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Steve Lukather - Bridges

Steve Lukather- Bridges

The Players Group / Mascot / Rough Trade
VÖ: 16.06.2023

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Alt ohne Reue

Steve Lukather ist eine Legende. Das behaupten viele Fans, die mit ihren Lieblingsbands gealtert sind, ohnehin gebetsmühlenartig, aber bei dem 65-jährigen Gitarristen könnte so etwas wie Konsens zwischen Alt und Jung bestehen. Denn wie bei so vielen anderen Klassikern war es die Serie "Stranger things", die "Africa", den wohl größten Single-Erfolg seiner früheren Band Toto, wieder aus der Versenkung holte. Und die Alten können mal in ein paar Zahlen schwelgen. Denn Lukather verlieh nicht nur Toto ihren einzigartigen Sound, der Kalifornier war als Session-Musiker zudem auf mehr als 1.500 Tonträgern mit einer Gesamtauflage von mindestens 500 Millionen Einheiten zu hören. Darunter vergleichsweise unbekannte Liedchen wie "Beat it" oder Platten von Paul McCartney, Elton John oder Miles Davis. Zur Folklore gehört auch, dass er für David Crosby ein Solo eingespielt haben soll, ohne den Song auch nur einmal gehört zu haben – nur die Tonart sei bekannt gewesen. So entstehen, richtig geraten, Legenden.

Nun, Toto sind Geschichte. Das bekräftigen alle noch lebenden ehemaligen Bandmitglieder immer wieder, auch wenn sie sich bei ihren Soloalben immer wieder gegenseitig unterstützen. So auch auf "Bridges", dem neunten Longplayer von Lukather, dessen Credits sich schwer nach Toto lesen – der ehemalige Keyboarder David Paich taucht bei fünf der acht Stücke als Co-Autor auf, Sänger Joseph Williams gleich auf der kompletten Platte. Und da Paich nun einmal der schöpferische Geist hinter unsterblichen Songs wie "Africa" ist, dürfte bei "Bridges" nun erst recht nichts anbrennen, oder? Ein Toto-Album unter fremden Namen also? Nein, das wäre zu billig. Zumal sich der Opener "Far from over" durchaus ruppig, geradezu trotzig gibt. Ihr wollt mich abschreiben? Böser Fehler. "Far from over / I'm not giving up even though I'm getting older / Far from over / Don't count me out until I'm six feet underground". So geht das nämlich.

Ähnlich biestig kommt "Not my kind of people" daher. Wer auch immer hier sein Fett wegbekommt, muss Lukather vorher mächtig auf den Keks gegangen sein: "I'd piss in my pants if you were on fire / Rather than hear one more lie / Go eat the pipe you waste of life" – nicht eben das Vokabular eines in sich ruhenden, distinguierten älteren Herrn, allerdings verpackt in einen typischen Classic-Rock-Ohrenschmeichler. Ein solcher ist auch "Someone", doch der überaus gefällige Refrain zeigt das ewige Dilemma, in dem sich Toto schon immer befanden: tolle Hooks, doch immer mit leicht angezogener Handbremse, um ja jedem zu gefallen, ein wenig zu glatt, fast schon schnöselig und vor allem mit zu wenig Dreck unter den Fingernägeln.

Und doch zündet man bei der Ballade "All forevers must end" ein kleines virtuelles Kerzchen an, möchte sich wie damals bei "I won't hold you back" in Melancholie suhlen, nur um sich danach von einem kantigen Rocker wie "When I see you again" von der Couch reißen zu lassen – ohne jedoch zu merken, dass mitsamt der schmissigen Backing Vocals ganz lässig der Geist der frühen Achtziger vorbeischwebt. Genau deshalb ist die zweite Albumhälfte viel spannender, in der Lukather endlich aus seiner Komfortzone herausrückt. "Take my love" ist ein wunderschöner, erdiger Blues, bei dem der Gitarrist dem großen Gary Moore huldigt, während der Groove von "Burning bridges" direkt nach Texas springt und dort ein paar Herren mit langen Bärten ins Blickfeld nimmt. Insofern darf "I'll never know" gerne entspannt austrudeln, ohne übermäßigen Eindruck zu hinterlassen. Es muss also doch etwas hängengeblieben sein, als Steve Lukather Anfang des Jahres mit den wiedererstarkten Journey getourt ist. Die seligen Zeiten des guten alten AOR mögen vielleicht nicht wiederholbar sein, doch "Bridges" ist eines der besten Alben, das Toto nie veröffentlicht haben.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Far from over
  • Take my love
  • Burning bridges

Tracklist

  1. Far from over
  2. Not my kind of people
  3. Someone
  4. All forevers must end
  5. When I see you again
  6. Take my love
  7. Burning bridges
  8. I'll never know

Gesamtspielzeit: 35:46 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Kojiro

Postings: 3548

Registriert seit 26.12.2018

2023-07-25 08:53:16 Uhr
Verkehrt ist das Album tatsächlich nicht. Wirklich paar gute Nummern drauf!

Herr

Postings: 2404

Registriert seit 17.08.2013

2023-07-24 22:04:12 Uhr
Fett! Zündet! So gut, dass es egal ist, ob man solche Musik mag. Und die Rezi trifft es!

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 26829

Registriert seit 08.01.2012

2023-07-24 20:20:29 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?


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