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Squid - O monolith

Squid- O monolith

Warp / Rough Trade
VÖ: 09.06.2023

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Dem Leben zum Trotz

"Aller Anfang ist schwer", behauptet der sogenannte Volksmund. Wie so oft erzählt er Unsinn. Es gibt nichts Einfacheres, als anzufangen. Raucher, die mit dem Aufhören angefangen haben, wissen, was gemeint ist. Die Probleme beginnen dort, wo der Schweinehund wohnt. Dieser meldet sich immer dann lautstark zu Wort, wenn man ihn absolut nicht gebrauchen kann. Auch in der Musik ist die Liste von Künstlern, die nach vielversprechendem Start direkt in die Bedeutungslosigkeit gestürzt sind, lang. Für ein Debüt hat man praktisch unendlich viel Zeit. Die Probleme beginnen, wenn dieses Debüt selbst die ambitioniertesten Erwartungen übertrifft. "Bright green field", der Erstling der britischen Band Squid, passt in diese Kategorie. Es war ein wilder Mix aus manischem Krach und wunderschönen Melodien, ein Statement. Die vielzitierte Latte lag hoch. "O monolith", Album Nummer zwei, reißt sie knapp, aber mit so viel Selbstbewusstsein, dass Punktzahlen nicht adäquat ausdrücken können, was Sache ist.

Das Album ist sperrig, fast schon abweisend in seiner Zerhacktheit. Es bedarf einiger Hördurchgänge, bis man sich zurechtfindet. Dabei gibt es zum Glück Bekanntes, an dem man sich orientieren kann. So brilliert Ollie Judge noch immer als Schlagzeuger und Anti-Sänger, seine zwischen Spoken Word und angestochenem Eber changierenden Beiträge sind noch so faszinierend wie am ersten Tag. Der Rest der Band zeigt sich ebenfalls inspiriert. Die Gitarristen Louis Borlase und Anton Pearson entlocken ihren Instrumenten die merkwürdigsten Geräusche, während der Keyboarder Arthur Leadbetter sowie Bassist und Trompetenspieler Laurie Nankivell für die atmosphärischen Zwischentöne zuständig sind. Die Songs entziehen sich meist konventionellen Strukturen, stärker denn je ist der Einfluss von Tortoise zu spüren. Dort, wo man einen Refrain erwartet, kommt ein Bruch. Und immer dann, wenn man sich gerade an eine schöne Melodie gewöhnt hat, klopft die Kakophonie an der Tür.

Der Titel "O monolith" ist passend gewählt. Einzelne Tracks hervorzuheben, fällt schwer, das Album funktioniert am besten, wenn es am Stück gehört wird. Wilde Post-Punk-Passagen wechseln sich mit meditativen Momenten ab, was anfangs chaotisch wirkt, hat Methode. So passieren beispielsweise im "Siphon song" Dinge, die auf dem Papier überhaupt nicht zusammenpassen, aber akustisch absolut Sinn ergeben. In "Undergrowth" skandiert Judge "I'd rather melt", während die Band versucht, wie eine Funk-Band nach einem Besuch beim Zahnarzt zu klingen. Atonale Riffs kollidieren mit einer funkigen Basslinie, allerhand Geräusche überlagern sich, ehe gegen Ende Glockengeläut ertönt. Das ist, mit Verlaub, progressiver als alles, was selbsternannte Progressive-Rock-Bands in der Regel fabrizieren. Doch auch in eher konventionellen Kompositionen wie "Green light" und "Swing (In a dream)" behält die Band den Überblick.

Das, was Squid so besonders macht, ist ihr Gespür für Rhythmen. Besonders eindrucksvoll gerät diesbezüglich "The blades", das mit seinen polyrhythmischen Elementen an Radiohead zu "The king of limbs"-Zeiten erinnert und beweist, dass man auch zu einem 7/8-Takt tanzen kann. Fast unmerklich gleitet der Song von Part zu Part, immer manischer wird die Musik. Die Spannung entlädt sich schließlich in einem Wirbelsturm aus wunderschönem Krach. Es gibt jedoch auch ruhigere Augenblicke, hier verdient "After the flash" eine besondere Erwähnung. Alle Fäden laufen schließlich in "If you had seen this bull's swimming attempts you would have stayed away" zusammen. Squid gelingt das Kunststück, Musik für den Kopf zu machen, aber dabei erstaunliche Emotionen hervorzurufen. Dem Wahnsinn Form zu geben, ist ihre Mission. Dem Leben zum Trotz, des Ausdrucks wegen.

(Christopher Sennfelder)

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Highlights

  • Siphon song
  • Undergrowth
  • The blades
  • If you had seen this bull's swimming attempts you would have stayed away

Tracklist

  1. Swing (In a dream)
  2. Devil's den
  3. Siphon song
  4. Undergrowth
  5. The blades
  6. After the flash
  7. Green light
  8. If you had seen this bull's swimming attempts you would have stayed away

Gesamtspielzeit: 41:52 min.

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User Beitrag

Old Nobody

User und News-Scout

Postings: 3803

Registriert seit 14.03.2017

2024-03-25 21:21:57 Uhr
Hab mir ehrlich gesagt von dem Ausbruch bei The Blades live etwas mehr Wucht versprochen

Old Nobody

User und News-Scout

Postings: 3803

Registriert seit 14.03.2017

2024-03-25 21:16:02 Uhr
Halbe Stunde live bei arte concert.Bei Echoes with Jenny Beth,sind ein paar Songs und Interviews bei. Verfügbar für 2 Jahre

https://www.arte.tv/de/videos/116760-000-A/squid/

The MACHINA of God

User und Moderator

Postings: 32552

Registriert seit 07.06.2013

2023-09-19 11:58:31 Uhr
Ja das Konzert ging ne ganze Weile. Ca 90 kommt hin.

AndreasM

Plattentests.de-Mitarbeiter

Postings: 723

Registriert seit 15.05.2013

2023-09-18 16:18:41 Uhr
War überrascht wie jung alle waren, aber gute Stimmung und so gut wie keine Phones irgendwo.

Ja, das ist mir auch aufgefallen. Und ich habe auch mitbekommen, dass dieses Mal nicht nur Leipzig und nähere Umgebung da war, sondern auch Erfurt, Nürnberg (etc.).

Im Gebäude 9 war der Sound leider sowohl ziemlich laut als auch sehr matschig, abgesehen davon war es total warm und stickig, so dass ich alles in allem über die etwas kürzere Spieldauer (so ziemlich genau 1h ) auch nicht übermäßig enttäuscht war.

Mit dem Sound war ich im UT am Freitag eigentlich recht zufrieden. Setlänge war in meiner Erinnerung aber deutlich länger, gegen 90 Minuten hätte ich jetzt geschätzt(?).

Oceantoolhead

Postings: 2290

Registriert seit 22.09.2014

2023-09-18 15:49:03 Uhr
Habe sie Anfang September in Köln gesehen und fand dass das Set sehr schon recht rund wirkte. Sie hatten bis auf Pamphlets auch alle Songs der bisherigen Setlist gespielt allerdings eine in Teilen andere Song-Reihenfolge, die Änderungen scheinen wohl auf Kosten des Flows gegangen zu sein.
Insgesamt war das Set auch relativ kurz nur 10 Songs abkürzlich der 2 Jam Sessions. Keine Zugabe.
Im Gebäude 9 war der Sound leider sowohl ziemlich laut als auch sehr matschig, abgesehen davon war es total warm und stickig, so dass ich alles in allem über die etwas kürzere Spieldauer (so ziemlich genau 1h ) auch nicht übermäßig enttäuscht war.
Einige der O Monolith Songs gewinnen live drastisch an Dynamik und Qualität. The Blades zum Beispiel empfand ich immer als Low Light des Albums, aber die Live Version ist über jeden Zweifel erhaben.
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