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Gabriels - Angels & queens

Gabriels- Angels & queens

Parlophone / Warner
VÖ: 07.07.2023

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Ein Engel auf Erden

Der britische Regisseur Ryan Hope arbeitete anno 2016 gemeinsam mit dem Filmkomponisten Ari Balouzian an einem Werbespot, als sie bei einem Casting in Los Angeles auf den Sänger und Chorleiter Jacob Lusk stießen. Dessen Stimmgewalt und Energie überzeugte die beiden derart, dass sie einige Tage später unangekündigt mit einem mobilen Studio bei Lusk vor der Tür standen und ihn überzeugen konnten, sich an ein paar ihrer Songskizzen zu versuchen. Es klickte, die drei Männer wurden Freunde, tauschten musikalische Ideen aus und verfeinerten über Jahre ihren Sound, bevor das Trio 2021 eine erste EP mit dem Titel "Love and hate in different times" veröffentlichte. Ein gewisser Elton John feierte die Veröffentlichung als eine der wegweisendsten Platten der letzten zehn Jahre und befeuerte damit den entstehenden Hype um Gabriels' wahlweise retrofuturistischen oder ganz einfach nur zeitlosen Soul. Nachdem im vergangenen Jahr bereits die erste Hälfte der Songs erschienen war, liegt Gabriels' Debütalbum "Angels & queens" in voller Länge vor. Und ja, das Warten hat sich gelohnt.

Der offensichtlichste Trumpf, den Gabriels zu bieten haben, ist Lusks engelsgleiche Stimme, die zwischen strahlendem Falsett, warmem Bariton und verletzlichem Flüstern alle Register zieht. Dabei wirken jeder Ton und jede Phrasierung mühelos auf den Punkt, jedoch immer zurückhaltend nuanciert den Songs dienend, anstatt koloraturenseliger Selbstzweck zu sein. Der Opener "Offering" beginnt zurückhaltend mit tröpfelnden Kontrabassnoten, legt spätestens im Refrain dann jedoch mit Streichern, Hörnern, Klavier und Chor einen herrlichen Soundteppich aus. "Whatever it means / it means something to me", croont Lusk da quasi programmatisch, denn tatsächlich durchzieht alle Stücke eine mitreißende und berührende Aufrichtigkeit. "Taboo" schildert bombastisch und dramatisch arrangiert den Weg aus einer toxischen Beziehung, der Disco-Groove von "Glory" feiert Selbstermächtigung, Durchhaltevermögen und Optimismus.

Die stilistische Bandbreite, in der die Band hier brilliert, ist beachtlich. Der fantastische, sexy Funk des Titelstücks erinnert mit seinen trockenen Achtziger-Synthieflächen an Großtaten des kleinen Prince, wohingegen der äußerst zurückgenommene Quasi-Blues von "Professional" stimmlich und atmosphärisch an Billie Holidays "Strange fruit" denken lässt. Dafür, dass trotz dieser offensichtlichen Rückbezüge und des damit verbundenen Namedroppings hier deutlich mehr als nur ein Retro-Nostalgiefeuerwerk abgebrannt wird, sorgen die abwechslungsreichen musikalischen Ausgestaltungen der Songs durch die selbsterklärten "studio rats" Hope und Balouzian, sowie Produzent Sounwave, der auch schon mit Beyoncé und Kendrick Lamar gearbeitet hat. So kommt beispielsweise "Blind" mit waberndem Bass und verschlepptem Trip-Hop-Beat daher. In "To the moon and back" sorgen komplexe Percussions für fiebrige Spannung, und "Love and hate in a different time" verdankt seinen Reiz nicht zuletzt dem hypnotisch-synkopischen Beat. Dieser Track erscheint hier übrigens bedauerlicherweise in einer etwas glatter produzierten Neufassung, die außerdem auf die Handclaps aus der von Sir Elton so gelobten EP-Version verzichtet.

Das Highlight einer ganzen Reihe von getrageneren Stücken im mittleren Drittel des Albums ist die Pianoballade "If you only knew", die aus der Perspektive eines verstorbenen, geliebten Menschen zum Zelebrieren des Lebens und der Liebe auffordert. Spätestens, wenn in der zweiten Hälfte des Songs Streicher und ein affirmativer Gospelchor einsetzen, ist bei allen Zuhörenden, die ihr Herz noch spüren, Gänsehaut garantiert. Auch "Great wind" beginnt als introspektive Ballade, nimmt jedoch zunehmend an Tempo auf und kulminiert als lebensbejahender Disco-Gospel: "You say you love somebody / Baby, tell them everything." Am Ende des Schlussstücks "Mama" steht die beschwörende Zeile "It's gonna be alright." Für Gabriels' lang erwartetes Debütalbum wäre dieses Urteil eine glatte Untertreibung.

(Michael Albl)

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Highlights

  • Offering
  • Angels & queens
  • If you only knew
  • Great wind

Tracklist

  1. Offering
  2. The blind
  3. Angels & queens
  4. Taboo
  5. To the moon and back
  6. Professional
  7. We will remember
  8. Remember me
  9. If you only knew
  10. Love and hate in a different time
  11. Glory
  12. Great wind
  13. Mama

Gesamtspielzeit: 49:14 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Guzica

Postings: 254

Registriert seit 18.06.2013

2023-07-30 06:39:32 Uhr
Habs beim Wäschefalten gehört und fand es super. Unwiderstehliche Mischung aus Soul und Innovation. Hab schon die nächste Wäsche in der Trommel und kanns kaum erwarten.

Sick

Postings: 278

Registriert seit 14.06.2013

2023-07-26 22:01:27 Uhr
"Glory", Yeah.
Was für eine Stimme.
Das Ding ist erst unscheinbar wird dann immer besser. Super, macht Freude. 8/10 geht in Ordnung...

octoberswimmer

Postings: 54

Registriert seit 20.01.2022

2023-07-26 19:48:25 Uhr
Falls "Soul by design" sowas ein soll, wie 08/15-Standardware, dann kann ich das schon nur sehr schwer nachvollziehen, so im Vergleich zur Durchschnittssoulsoße, die man sonst oft angeboten kriegt. Und der Titelsong ist für mich auch deutlich überlebensgroß.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 26621

Registriert seit 08.01.2012

2023-07-26 19:35:52 Uhr
mir fehlen irgendwie die überlebensgroßen Songs

Es ist für mich auch ein klares Album-Album, das von seiner Stimmung lebt. Und das ich im Ganzen höre, statt einzelne Songs gezielt anzusteuern.

The Libertine

Postings: 142

Registriert seit 29.08.2022

2023-07-26 16:50:41 Uhr
Finde es recht gefällig und leider ein wenig langweilig. Stimme toll, klar, aber mir fehlen irgendwie die überlebensgroßen Songs. Wirkt auf mich wie Soul by design. Aber nochmal hören.
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