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Dicht & Ergreifend - Es werde Dicht

Dicht & Ergreifend- Es werde Dicht

Zipfe Adam
VÖ: 16.06.2023

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Ja gut, äh

Mit dem Slogan "Laptop und Lederhose" hat ein rhetorisch begabter Lokalpolitiker mal ausdrücken wollen, wie Fortschritt und Tradition im Freistaat Bayern quasi symbiotisch zusammenfinden. Diesem dialektischen Ansatz folgt im Grunde auch der musikalische Output der Rapper George Urkwell, im bürgerlichen Leben Michael Huber, und Lef Dutti, Taufname Fabian Frischmann, aus dem niederbayrischen Landkreis Dingolfing-Landau. Mit dem bedeutenden Unterschied, dass die beiden es anders als seinerzeit Edmund Stoiber tatsächlich nach Berlin geschafft haben, wo sie ihr Duo Dicht & Ergreifend überhaupt erst ins Leben gerufen. Das war im Jahr 2014. Es folgten zwei Alben und zahlreiche Auftritte vor allem im Süden der Republik, etwa auf dem – kein Scherz, das heißt wirklich so – Woodstock der Blasmusik in Ort im Innkreis oder dem Heimatsound-Festival in Oberammergau. Dass Album Nummer drei, das nun mit fünf Jahren Abstand zum Vorgänger "Ghetto mi nix o" erscheint, am bewährten Prinzip kaum etwas ändert, war nicht anders zu erwarten. "Es werde Dicht" kombiniert eingängigen (Mainstream-)Rap mit Blasmusik und niederbairischer Mundart.

Erstaunlich ist da vielleicht schon eher, dass diese Synthese auch für Hörer*innen nördlich des Weißwurstäquators nicht ohne jeden Reiz ist. Denn Dicht & Ergreifend haben etwas zu sagen und bringen das auch immer wieder pointiert rüber. Und mit anarchistischem Humor. Die kleinen Absurditäten des Alltags und den großen Irrsinn unserer Zeit würfeln sie wild durcheinander. Im Dauer-Gaudi-Modus geht es irgendwie um alles und noch viel mehr. In "Bauernschach" erzeugt die Aneinanderreihung von Substantiven dementsprechend ein assoziationsreiches, buntes Panorama: "Hautfarben und Tatverdacht / Freiluftkino und Einzelhaft / Hildmann und Lauterbach / Schäferzug und Bauernschach." Nicht viel anders verfahren Urkwell und Dutti auch bei der musikalischen Ausgestaltung. Da hat es Banger wie den Titelsong, der mächtig anschiebt und vor allem live gut funktionieren dürfte, und den doch leicht enervierenden Stress-Track "Diridari". Und da hat es Nummern, die sich eher entspannt zurücklehnen und den lieben Herrgott einen guten Mann sein lassen, etwa "Künstler" mit seinen Reggae-Anleihen, oder auch "Mama sperr Dei Wirtshaus zua", das der lieben Mutti einen gut gemeinten Rat erteilt.

Zusätzliche Abwechslung bringen zwei gänzlich unmusikalische Sketche rein, "Punchline Labor Habermayer" und "Geiselhöring Papers" mit dem Kabarettisten Hannes Ringlstetter, und – wer es braucht – das sechzehnsekündige Kindergebrabbel "Lil Ferdi". Also alles drin sozusagen, nur dass eine gewisse stilistische Vielfalt und ein routiniertes Songwriting nicht zwangsläufig auch Mut zum Aus-der-Reihe-Tanzen bedeuten müssen. Im Großen und Ganzen bewegen sich Dicht & Ergreifend doch in überwiegend radiotauglichen Gefilden und rein vom Musikalischen her würden viele Songs von "Es werde Dicht" auch auf einer Spotify-Playlist zusammen mit Culcha Candela und Andreas Bourani nicht vollkommen deplatziert wirken. In den Bierzelten der bayrischen Provinz für Anstoß sorgen dürfte da schon eher die Haltung, mit der Urkwell und Dutti bei allem Gaudi nicht hintern Berg halten. In einem profeministischen Song wie "Viva la Vagina" etwa. Und vielleicht sollten die Wärmepumpen-Choleriker Söder und Aiwanger einfach mal das endzeitliche Szenario auf sich wirken lassen, das der Titelsong entwirft. Wenn da nicht ohnehin schon Hopfen und Malz verloren sind. Aber das ist eine andere G'schicht.

(Markus Huber)

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Highlights

  • Es werde Dicht
  • Mama sperr Dei Wirtshaus zua
  • Viva la Vagina (mit Auer Voices)
  • Bauernschach

Tracklist

  1. Bavaristan 2473 (mit Shivahontas)
  2. Es werde Dicht
  3. Diridari (mit Liquid & Maniac)
  4. Lil Ferdi
  5. Mama sperr Dei Wirtshaus zua
  6. Monopoli
  7. Duadaso
  8. I glaubs einfach (mit Frank Freitag)
  9. Punchline Labor Habermayer (mit BBou und Mais)
  10. Woashohe
  11. Viva la Vagina (mit Auer Voices)
  12. Wia da dog
  13. Künstler
  14. Peace sign high
  15. Eulen nach Athen
  16. Geiselhöring Papers (mit Hannes Ringlstetter)
  17. Zoid dafia
  18. Bauernschach

Gesamtspielzeit: 60:52 min.

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User Beitrag

Souljacker

Postings: 20

Registriert seit 13.10.2013

2023-06-30 15:38:04 Uhr
Ich kann dir da nur zustimmen. Die kommen ja aus dem gleichen Landkreis wie ich, da werden die natürlich abgefeiert ohne Ende. Für was auch immer. Und das mit Social Media kann ich bestätigen: Da werden nicht nur unerwünschte Kommentare gelöscht, bei mir ging das sogar so weit, dass ich auf deren offizieller Facebook-Page blockiert wurde.

Telecaster

Postings: 1282

Registriert seit 14.06.2013

2023-06-28 13:18:42 Uhr
Totale Sch**ßband, sorry.
Politisch nur so weit links positionieren, dass es die Bauerndeppen in Lederhosen auf den Konzerten nicht verprellt, aber trotzdem lautstark verkünden, dass man gegen Nazis ist und so.
Derartiger Slogans ungerührt dennoch Auftritte auf zweifelhaften Blasmusik-Festivals von ebenso zweifelhaften Veranstaltern aus der rechtskonservativen Ecke.
Und während der Pandemie dann stolz verkünden, dass man so schnell wie möglich wieder feiern will - ist dann auch passiert, mancherorts auf sämtliche Abstandsregeln gesch*ssen.
Unerwünschte Kommentare auf Social Media wurden gnadenlos gelöscht.
Noch mal: Eine richtige Sch**ßband ist das.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 26928

Registriert seit 08.01.2012

2023-06-25 08:59:30 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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