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Itchy - Dive

Itchy- Dive

Findaway / Soulfood
VÖ: 07.07.2023

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Sprung ins Gewisse

Ein kleiner Junge mit Badehose und Schwimmflügelchen steht auf einem Sprungbrett, die Schultern hängend, den Kopf gesenkt. Das Coverfoto des neunten Itchy-Studioalbums impliziert, dass den Dreien der große Sprung in Ungewisse bevorsteht. Knapp drei Jahre nachdem sie bei ihrem letzten Release "Ja als ob" ihr bisher größtes Experiment gewagt und das hemdsärmelige Schulenglisch gegen Gesang in ihrer Muttersprache ausgetauscht haben. Dass man mit dieser Interpretation komplett auf dem Holzweg ist, wird schnell klar. Vielmehr müsste der kleine Junge frech grinsend in unsere Richtung feixen und sich per Rolle rückwärts vom Brett verabschieden. Die drei Eislinger kassieren den deutschsprachigen Gesang des Vorgängers nämlich direkt wieder ein und präsentieren auf "Dive" den seit über zwei Dekaden gewohnten melodischen Poppunk mit gut temperierten Wutausbrüchen, catchy Refrains und Powerchords.

Itchy legen Wert darauf, "dass das Ganze vor allem in verschwitzten Konzertclubs und auf staubigen Festivalbühnen funktioniert". Diese Mission erfüllen sie mit routinierter Leichtigkeit. Die Songs sind simpel, auf Refrain geschrieben und sollen sich vor allem ganz tief in die Ohren reinfräsen. Mit dem Opener "Prison light" und dem nachfolgenden "Thoughts & prayers" gelingen ihnen direkt zwei fiese Ohrwürmer, auch wenn sie dabei mal wieder wie eine 1:1-Kopie der Kanadier Billy Talent klingen. Itchy sind als Coverband gestartet, sie haben ihr Handwerk also von der Pike auf gelernt. Für "Burn the whole thing down" konnten die Schwaben mit Justin Sane den Sänger von Anti-Flag als Gast klarmachen. Inhaltlich geht es um alles, was denkende Menschen heutzutage Scheiße finden: Klimawandel, Korruption, Patriarchat, Katar und China und Russland. Alles niederzubrennen, lautet die Losung, was beim zuckersüßen Gesang von Gitarrist Panzer irgendwie putzig wirkt. Aber es ehrt Itchy, dass sie ihren quietschbunten Hochglanzpunk mit solchen Themen ausstatten.

Der Titeltrack besticht durch die träumerische Hook, "No one's listening" vor allem durch die knackig-kurzen Hardcoreparts. Das schmalbrüstige Sommerliedchen "I'm alright" läutet die schwächere zweite Albumhälfte ein. "Afterglow" ist ein Allerweltssong über das Ende von Freundschaft und Liebe mit Zeilen, die aufgrund ihrer sprachlichen Unbeholfenheit schmunzeln lassen: "Every time that we start a discussion, feels like I'm speaking French and you hear it in Russian." Sänger Sibbi hat die 2021 bei Jauch erquizzte Kohleschon durchgebracht, denn jetzt ist der 41-jährige wieder "Broke forever" und will den ganzen Tag saufen, über Mädchen reden und Bandshirts tragen. In der Weezer-Hommage "Come join us" rekrutieren Itchy zum Abschluss noch eifrig neue Anhänger*innen. Über den Zuspruch ihrer treuen Zuhörerschaft müssen sie sich keine Gedanken machen. Sie können sich auf den Sprung in die Arme ihrer Fans und das Bad in der Menge freuen, egal ob staubiges Festival oder schweißtropfender Club.

(Andreas Rodach)

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Highlights

  • Prison light
  • Burn the whole thing down (feat. Justin Sane)

Tracklist

  1. Prison light
  2. Thoughts & prayers
  3. Burn the whole thing down (feat. Justin Sane)
  4. You
  5. Dive
  6. No one's listening
  7. I'm alright
  8. Hospital
  9. Afterglow
  10. Broke forever
  11. Lie
  12. Come join us

Gesamtspielzeit: 38:44 min.

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User Beitrag

Rochen

Postings: 374

Registriert seit 15.10.2022

2023-07-05 22:18:49 Uhr
Ach, ist der Trend schon wieder vorbei? Ziehen die Donots und Sarah Connor jetzt nach?

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 26372

Registriert seit 08.01.2012

2023-07-05 22:09:47 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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