Tocotronic - K.O.O.K. (Englische Version)

Tocotronic- K.O.O.K. (Englische Version)

L'age d'or
VÖ: 13.03.2000

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

The new strangeness

"Über Sex kann man nur auf Englisch singen" predigten die drei Tocotronicer seinerzeit bereits auf ihrem ersten Album - und nun war es auch endlich an der Zeit, das in die Tat umzusetzen, um mal eben im Vorübergehen die Welt zu erobern. Jetzt gibt es "K.O.O.K." also auch als englische Variante, mit denselben Songs und denselben Arrangements plus eines entspannten (deutschen) Bonustracks namens "Ja". Erhältlich ist diese Version lediglich im nichtdeutschsprachigen Ausland sowie über den Ladomat-Spezialversand (http://www.lado.de/), und auch dort limitiert auf eine CD pro Besteller.

"Die neue Seltsamkeit" macht sich bei Tocotronic ein weiteres Mal bemerkbar - und heißt jetzt auch noch "The new strangeness". Puristen werden aufschreien, Tocotronic-Fans anfangs den Kopf schütteln - zuerst von links nach rechts, um ihn wenig später mit einem überraschten Lächeln auf den Lippen in die was Rockmusik angeht vertrauteren Bewegungsabläufen zu lenken.

Die englischen Texte aus Dirk von Lowtzows Mund klingen dabei so holprig wie englische Texte nur holprig klingen können. Man spürt förmlich, wie er sich durch manche Songs quält. Über Sex läßt sich nur auf Englisch singen - über Wut und Enttäuschung läßt sich manchmal besser auf Deutsch nölen. Wenn Dirk in "Tomorrow will be like today" Dinge wie "I like you so very / you like me more very" flötet, so hat dies zwar in jedem Fall einen hohen Unterhaltungswert. Letztendlich bietet das Album aber für die deutsche Fangemeinde auch nicht allzuviel Neues. Nachdem der Kuriositätsbonus verflogen ist wird der geneigte Fan wohl zumeist zur deutschen, deutlich mitsinggröhlbareren Version greifen, auch um die nach wie vor grandios minimalistischen Texte von "K.O.O.K." in unverfälschter Form hören und erleben zu können.

Was einen möglichen Durchbruch im Ausland angeht, so bezweifle ich zudem, daß Pointen wie meine persönliche Lieblingstextstelle des Albums, "Man kann es drehen und wenden wie man will / Dachte ich und legte etwas auf den Grill" aus "Jenseits des Kanals" in der Form "You can turn it all around, all you want, so I thought as I put something on the grill" wirklich zur Geltung kommen. "Misfortune must be fought back", dessen Text im Original lediglich aus zwei komplexen Sätzen besteht mußte natürlich genauso ein klein wenig in die Hose gehen. Übersetzer Mike Halverson scheint einerseits gute Arbeit geleistet zu haben. Andererseits ließ es sich dennoch nicht vermeiden, daß hier und da desöfteren etwas verloren geht, wenn der tocotronische Minimalismus wieder besonders pointiert funktioniert.

Ob es dem Gesamtkunstwerk Tocotronic, das nach wie vor deutlich als ein solches zu erkennen ist, auch in dieser Form gelingen wird, jenseits des Kanals, der Grenze und des großen Teichs irgendeinen Hahn nach der Band krähen oder gar eine ganze Nation "Let there be rock" singen zu lassen, bleibt abzuwarten. Aber andererseits: Wieso sollte nicht ausgerechnet Tocotronic gelingen, woran schon ganz andere gescheitert sind? Wir drücken die Daumen und stimmen ein: Verflixt nochmal! Let there be rock, just one more hour, just one more day. God damn it all! Let there be rock. Everywhere around the world.

(Armin Linder)

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Highlights

  • Let there be rock
  • The gift
  • Tomorrow will be like today

Tracklist

  1. K.O.O.K.
  2. Misfortune must be fought back
  3. Jackpot
  4. The boundaries of good taste 1
  5. Let there be rock
  6. Under the expressway
  7. Day without shadows
  8. The gift
  9. Those are not riddles
  10. Beyound the canal
  11. Some good advice
  12. Thought around the corner
  13. The new strangeness
  14. Tomorrow will be like today
  15. The boundaries of good taste 2
  16. Rock pop in concert
  17. 17
  18. Ja (Bonus-Track)

Gesamtspielzeit: 76:39 min.

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