The Distillers - Coral fang

The Distillers- Coral fang

Reprise / Warner
VÖ: 26.01.2004

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Frau am Steuer

Es scheint fast so, als wäre es an der Zeit, mal wieder ein bißchen über Punk zu sprechen. Als unser alter Freund mit den bunten Haaren Mitte der Neunziger zum wiederholten Male den zyklusbedingten Tod gestorben war, war es doch ziemlich ruhig um ihn geworden. Gut, ein paar Pop-Punks nahmen ihre Gitarren von hinten und trieben die Verwässerung des Genres weiterhin munter voran. Aber das zählt ja nicht. Richtig wohl konnte man sich als aufrechter Punkrocker erst wieder fühlen, als Tim Armstrong und seine Männer von Rancid im Spätsommer des letzten Jahres eine Platte rausbrachten, die die Sache auf den Punkt brachte: "Indestructible". Punk kriegt keiner kaputt. Im Gegenteil. Der Spaß geht gerade erst wieder los.

Was die Distillers damit zu tun haben? Abgesehen davon, daß deren Brody Dalle mal was mit Rancid-Tim hatte? Nun. Man stelle sich vor, Courtney Love stünde noch mal richtig im Saft. Die Donnas würden keine Höschen unter ihren Miniröcken tragen. Und das Mädchen auf dem Cover dieser Platte hier wäre Avril Lavigne. Von Frau Dalle eigenhändig dort oben festgenagelt. Man stelle sich all das ruhig mal vor. Dann kann man sich nämlich auch in Ansätzen ausmalen, was für ein unbehauener Klumpen Dreck dieses Drittwerk hier ist. Und wie arg das mitunter abgeht, zum Teufel nochmal.

Die Show, die Brody Dalle hier abzieht, ist mit einem Wort ein ziemlich dickes Ding. Getragen von tieffliegend querschlagenden Gitarren röchelt, krächzt und quengelt sie sich durch hochtrabende Dreiminüter, prallt gegen scharfkantige Percussion und holt sich schließlich eine blutige Nase ab, wenn ein überrumpelnd melodischer Refrain die richtige Tonart um knappe zehn Meter verfehlt. Mitgröhlen? Aber gerne. Luftgitarre? Nur zu. Mehr davon? Sowieso.

Es geht schon mit der ersten Single los. "Drain the blood" hackt sich ohne großes Interesse an Umständlichkeiten zu einem Chorus durch, der in blutenden Ohren für Unordnung sorgt. "Die on a rope" würde indes unbeirrt in die gleiche Kerbe hauen, aber es ist ja längst nur noch Kleinholz da. Ein bißchen zu plump könnte man das manchmal finden. Wenn da nicht auch so Stücke wie "The gallow is God" oder "The hunger" wären. Die sind nicht nur länger und langsamer, sondern auch ein paar Grad abgekochter als der rohe Rest dieser Platte. Und somit die Leberhaken in einem gottlosen Boxkampf ohne Handschuhe. Klar, Jesus liebt uns immer noch. Aber die Distillers hassen uns. Und sie haben hier das Sagen.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • The gallow is God
  • The hunger
  • Deathsex

Tracklist

  1. Drain the blood
  2. Dismantle me
  3. Die an a rope
  4. The gallow is God
  5. Coral fang
  6. The hunger
  7. Hall of mirrors
  8. Beat your heart out
  9. Love is paranoid
  10. For tonight you're only here to know
  11. Deathsex

Gesamtspielzeit: 44:51 min.

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