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Apache 207 - Gartenstadt

Apache 207- Gartenstadt

Feder / Four / Sony
VÖ: 09.06.2023

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 3/10

Apache bleibt seicht

Was will Apache 207 eigentlich? Diese Frage geisterte dem Rezensenten beim Hören des neuen Albums "Gartenstadt" durch den Kopf. Unterhalten? Sicher. Mitleid? Vielleicht. Geld? Wahrscheinlich auch. Man könnte diese Liste nun beliebig fortsetzen, doch alle Fragen dieser Welt können die eingangs genannte nicht zufriedenstellend beantworten. Noch immer singt der Zopfträger wie ein junger Gott, noch immer sind Jumpas Beats überwiegend solide und müssen sich wie in der The-Weeknd-Hommage "Breaking your heart" auch nicht vor Vergleichen mit internationalen Größen verstecken. Das Problem liegt weniger im Handwerk als in der Kunst. Die lässt nämlich ziemlich zu wünschen übrig.

Themen hat Apache 207 noch immer keine. Präziser formuliert: Er hat immer noch keine Themen außer sich selbst. Wenn er im Opener "Was weißt Du schon" von Ratten fabuliert, die sich durch die Wände der Mietskaserne fressen, wirkt das aufgrund der beschwingten musikalischen Begleitung mindestens beliebig. Vielleicht handelt es sich auch um romantische Ironie, aber mit so einem Unsinn sollen sich Germanisten herumschlagen. Apache schlägt sich ohnehin viel lieber durch die Nacht, was bisweilen sogar zu ganz passablen Songs führt. "Kurz vor 4" besitzt beispielsweise einige clevere Lines, und auch wenn "Neunzig" textlich ziemlich stumpf ausfällt, kann man wenig Negatives über den amtlichen Miami-Bass-Beat sagen.

Schlimm sind hingegen die zahlreichen Momente verkitschter Weinerlichkeit. Wenn Apache in "Ohne Gnade" zum gefühlt hundertsten Mal von der Unvereinbarkeit von Party-Lifestyle und echter Liebe berichtet, besitzt das ungefähr die gleiche emotionale Tiefe wie Makeup-Tutorials auf TikTok. Auch das, Achtung Überraschung, in Ghetto-Nostalgie schwelgende "Vorstadt" lässt sich nur ertragen, wenn man die Aufmerksamkeitsspanne einer Stubenfliege besitzt. Worum die am liebsten kreist, ist bekannt. Und weil der Verfall weder vor den Sitten noch dem frisch gebauten Luxusdomizil Halt macht, bekommt er mit "Schimmel in der Villa" eine Hymne, auf die keiner gewartet hat. Darf man Blödsinn dazu sagen?

Man muss wahrscheinlich sogar. Apache meint ungefähr die Hälfte dessen, was er von sich gibt, ernst. Die andere Hälfte spielt keine Rolle, weshalb Songs wie "Coco Chanel" oder "Geblitzt" vorbeirauschen, ohne bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Ganz anders verhält es sich mit "Komet", einer wüsten 80er-Hommage, bei der kein Geringerer als Udo Lindenberg als Feature-Gast gewonnen werden konnte. Uns Udo macht dabei eine erstaunlich gute Figur, dennoch will der Song nicht recht zünden. Zu penentrant ist die Produktion, zu flach das Arrangement. Ernsthaft hassen kann man das Ganze aber auch nicht, dazu ist Udo zu legendär und Apache zu glatt. Bleibt also nur Indifferenz.

(Christopher Sennfelder)

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Highlights

  • Breaking your heart
  • Kurz vor 4

Tracklist

  1. Was weißt Du schon
  2. Breaking your heart
  3. Wenn das so bleibt
  4. Ein letztes Mal
  5. Kurz vor 4
  6. Neunzig
  7. Coco Chanel
  8. Capri Sonne
  9. Ohne Gnade
  10. Vorstadt
  11. Gefunden
  12. Schimmel in der Villa
  13. Geblitzt
  14. Raus hier
  15. Komet (feat. Udo Lindenberg)

Gesamtspielzeit: 41:56 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

andygoestohollywood

Postings: 912

Registriert seit 27.11.2023

2024-02-05 14:22:20 Uhr
Direkter Weg auf den Schrotthaufen mit dem Roller - erschließt sich mir nicht, was an seinem Hit gut sein soll. "Komet" kriegt 2 von 10 Punkten. Womit die Jugend heute so belästigt wird, das ist höchstens fürs streamen gut, nicht zum kaufen..

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 30689

Registriert seit 08.01.2012

2023-06-25 08:58:56 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

8hor0

Postings: 1622

Registriert seit 14.06.2013

2023-06-19 09:21:10 Uhr
Das Thema Reichtum und dann doch nicht glücklich sein zog sich schon die letzten Jahre durch mehrere Acts in dieser Szene. So wie früher das Knastleben usw. Irgendwie kopiert jeder jeden ein bisschen.

Konsul

Postings: 933

Registriert seit 06.04.2022

2023-06-17 13:28:53 Uhr
Der arme Apache, wollte raus aus dem Ghetto und nun nachdem er es geschafft hat leidet er so schrecklich. Damit dürfte wohl klar sein, dass er nichts mehr zu sagen hat, wenn das nun seinen Hauptmessage ist.

Christopher

Plattentests.de-Mitarbeiter

Postings: 4369

Registriert seit 12.12.2013

2023-06-16 14:18:14 Uhr
Lohnt sich mMn kaum. Alles sehr, sehr flach.
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