Dover - The flame

Dover- The flame

Capitol / EMI
VÖ: 26.01.2004

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Burn baby burn

Man muß sich mal vor Augen halten, was für eine Bilderbuchkarriere Dover in den letzten neun Jahren durchlaufen haben: Ein selbstproduziertes Debutalbum 1995 ("Sister"), dann 1997 mit dem zwischen Rotz und Zuckerguß hin und her pendelnden "Devil came to me" mal eben das meistverkaufte Indie-Album Spaniens (ever!) vorgelegt. Die Majorlabels rennen der Band die Tür ein. Die nächsten beiden Alben "Late at night" (1999) und "I was dead for 7 weeks in the city of angels" (2001) nehmen sie ganz Rockstar in Seattle bzw. Los Angeles auf. Dazwischen wird getourt und gewonnen. Gerade live überzeugen die Spanier und bauen die Fanbasis kontinuierlich weiter aus.

Das Schöne an der Geschichte ist, daß Dover trotz des zweifellos riesigen Erfolgs irgendwie immer noch so etwas wie einen Geheimtipstatus inne haben. Die Jahre auf Achse sind zwar sicher nicht spurlos an den Spaniern vorübergegangen. Und sie haben der Band nicht immer gut getan. Der Tiel des letzten Albums "I was dead for 7 weeks in the city of angels" spricht Bände. Es wurde dringend Zeit, ein bißchen kürzer zu treten und nach Hause zu kommen. So wurde "The flame" also im letzten Sommer in einem schnuckeligen Studio bei Madrid aufgenommen, ganz dicht bei ihren Wohnungen, vor allem aber mit dem heimischen Proberaum um die Ecke.

Zuhause. Auch musikalisch sind Dover heimgekehrt. Der eine oder andere mag jetzt zu recht einwenden, daß sich die Band nie allzu weit stilistisch bewegt hat. Trotzdem ist "The flame" hörbar näher an "Devil came to me" als an irgendeinem anderen ihrer Vorgänger. Es fällt schwer, diese Rückentwicklung in Worte zu fassen, da die eigentlich sehr passenden Attribute "rotzig", "unbekümmert" und "melodiös" an dieser Stelle schon zur Beschreibung des im direkten Vergleich schwer beladenen "I was dead for 7 weeks in the city of angels" verwendet worden sind.

An dieser Stelle hilft der Albumtitel "The flame", die Höreindrücke in Schriftform zu bringen. Wie eine lodernde Flamme bewegt sich das Album, mal wild zuckend, dann knisternd Wärme spendend. In der Glut kann man Formen erkennen, die immer wiederkehren und doch jedesmal neu sind. Urplötzlich zerbirst der eben noch trügerisch ruhig glimmende Holzklotz, eine Feuerzunge tanzt im Wind und versprüht einen prasselnden Funkenregen. Während sich das Feuer wieder zu herzerwärmender Glut beruhigt, werden klebrig süße Marshmellows in der Hitze geröstet. Doch die nächste Eruption steht unmittelbar bevor. Oder doch nicht? So richtig berechenbar ist das Ganze nicht. Vor allem kann man nicht vorhersagen, in welche Richtung die nächste Flamme schlagen wird.

Obwohl hier keinerlei Hexenwerk verwendet wird, erkennt man ein Dover-Feuer - auch unabhängig von Christina Llanos' unverkennbar rauchiger Stimme - auf Anhieb. Es brennt mit einem eigenen Stil, wenn auch nicht immer auf Höchsttemparatur. Klar, oft wärmt man sich lieber an der Heizung auf und kocht sich sein Drei-Gänge-Menü auf dem heimischen Herd, das ist bequemer, ökonomischer und - langweiliger. Und dann gibt es eben diese Abende, an denen es nichts besseres gibt als die einfachen Dinge: ein kaltes Bier, gegrilltes vom Stock und ein zünftiges Feuerchen. Gut, wenn man dann "The flame" auflegen kann.

(Rüdiger Hofmann)

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Highlights

  • The flame
  • 27 years
  • Someone else's bed
  • Die for rock'n'roll
  • One black day

Tracklist

  1. The flame
  2. 27 years
  3. Leave me alone
  4. My fault
  5. Mi sombrero
  6. Afterhours
  7. Honest
  8. Someone else's bed
  9. Die for rock'n'roll
  10. On my knees
  11. One black day
  12. All my money

Gesamtspielzeit: 30:05 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Hoss
2011-11-14 23:34:59 Uhr
Kennt hier keiner mehr oder was?
Hoss
2011-11-14 11:20:51 Uhr
Werden DOVER jemals wieder solche Gitarrenmusik machen? Mein letzter Stand ist, dass sie in Spanien mit ihrer Elektromucke hohe Chartpositionen erreichen und sogar ihre alten Rockklassiker elektronisch verhunzen... Wäre zu schön, nochmal eine verschwitzte Dover-Show in nem kleinen Club zu erleben!
gnubbel
2009-01-07 18:26:58 Uhr
ich höre es grad mal wieder. tolles album. hat mindestens ne 8 verdient.
uz...uz...uz...
2005-04-27 10:46:19 Uhr
Weiss jemand was aus denen geworden ist?
Würd ich mir schon gern mal wieder live anschauen, aber irgendwie ist es still geworden.
Jemand aus Spanien? Penny?
piratte
2005-03-08 21:57:50 Uhr
passt leider nich ganz zum thread "the flame", deswegen hol ich den beitrag mal wieder ganz nach oben, wär mir lieber gewesen, er wär unter vorigem titel "dover ohne bassist" geblieben, weil das album is nu schon ein jahr alt, die neuigkeit, daß ein bandmitglied fehlt, erscheint mir schon wichtig, versteh einer die mods, naja, egal...
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