Listen




Banner, 120 x 600, mit Claim


Oli. P - Hey Freiheit – Das Album

Oli. P- Hey Freiheit – Das Album

Telamo / Warner
VÖ: 21.07.2023

Unsere Bewertung: 2/10

Eure Ø-Bewertung: 3/10

Inhalt überwinden

Verlässlichkeit ist wichtig. Wenn in einer Schachtel Kekse Bockwürste drin wären, gäbe es zurecht einen Aufschrei. Insofern ist es schön, dass Telamo keine Mogelpackungen verkauft. Die Plattenfirma, deren Cover-Designer wahrscheinlich ein Affe mit Jodeldiplom ist, ist so etwas wie das Nestlé der Schlagermusik. Der Kunde bekommt letztlich das, was er verdient. Vorhang auf für Oli. P, der in einem früheren Leben mal GZSZ-Star war und "Flugzeuge im Bauch" per musikalischem Abführmittel aus dem Verdauungstrakt beförderte. Über 40 ist er mittlerweile, da erscheint es nur logisch, sich mit "Hey Freiheit – Das Album" künstlerisch neu zu erfinden. Aber was heißt das schon, "künstlerisch". Oli. P macht Musik, die sich ganz hervorragend mit Medikamenten gegen Bluthochdruck vertreiben ließe. Ohne jeden Anspruch, ohne Kreativität, aber als Begleiter für einen ungesunden Lebenswandel unerlässlich.

Nun ist es einfach, auf Schlagerinterpret*innen einzudreschen. Zu einfach. Wenn Musik Menschen abholt, ist das erstmal eine schöne Sache. Oli. P macht es einem aber nicht leicht, gehässige Impulse zu bändigen. Dabei kann er ganz passabel singen und ist auch ein ziemlich dufter Typ. Seine Musik sorgt jedoch schon beim ersten Hören für körperliche Schmerzen. Alles an ihr wirkt billig: die erschreckend kraftlosen Synthies, die immer gleichen Stampfbeats, die zwischen Poesiealbum und Possenspiel pendelnden Texte. Der Single-Hit "Hey Freiheit (Aloha heja he)" fasst all diese Ingredienzien zu einem Mahnmal des Grauens zusammen. Floskel reiht sich an Floskel, ehe im Refrain ein Chor aus der Konserve das Geschehen kommentiert, ohne etwas von Bedeutung zu sagen. Bedeutung. Auch so ein großes Wort, das bei Oli. P absolut keine Rolle spielt.

Folgerichtig tauchen immer wieder absurde Versatzstücke in den Songs auf: In "Traum in Sicht" wird beispielsweise das eigentlich unkaputtbare "Woo-hoo" aus Echts "Du trägst keine Liebe in dir" durch den Schmutz gezogen. "Die Sonne" bedient sich schamlos bei "Sunshine reggae", wobei der Höhepunkt des Tracks ein derart lustlos dahingeleiertes "Lalala" ist, dass man sich fast nach dem Original sehnt. Auch eine Leistung. "Nie mehr allein" zitiert hingegen den Refrain des Polarkreis-18-Klassikers "Allein allein". Darauf hat die Welt gewartet. Die absolute Krönung stellt allerdings "Fliegen" dar: Hier wird allen Ernstes die weibliche Gesangs-Hook aus Haddaways "What is love" verwurstet. Dabei ist es nicht nur die Beliebigkeit, sondern vor allem die Schamlosigkeit, mit der hier zitiert wird, die betroffen macht.

Die Liste der Feature-Gäste fällt erstaunlich kurz aus. Olis Frau Pauline darf in "Melodie" ein paar nichtssagende Silben beisteuern und fällt daher kaum ins Gewicht. Dass der Auftritt von Matthias Reim in "Ich hab' geträumt von Dir" bestenfalls mit "unauffällig" beschrieben werden kann, schmerzt aber schon ein wenig. Von dem Song, der im Original so etwas wie der melancholische Zwilling von "Verdammt, ich lieb' Dich" ist, bleibt nach der Telamo-Behandlung nichts als heiße Luft übrig. Kann man all das Oli. P ernsthaft übelnehmen? Man muss es vielleicht, aber letzten Endes verhält sich "Hey Freiheit" zu Musik wie Achselschweiß zum Sommer. Immerhin stinkt die CD nicht. Aber wer weiß, vielleicht gibt es bald eine Sonderedition mit olfaktorischem Bonusmaterial. Zuzutrauen ist Telamo alles. Außer Tiernahrung.

(Christopher Sennfelder)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen bei Amazon / JPC

Highlights

  • -

Tracklist

  1. Hey Freiheit (Aloha heja he)
  2. Bester Tag
  3. Traum in Sicht
  4. Freudentränen
  5. Ich hab' geträumt von dir (feat. Matthias Reim)
  6. Einer von uns
  7. Die Sonne
  8. Nie mehr allein
  9. Meine Welt
  10. Fliegen
  11. Leichtigkeit des Seins
  12. Melodie (feat. Pauline)
  13. Eine von Millionen (Fresh Mix)
  14. 1000 Liebeslieder (Fresh Mix)
  15. Nie mehr allein (Thörban Tropical Mix)

Gesamtspielzeit: 44:29 min.

Album/Rezension im Forum kommentieren (auch ohne Anmeldung möglich)

Einmal am Tag per Mail benachrichtigt werden über neue Beiträge in diesem Thread

Um Nachrichten zu posten, musst Du Dich hier einloggen.

Du bist noch nicht registriert? Das kannst Du hier schnell erledigen. Oder noch einfacher:

Du kannst auch hier eine Nachricht erfassen und erhältst dann in einem weiteren Schritt direkt die Möglichkeit, Dich zu registrieren.
Benutzername:
Deine Nachricht:
Forums-Thread ausklappen
(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

musie

Postings: 3844

Registriert seit 14.06.2013

2023-09-18 18:12:12 Uhr
all die Samples und Kopien müssen ja Unsummen gekostet haben… kaum ein Lied ohne. die Amigos haben ihm nun ein neues Cover gestaltet.

Christopher

Plattentests.de-Mitarbeiter

Postings: 3646

Registriert seit 12.12.2013

2023-08-18 23:13:22 Uhr
Also im Vergleich zu anderen Telamo-Schandtaten (Sandro, Schlagerpiloten, Berny, usw.) ist das Oli-Cover doch noch harmlos.

Mr Oh so

Postings: 3072

Registriert seit 13.06.2013

2023-08-18 19:22:05 Uhr
Gibt's beim Jahrespoll auch ne Kategorie "Hässlichstes Cover"?

musie

Postings: 3844

Registriert seit 14.06.2013

2023-08-08 18:12:43 Uhr
Manchmal führt eben auch die Covergestaltung zur Entscheidung, ob ein Album rezensiert wird oder nicht.

Autotomate

Postings: 6174

Registriert seit 25.10.2014

2023-08-07 15:03:59 Uhr
Lieber nur eine Rezi zu Oli P., die von 1000 Leuten gelesen wird, als 1000 Rezis zu Hinterhofkapellen, die nur von einem Martin S. gelesen werden ;)
Zum kompletten Thread

Hinterlasse uns eine Nachricht, warum Du diesen Post melden möchtest.

Bestellen bei Amazon

Weitere Rezensionen im Plattentests.de-Archiv

Threads im Plattentests.de-Forum

Anhören bei Spotify