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Tigercub - The perfume of decay

Tigercub- The perfume of decay

Loosegroove / Membran
VÖ: 02.06.2023

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

So finster die Nacht

Das dritte Album einer Band sorgt oft dafür, dass sie den "Machen wir alles ein bisschen anders"- oder "Jetzt erst recht"-Modus anwirft. Bei Tigercub aus dem Indie-Rock-Eldorado Brighton bedeutet das einerseits: die Dampfwalze. Andererseits zeigt schon der Titeltrack "The perfume of decay", dass sich das Trio fortan mit Leib und Seele der Dunkelheit verschrieben hat. Statt dezent angegrungtem Alternative wird eine Art Stoner-Metal serviert, der auf Eingängigkeit pfeift und noch dazu mit einer dicken Goth-Glasur überzogen wurde. Im zugehörigen Musikvideo schmeißt sich die Band in Schale und präsentiert sich irgendwo zwischen Robert Smith und eleganter Trauergesellschaft im Geisterschloss. Heller wird es auch im Anschluss nicht mehr, alle Vorhänge bleiben fest zugezogen, und der namensgebende süßliche Verwesungsgeruch gibt den Ton an. Frontmann Jamie Hall spricht dazu von Angstzuständen und Katharsis, als sei ihm eines Nachts Edgar Allen Poe persönlich erschienen und habe ihn auf die dunkle Seite geführt. "The perfume of decay" ist voll mit Fuzz und Finsternis, brettharten Riffs und existentiellem Weltschmerz, wie er vermutlich nur nach Mitternacht seine volle Pracht entfalten kann.

Ihre Seelen haben die Musiker dabei endgültig jemandem verkauft, der schon immer einen sehr prägnanten Einfluss auf ihr Schaffen hatte: "Play my favourite song" und insbesondere "Swoon" funkeln bedrohlich mit ihren "...Like clockwork"-Vibes, auch stimmlich nähert sich Hall immer weiter Josh Homme an – angenommen, dieser sei mitten in der Wüste einmal zu oft dem leibhaftigen Satan begegnet. Tigercub liefern keine schmissigen Pop-Songs mehr, wie sie sie auf "As blue as indigo" noch so geschickt im Krach versteckt haben, sondern suchen die Herausforderung, und das gern auf indirektem Wege. Umso überraschender ist es da, wenn "We're a long time gone" plötzlich wie eine verschollen geglaubte, folkige Elliott-Smith-B-Seite klingt – aber für lebensbejahenden Optimismus war der schließlich auch nie bekannt. Komplett im Goth-Rock angekommen ist "You're my dopamine", das die Abhängigkeit von der angesprochenen Person allerdings auch eher betrauert als feiert. Tigercub machen keine gute Miene zum bösen Spiel, sondern suhlen sich in Elend und Tristesse.

Trotz dieses Bekenntnisses zur ewigen Düsternis, welche schon immer in der Band-DNA angelegt war und der sie nun vollends nachgegeben haben, legen die Musiker Wert auf Abwechslungsreichtum. Ihrem Dark-Rock-QOTSA-Hybriden, der sich nie zu sehr auf die brachiale Gitarrenkeule verlässt, mischen sie immer wieder kleinere Schnörkel und verliebte Details bei. "Help me I'm dreaming" beschließt das Album gar mit einem Schlaflied, dessen Melodie auch ein nachtaktiver Billy Corgan säuseln würde und das Tigercub mit knallenden Drums vor allzu viel Lethargie bewahren. Hilft aber alles nichts, denn die Sonne geht in Brighton nie wieder auf: "The perfume of decay" ist eine konsequente Weiterentwicklung und gelungene Feinjustierung, die man den Musikern trotz einer gewissen Theatralik abkauft. Dass man sich dabei neuerdings auch ein bisschen vor ihnen gruseln kann, macht die Sache nur noch runder.

(Ralf Hoff)

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Highlights

  • Swoon
  • You're my dopamine
  • We're a long time gone

Tracklist

  1. Dirge
  2. The perfume of decay
  3. Show me my maker
  4. Play my favourite song
  5. Swoon
  6. The dark below
  7. You're my dopamine
  8. We're a long time gone
  9. It hurts when you're around
  10. Until I forget
  11. Shadowgraph
  12. Help me I'm dreaming

Gesamtspielzeit: 39:41 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

pounzer

Postings: 341

Registriert seit 24.08.2019

2023-06-08 11:21:08 Uhr
Stimmt! Das Spotlights-Album war bisher an mir vorbei gegangen. Danke dafür!

The MACHINA of God

User und Moderator

Postings: 32552

Registriert seit 07.06.2013

2023-06-08 09:41:21 Uhr
Passt gut mit Spotlights zusammen irgendwie.

pounzer

Postings: 341

Registriert seit 24.08.2019

2023-06-06 00:03:27 Uhr
Läuft hier gerade und ist schon ziemlich geil. Gemessen an den fehlenden Kommentaren hier verdient die Platte deutlich mehr Aufmerksamkeit.

pounzer

Postings: 341

Registriert seit 24.08.2019

2023-05-25 01:59:41 Uhr
Die Vorab-Singles haben mir alle sehr gut gefallen. Bin gespannt aufs Album.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 26961

Registriert seit 08.01.2012

2023-05-24 21:05:08 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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