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Youth Lagoon - Heaven is a junkyard

Youth Lagoon- Heaven is a junkyard

Fat Possum / Membran
VÖ: 09.06.2023

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Raus aus dem Würgegriff

Es waren zunächst nur rund sechs Jahre, in denen Trevor Powers als Youth Lagoon musikalisch aktiv war und seine wachsende Hörerschaft immer und immer wieder in Verzückung versetzte. Mit seiner schwer (be)greifbaren Art des Gesangs überzeugte er nicht nur live, sondern auch und vor allem auf seinen drei Alben. "The year of hibernation" markierte 2011 ein herausragendes Debüt, "Wondrous bughouse" geriet 2013 zum Meisterwerk, und "Savage hills ballroom" etablierte Powers 2015 endgültig als Ausnahmekünstler. Und dann war einfach Schluss. Wie im Würgegriff habe er sich damals gefühlt, folglich legte er das Projekt Youth Lagoon zu den Akten. Was folgte, waren Alben unter eigenem Namen. Die allerdings konnten nicht an die Güte des vorangegangenen Schaffens anschließen. Sie verfolgten einen experimentelleren Ansatz, und wie das mit Experimenten eben so ist: Sie gehen manchmal auch ein bisschen schief.

Sieben Jahre nach dem jähen Ende erfolgt die Wiederbelebung von Youth Lagoon, und mit seiner unverwechselbaren Stimme meldet sich Powers unter der alten Dachmarke zurück. In "Rabbit" zum Auftakt singt er: "No one ever saw the house / Through the pine trees on the belt / Only Alice starin' out / No one ever saw me out / In the junkyard by myself / Only Alice really felt", und eben das bereitet höchst treffend auf das vor, was auf etwas mehr als einer halben Stunde Spielzeit folgen wird. Es ist eine Art Beobachtung, der sich die Rezipient*innen hier aussetzen. Wir hören einem Musiker zu, der überaus zerbrechlich wirkt, gleichermaßen rätselnd wie rätselhaft. Und schnell wird klar, wie bedauerlich ein dauerhaftes Verschwinden von Youth Lagoon tatsächlich wäre.

Es sind die ruhigen Töne, die auf "Heaven is a junkyard" überwiegen. Und die nach einem fein austarierten Trio an Stücken zu "The sling" führen, einem ganz und gar reduzierten Wunderwerk aus Stimme und Piano. Und wie er da Zeile für Zeile vorträgt, fühlt man sich tatsächlich wie ein Beobachter; man schlüpft hinein in seine Gedanken, in seine Sicht auf die Welt um ihn herum. In der der Himmel, wie es am Ende von "The sling" heißt, wie ein Schrottplatz daherkommt. "Deep red sea" verführt später mit kleinen elektronischen Spielereien, "Trapeze artist" wiederum nimmt einen verträumt-schwelgerisch an die Hand. Powers ist ein (Ver-)Zauberer, dessen musikalischer Werkzeugkoffer Möglichkeiten enthält, die vielen anderen verwehrt bleiben. Und er hält das außergewöhnliche Niveau, für das beispielsweise in "Mercury" nur ganz wenige Mittel notwendig sind, um anhaltend zu begeistern. Das intensive, nahezu dramatische "Helicopter toy" beschließt das vierte Album von Youth Lagoon, das uns zwölf Jahre nach dem ersten Streich einen in vielerlei Form gereiften Musiker zeigt.

Die Hürden vor der Entstehung von "Heaven is a junkyard" hätten übrigens kaum höher sein können. Eine folgenschwere körperliche Reaktion auf ein Medikament brachte Powers physisch und psychisch an die Grenzen des Erträglichen. Seine Stimme war nicht mehr nur zerbrechlich, sondern zwischenzeitlich verstummt. Als ihm der Ausweg nach vielen Untersuchungen und Behandlungen schließlich gelang, war er nicht nur 15 Kilo leichter, sondern auch wieder bereit, sich an die künstlerische Arbeit zu machen. Und die Ursache für den einstigen Stopp bei voller Fahrt? Keinesfalls sei es das Projekt Youth Lagoon gewesen, das den Würgegriff darstellte, sondern er selbst. Wie gut, dass Trevor Powers aus dieser Erkenntnis die richtigen Schlüsse gezogen hat.

(Torben Rosenbohm)

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Highlights

  • Idaho alien
  • The sling
  • Trapeze artist

Tracklist

  1. Rabbit
  2. Idaho alien
  3. Prizefighter
  4. The sling
  5. Lux radio theatre
  6. Deep red sea
  7. Trapeze artist
  8. Mercury
  9. Little devil from the country
  10. Helicopter toy

Gesamtspielzeit: 34:36 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

myx

Postings: 5015

Registriert seit 16.10.2016

2023-09-06 13:10:17 Uhr
Höre ich auch so, saihttam, die Soundqualität ist wirklich bestechend gut. Und das Album selber bei mir ebenfalls eine glasklare 8/10.

saihttam

Postings: 2423

Registriert seit 15.06.2013

2023-09-04 23:59:38 Uhr
Ganz wunderbares Comeback! So viele schöne, berührende Momente! Introspektiver als die beiden Vorgäner würde ich auch sagen. Aber klarer und gereifter als das Debüt, dass für mich wahrscheinlich trotzdem den größten emotionalen Wert in der Diskographie behalten wird. Die Song- und die Soundqualität sind beide auf sehr hohem Niveau. Klar, die Stimme ist speziell, aber auch ein Markenzeichen der Musik. Mercury und Helicopter Toy sind große Highlights am Ende eines schon tollen Albums. Pure Gänsehaut! Nur Little Devil from the Country passt für mich nicht ganz rein und reißt mich immer etwas aus der Stimmung. Dennoch ne fette 8/10!

Marküs

Postings: 1250

Registriert seit 08.02.2018

2023-08-04 13:49:54 Uhr
Hatte in 2013 auch schon die Wondrous bughouse gekauft und sogar für hervorragend befunden. Irgendwie war die Stimme da aber anders, mehr verzerrt und außerweltlich. Naja auf der neuen Platte sind schon sehr gute Songs drauf, so ist es nicht.

Brrrr003

Postings: 80

Registriert seit 31.07.2023

2023-08-03 18:00:12 Uhr
Hibernation war ein grandioses Album. Die Stimme ist eigens, bei hibernation jedoch mehr im Hintergrund.
Anspieltipp: youtube- pitchfork festival.2012- afternoon

Marküs

Postings: 1250

Registriert seit 08.02.2018

2023-08-03 10:03:34 Uhr
Trevor Powers Stimme hört sich hier exakt genauso an wie die Stimme der Sängerin LP. Darauf muss man erstmal klarkommen. Ist schon ein gewaltiges Hindernis beim Hören für mich.
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