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Simply Red - Time

Simply Red- Time

Rhino / Warner
VÖ: 26.05.2023

Unsere Bewertung: 2/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Ja, ja, Onkel

Konfirmation, silberne Hochzeit, Omas 80. Geburtstag: Immer gibt es da diesen einen Onkel, der viel zu laut und ungefragt versucht, die Heldentaten der Vergangenheit in die eigene Gegenwart zu transferieren. Dabei hat der Bluthochdruck längst große Teile der körperlichen Agilität genommen, und das Urteilsvermögen hat im Alter im Gegensatz zum Bauchumfang auch nicht gerade zugenommen. Man selbst nickt bestenfalls stumm, denkt sich seinen Teil und sieht zu, an der festlichen Tafel möglichst einen Platz in größerer Distanz zum besagten Onkel zu finden.

Mick Hucknall, inzwischen fast 63-jähriger Kopf von Simply Red und ehemaliger Star der späten 80er und 90er, dem selbst eine damalige Affäre mit Steffi Graf nachgesagt wird, ist eigentlich schon 2010 mit großer Abschiedstournee zurückgetreten. Inzwischen hat er sein privates Glück gefunden, ist später Familienvater geworden, und sein Comeback zählt nun schon das dritte Album. Laut Album-Promo ist er für "Time" tief in sich gegangen: "Was treibt mich an? Und mir wurde klar: Du bist ein Songwriter. Warum schreibst Du also nicht ein paar Songs darüber, wer Du bist? Das ist tatsächlich die Essenz dieses Albums."

Beim Einstieg in das Album mit "Better with you" wird in der zweiten Zeile bereits klar, dass sich der Sänger nicht mehr voll auf seine eigentlich so charismatische Stimme verlassen kann. Die dahinsäuselnde Pop-Nummer wird mit allerlei Stimmeffekten irgendwie ins Ziel geschaukelt, getragen von einer soliden Band im Rücken. Gleichzeitig gibt der Track auch textlich den Rahmen für das gesamte Album vor: Plattitüden folgen in derart bemerkenswerter Anhäufung, dass selbst Chris de Burgh vor Scham erröten würde und man dankbar sein muss, kein Muttersprachler zu sein, da einem so das Ignorieren der Lyrics leichter fällt. Das eigentlich mit einer ansprechenden Baseline aufwartende "Just like you" wird aus diesem Grund leider auch unhörbar. Beim folgenden "Let your hair down" schimmert zumindest mal die alte Easyness etwas durch die fragwürdigen Zeilen, "Shades 22" feiert seine Sonnenbrille an einem Regentag, "It wouldn't be me" seine Durchhaltekraft in Beziehungsdingen. Auffällig ist zudem an vielen Stellen die Drucklosigkeit in Hucknalls Stimme. Die Präsenz, die ihn in den vergangenen Jahrzehnten in seinen besseren Songs stets getragen hatte, ist offenbar dahin.

Wer es bis hinter "Butterflies" schafft, dem Höhepunkt der textlichen Belanglosigkeit ("What about the butterflies / What about the clear blue skies / What about the air we breathe / What about you and me"), wird dann tatsächlich doch noch überrascht: In "Earth in a lonely space" kommt Hucknall auf einmal im Refrain fast wie die Beatles aus der "Sgt. Pepper's"-Phase daher. Da hat der Onkel doch tatsächlich zum Abschied noch ein kleines Überraschungsei für die Kinder aus der Tasche gezaubert und die Aussicht auf die nächste gemeinsame Familienfeier damit nicht ganz so trübe werden lassen.

(Malte Schierenberg)

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Highlights

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Tracklist

  1. Better with you
  2. Just like you
  3. Let your hair down
  4. Shades 22
  5. It Wouldn’t be me
  6. Never be gone
  7. Too long at the fair
  8. Slapbang
  9. Hey mister
  10. Just like you (pt. 2)
  11. Butterflies
  12. Earth in a lonely space

Gesamtspielzeit: 39:06 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Autotomate

Postings: 6174

Registriert seit 25.10.2014

2023-05-27 22:18:22 Uhr
Ich finde es witzig, jemanden auf persönlicher Ebene dafür anzugreifen, dass er andere auf persönlicher Ebene angegriffen hat. Da schwingt so eine feine innere Logik mit...

cherrypicker

Postings: 61

Registriert seit 28.02.2022

2023-05-26 08:17:58 Uhr
furchtbarer Interpret, noch fürchterlichere Besprechung.

Muß es auf der persönlichen Ebene ablaufen? Muß Altersdiskriminierung unbedingt ins Spiel kommen? Bezeichnungen wie "weißer alter Mann" oder wie nun immer öfters "onkelhaft" oder "onkelig" finde ich unverschämt. (mein Onkel ist zum Beispiel sehr cool und ich freue mich, wenn ich den sehe)

Dem Verfasser dieser Zeilen möchte man zurufen "junger weißer unverschämter Rotzlöffel". Vielelicht hat da fürher ein Onkel oder ein Papa gefehlt, der mal Grenzen absteckte

Grizzly Adams

Postings: 4643

Registriert seit 22.08.2019

2023-05-25 19:59:46 Uhr
Hucknalls allererster Sing „Money‘s too tight (too mention)“ war ne ist das Maß aller Dinge. Immer noch groß und gerne gehört.

kingbritt

Postings: 5168

Registriert seit 31.08.2016

2023-05-25 19:55:09 Uhr
"Simply Red melden sich mit neuem Album Time eindrucksvoll zurück"

Das wird nichts mehr. Und, auch kein Schade dabei.

Gesmashter Pumpkin

Postings: 120

Registriert seit 24.05.2023

2023-05-24 23:09:53 Uhr
I don't know whyyyy, dudeldudeldum...

blabla...


Juuuust like youuuuuoh...

Ich hätte nie gedacht, dass Thomas Gottschalk wirklich so schlecht singt.

Gruselig.

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