replace with love / So face it, face it, face it all / And watch it, see it, feel it grow" entgegenzuschleudern.

Ebenso wuchtig, schnörkellos und ohne viel Geplänkel hauen einem Fiddlehead den einminütigen Hardcore-Opener "The deathlife" um die Ohren und unterstreichen damit, was Gitarrist Alex Henery in einem Interview meinte: "Wir wussten, dass wir etwas aggressiver Klingendes machen wollten." Das darauffolgende "Sleepyhead", in dem Flynn die Sucht nach Schmerzmitteln thematisiert, haut in eine ähnlich raue Kerbe, ist aber melodischer. Die Band, die sich vor rund zehn Jahren u.a. aus ehemaligen Mitgliedern von Have Heart und Basement zusammengefunden hatte, setzte zum dritten Mal auf die Zusammenarbeit mit Produzent Chris Teti, der bereits auch für Bands wie Anti-Flag oder The World Is A Beautiful Place & I Am No Longer Afraid To Die hinter den Reglern saß. Herausgekommen ist ein wuchtiges Etwas, das von kompromisslosem Sound gepaart mit eindringlichem Gesang bzw. Gebrüll lebt. Auch wenn nicht jeder Song auf Anhieb zündet oder wie "Give it time (II)" nicht aus dem Quark kommt, bleibt nach und nach fast überall etwas hängen. Sei es das intensive, fast mantraartig wiederholte "Just get by and die" in "Loserman", das furiose Ende von "Queen of limerick", die Zeile "I don't want to just get by" in "Fiddleheads" oder der catchy Rausschmeißer "Going to die". Frohen Mutes in die Zukunft!

(Jochen Gedwien)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen bei Amazon / JPC

Highlights

  • Sullenboy
  • Fifteen to infinity
  • Going to die

Tracklist

  1. The deathlife
  2. Sleepyhead
  3. Loserman
  4. True hardcore (II)
  5. Welcome to the situation
  6. Sullenboy
  7. Give it time (II)
  8. Queen of limerick
  9. The woes
  10. Fiddleheads
  11. Fifteen to infinity
  12. Going to die

Gesamtspielzeit: 27:14 min.

Album/Rezension im Forum kommentieren

Einmal am Tag per Mail benachrichtigt werden über neue Beiträge in diesem Thread

Um Nachrichten zu posten, musst Du Dich hier einloggen.

Du bist noch nicht registriert? Das kannst Du hier schnell erledigen. Oder noch einfacher:

Du kannst auch hier eine Nachricht erfassen und erhältst dann in einem weiteren Schritt direkt die Möglichkeit, Dich zu registrieren.
Benutzername:
Deine Nachricht:
Forums-Thread ausklappen
(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

zeckezichter

Postings: 756

Registriert seit 07.11.2021

2026-02-04 22:09:23 Uhr
Ah okay. Danke boneless. Dann kommt es doch auf die Merkliste, allerdings finde ich es immer maximal nervig mich entscheiden zu müssen, besonders bei diesem Preis.

boneless

Postings: 6990

Registriert seit 13.05.2014

2026-02-04 21:39:52 Uhr
Nope, die Venues liegen ca. 2-10 Minuten zu Fuß auseinander. Die Herausforderung ist eher, dass eben viele Bands gleichzeitig spielen und man die Qual der Wahl hat. Ich bin letztes Jahr auch bisschen hin und her gesprungen, da wirds auch mal hektisch, wenn man von Band X wenigstens noch 2-3 Songs mitbekommen möchte...

zeckezichter

Postings: 756

Registriert seit 07.11.2021

2026-02-04 21:25:29 Uhr
Hab ich das richtig verstanden, dass die Bands an verschiedenen Orten in der Stadt spielen? Wie sieht es denn mit den Wegen aus, ist man da lange unterwegs?

boneless

Postings: 6990

Registriert seit 13.05.2014

2026-02-04 21:19:30 Uhr
+ Bands an den jeweiligen Tagen, danke für den Hinweis. Der Sonntag wirds also (wie letztes Jahr), Karte eben gekauft. Und hey, neben Fiddlehead spielen auch noch Basement (darauf habe ich gehofft), Militarie Gun (!) und Turbostaat. Super geil. Jetzt hoffe ich nur, dass die sich zeitlich nicht zu krass überschneiden, das ist leider der arge Nachteil bei einem Festival wie diesem. In die anderen 20+ Bands an jenem Tag muss ich mich noch reinhören, da kenne ich das meiste nur namentlich.

Klaus

Postings: 12734

Registriert seit 22.08.2019

2026-02-04 18:52:38 Uhr
Tagestickets sind schon online, 65€
Zum kompletten Thread

Hinterlasse uns eine Nachricht, warum Du diesen Post melden möchtest.

Bestellen bei Amazon

Weitere Rezensionen im Plattentests.de-Archiv

Threads im Plattentests.de-Forum

Anhören bei Spotify