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Silbermond - Auf auf

Silbermond- Auf auf

Vertigo / Universal
VÖ: 02.06.2023

Unsere Bewertung: 2/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Vergnügt und froh

Brechen wir zunächst eine Lanze für Silbermond: "Symphonie" und "Das Beste" sind tatsächlich schön-schnulzige, funktionierende Liebeslieder, "Durch die Nacht" war glorreicher Emo. Und auch "Träum ja nur (Hippies)" vom letzten Album "Schritte" ist für sich betrachtet ein wunderbarer Song. Dass diese Ausreißer nach oben aber eher die altbekannte Metapher von Körnern und Hühnern bemühen, beweist auch das mittlerweile siebte Werk der Bautzener Berufsmusiker*innen: "Auf auf" sät besagte Highlights so rar wie nie zuvor. Das Konzept "Rockband", das Silbermond trotz aller Anbiederung die meiste Zeit zumindest noch halbwegs aufrechterhalten konnten, wurde endgültig fallengelassen. Ihr stampfender State-of-the-art-Deutschpop, den sie wie im Titeltrack mittlerweile zusätzlich mit Plastik-Beats und ab und an mit Synthie-Gedöns verunstalten, soll nun wohl auch tanzbar sein und ist damit endgültig auf dem Level der Forsters, Bendzkos und Pandzkos dieses Landes angekommen. Andrea Kiewel und der ZDF-Fernsehgarten lecken sich schon gierig die Finger, unangenehme Fragen an Sängerin Stefanie Kloß inklusive. Aber mit ihrer diesmal möglicherweise an der Flipchart von findigen Business-Plannern auf Massenauswertung zugeschnittenen und gänzlich gefühlskastrierten Musik ist die Band selbst schuld an der Misere.

Laue Sommernächte, ein Radler nach Feierabend, der Mutti geht's noch gut – besungen werden sämtliche Freuden des Lebens im denkbar simpelsten musikalischen Gewand. Aber sowieso ist alles okay, solange wir noch uns haben: "Verletzen" will Kloß den wehrlosen Angebeteten nicht, sondern runterschlucken, weitermachen, das Gute sehen. Mensch, wenn der Typ Dir nicht guttut, dann lass ihn doch ziehen, verdammt! Der Rückzug ins Private, die traute Zweisamkeit – es scheint das einzig Erstrebenswerte zu sein. "Gib mir ein kleines bisschen Sicherheit" oder so. Das überlebensgroße lyrische Du wirkt wie die am wenigsten spannende, weil konfliktärmste Person des Planeten, bekommt als gottesähnliche Erlöserfigur aber extremst viele Songs spendiert. Denn nur mit dem Zuspruch des Liebsten kann man sich, wie Silbermond es in ihrem bis dato vielleicht schlechtesten Song darstellen, frei und sogar "Sexy" fühlen. "Ohne Dich wäre meine Welt eine graue, gähnende Leere", singt Kloß, und zu dem Schlager-Beat klatschen auch Birgit und Ilse in der ersten Reihe ausgelassen in die Hände. Jetzt ein Aperölchen auf die Unabhängigkeit! Ich und Du, Müllers Kuh.

Ob nun "Sophie" oder "Vorbei ist vorbei": Alles soll ein bisschen 80er-mäßig elektronisch anmuten, immer wird brav bis vier gezählt, textlich bleiben oftmals Fragezeichen – "der erste Kuss vorm Mäcces" und Shoutouts an "Skinny love" und Rotkäppchensekt inklusive. Man muss sich die gelungeneren Momente rot in der Tracklist anstreichen: Die vertonte Muttertagskarte "Hey Ma" ist tatsächlich ein schicker Strauß Blumen und eine nette Abwechslung zwischen all den Wandtattoo-Slogans und Beziehungsratschlägen aus Glückskeksen. "Zusammen Abschied" ist simpel, aber undoof. Der Rest? Juli bei Wish bestellt und in den Party-Mixer geschmissen. "Lass die PA-Speaker bluten", ordnet Kloß an, aber spätestens nach "Nie wieder schlafen" samt gruseligem Feature von 1986zig lehnt man dankend ab: "Auf auf" ist ein Industrieprodukt, ein optimiertes Erzeugnis für bundesdeutsche, solvente Gelegenheitshörer*innen, die sich auch bei der Fitzek-Lektüre vor Angst die Fingernägel abkauen und das gelegentliche Tragen von schwarzen Klamotten für Revolution halten. Den Moment, "Wenn's am schönsten ist", mit einer Handvoll guter Songs in petto feierlich abzutreten, haben Silbermond endgültig verpasst.

(Ralf Hoff)

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Highlights

  • Hey Ma

Tracklist

  1. Auf auf
  2. Verletzen
  3. Wenn's am schönsten ist
  4. Sophie
  5. Hey Ma
  6. Lieber lauf ich davon
  7. Offenes Buch
  8. Vorbei ist vorbei
  9. Zusammen Abschied
  10. Kleid aus Hoffnung
  11. Sexy
  12. Nie wieder schlafen

Gesamtspielzeit: 37:47 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

mischi

Postings: 6

Registriert seit 14.06.2013

2023-06-01 11:24:33 Uhr
Bei den Sontiteln schreiben sich die Kalauer fast schon von selbst.
"Lieber lauf ich davon, wenn's am schönsten ist, denn diese Musik kann meine Ohren verletzen und dann kann ich nie wieder schlafen."

Gesmashter Pumpkin

Postings: 135

Registriert seit 24.05.2023

2023-06-01 08:21:51 Uhr
"Aua Aua" wäre auch ein passender Albumtitel gewesen.

Oder "Autsch Autsch".

Oder "Eiei Eiei"...

Das oft genuschelhauchte Betroffenheitsgedudel macht mir Ohrenschmerzen.

The MACHINA of God

User und Moderator

Postings: 32503

Registriert seit 07.06.2013

2023-05-31 22:03:49 Uhr
Schön geschriebene Rezi.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 26928

Registriert seit 08.01.2012

2023-05-31 21:14:54 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Otto volle Möhre

Postings: 1132

Registriert seit 21.06.2021

2023-05-22 23:24:57 Uhr
Rülpsdinak?
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