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Janelle Monáe - The age of pleasure

Janelle Monáe- The age of pleasure

Atlantic / Warner
VÖ: 09.06.2023

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Feuchtgebiete

"I'm lookin' at a thousand versions of myself / And we're all fine as fuck." Janelle Monáes Entwicklung als Musikerin ist ein einziger Prozess der Entblätterung – und das nicht nur in dem wörtlichen Sinn, dass sie auf dem Cover ihres vierten Albums splitternackt abtaucht und im Grunde nur noch übers Pimpern singt. Während sich Monáe seit "Moonlight" immer mehr als Schauspielerin profiliert, nahm ihr musikalisches Rollenspiel nach und nach ab. "The ArchAndroid"verfolgte eine Androidin namens Cindi Mayweather durch eine von Fritz Langs "Metropolis" inspirierte Dystopie, die Nachfolgewerke verloren zwar die phänomenalen Genre-Warp-Sprünge des Debüts, behielten aber die afrofuturistischen Konzepte bei. Auf "The age of pleasure" ist der einzige Moment des Größenwahns, Grace Jones einzuladen, nur damit diese in einem Interlude ein paar Sätze auf Französisch aufsagt.

Prominenz begleitet auch das eröffnende "Float": Fela Kutis Sohn Seun und seine Band Egypt 80 erzeugen die Bläser-Wolken, auf denen eine ihre Transformation verkündende Monáe zur Erde hinabgleitet. Der Track gibt die wesentliche Beschaffenheit der nur eine gute halbe Stunde langen Platte vor: Sie wirkt wie eine einzige Sommerbrise, die vorbei ist, bevor man sie so richtig greifen konnte, die einen aufgrund ihres Drives und der vielen instrumentalen Details aber auch nicht loslässt. Auf flötenden Synths und erneut erhabenen Bläsern groovt sich "Champagne shit" in seine Coda "Black sugar beach" hinein, deren mehrstimmiges Ausfransen ein paar "ArchAndroid"-Erinnerungen weckt. Wie "Phenomenal" von seinem gedämpften Amapiano-Beat samt Roboter-Vocals in einen farbenfrohen Latin-Jazz-Ausbruch wechselt, begeistert auch beim x-ten Mal. Dass Monáe nur Songs aufs Album gepackt hat, die bei ihren privaten Partys zündeten, hätte sie angesichts solcher Momente nicht extra erwähnen müssen.

"They say I look better than / David Bowie in a moonage dream", rappt die US-Amerikanerin ganz unbescheiden in "Haute", inszeniert sich auf dem Album jedoch deutlich weniger chamäleonhaft und subtil als die genamedroppte Legende. Mit aalglattem Groove und wie fliegende Fische nach oben schießenden Refrain-Harmonien macht "Water slide" textlich überhaupt keine Gefangenen: "If I could fuck me right here, right now / I would do that." Subtil ist Monáe höchstens darin, einem die Bedeutung ihres aus einer explizit queeren Perspektive formulierten, sexpositiven Hedonismus nicht aufzudrücken. Wenn "Lipstick lover" Zeilen wie "I like lipstick on my neck / Leave a sticky hickey in a place I won't forget" in klassischen Reggae tunkt, einem historisch nicht gerade für seine Homophilie bekannten Genre, kann man sich seinen Teil selbst denken.

"Let our rain become a monsoon", fordert "The rush" in seinem sinnlichen, von einer spanischen Gitarre unterstützten Engtanz, bevor "Only have eyes 42" mit unerwartet romantischem Schwung nach draußen leitet, unter Streicher-Soul und Doo-Wop-Träumereien jedoch eine unverblümte Ode an die Polyamorie versteckt. Dass "The age of pleasure" seine eh schon kurze Spielzeit mit Interludes auffüllt und auch nicht jeder der vollwertigen Tracks sitzt – "Know better" fährt etwa eine seltsam leidenschaftslose Gesangsperformance auf –, mag man als validen Kritikpunkt anführen, auch wenn Monáe ihn wieder locker übers Netz drischt: Schließlich erweckt sie hier den Eindruck, als würde sie nichts weniger jucken als ihre musikalische Meisterschaft. Angesichts der vorigen Großtaten fühlen sich ihr neuer Minimalismus und ambitionsloser Party-Fokus enttäuschend an, doch ihren Zweck erfüllt die Platte zu 100%, macht zweifelsfrei Spaß – und platscht so einige Worte auf den Beckenrand, die man in Disneys jüngster "Arielle"-Adaption wahrscheinlich nicht zu hören bekommt.

(Marvin Tyczkowski)

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Highlights

  • Float (feat. Seun Kuti & Egypt 80)
  • Phenomenal (feat. Doechii)
  • Water slide
  • Only have eyes 42

Tracklist

  1. Float (feat. Seun Kuti & Egypt 80)
  2. Champagne shit
  3. Black sugar beach
  4. Phenomenal (feat. Doechii)
  5. Haute
  6. Oooh la la (feat. Grace Jones)
  7. Lipstick lover
  8. The rush (feat. Nia Long & Amaarae)
  9. The french 75 (feat. Sister Nancy)
  10. Water slide
  11. Know better (feat. CKay & Seun Kuti & Egypt 80)
  12. Paid in pleasure
  13. Only have eyes 42
  14. A dry red

Gesamtspielzeit: 32:04 min.

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User Beitrag

The MACHINA of God

User und Moderator

Postings: 32523

Registriert seit 07.06.2013

2023-12-26 18:28:56 Uhr
Hehe, alles klar. Und 80 Rezensionen ist echt ein ordentliches Pensum, wow.

MopedTobias (Marvin)

Mitglied der Plattentests.de-Schlussredaktion

Postings: 20042

Registriert seit 10.09.2013

2023-12-26 18:10:35 Uhr
Insgesamt sogar mehr, hab ja allein schon über 80 Stück für PT rezensiert. Wobei bei der Gesamtmenge auch viel 6/10-oder-niedriger-Ausschussware dabei ist, die ich wenn überhaupt einmal gehört habe, da ist "rankbar" vielleicht nicht mehr das richtige Attribut. :)

The MACHINA of God

User und Moderator

Postings: 32523

Registriert seit 07.06.2013

2023-12-26 17:50:19 Uhr
Wow, du hast 100 Alben rankbar gehört dieses Jahr? :O

MopedTobias (Marvin)

Mitglied der Plattentests.de-Schlussredaktion

Postings: 20042

Registriert seit 10.09.2013

2023-12-26 17:47:26 Uhr
Bei mir wäre es vielleicht gerade so in der Top 100. Dafür wohl auf Platz eins bei den Enttäuschungen des Jahres.

The MACHINA of God

User und Moderator

Postings: 32523

Registriert seit 07.06.2013

2023-12-26 17:43:05 Uhr
Bei mir wohl nicht mal Top 30. Mehrmals versucht, gibt mir leider gar nix.
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