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Arlo Parks - My soft machine

Arlo Parks- My soft machine

Transgressive / PIAS / Rough Trade
VÖ: 26.05.2023

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

All you need is

"I just wish I was seven and blameless." Arlo Parks besang die mitunter schmerzvollen Erfahrungen des Erwachsenwerdens bereits auf ihrem Debüt "Collapsed in sunbeams" und kann auch im Intro zu dessen Nachfolger nicht davon ablassen. Ihre "mid twenties anxiety" beschreibt die junge Britin im Presse-Text als einen der Haupteinflüsse der Platte, ebenso wie ihren Umgang mit Posttraumatischen Belastungsstörungen und Sucht im Freundeskreis. Doch auch die positiven Erlebnisse der letzten Jahre speisen sich in deren Treibstoff ein – ihre glückliche Beziehung zu US-Rapperin Ashnikko etwa oder die überwältigende Resonanz besagten Erstlingswerks, die Parks hochkarätige Award-Nominierungen und Support-Slots für Billie Eilish und Harry Styles bescherte. Weil sie zwischen all dem Trubel offenbar noch genug Zeit für die neuesten Indie-Filme hatte, entlehnt "My soft machine" seinen Titel einem Zitat aus Joana Hoggs grandiosem "The souvenir": das perfekte Etikett für Parks' typischen Introspektions-Pop, der sich trotz textlicher Schärfe immer seine Fluffigkeit bewahrt.

Das passt auch zur Message eines Albums, das an guten wie an schlechten Tagen die Selbstakzeptanz über alles andere stellt. "I radiate like a star", lautet das Motto von "Impurities" – umschlossen von diesem vertrauten Kokon aus sonnigem TripHop, sanften Gitarren und ASMR-Stimme, muss niemand seine oder ihre Narben verstecken. Parks' Lyrics heben sie weiterhin aus der Masse ähnlich gelagerter Songwriterinnen heraus, balancieren kunstvoll zwischen Universalität und Spezifikation, zwischen Poesie und intimen Alltagsszenen. Die Londonerin kann sich in Verweisen auf Deftones und Juliette Binoche ergehen, nur um in "Blades" zu chilligem Synth-Funk einen ganz simplen Wunsch einzubrennen: "I only want to be with you." Die tolle erste Single "Weightless" findet für ihr Porträt einer unausgeglichenen Beziehung besonders eindrückliche Bilder: "There is blue glass in the soft rain / You are passive, I am in pain / But I sparkle in the rare case that you tell me I'm your sunray."

Auch "Purple phase", das emotionale Zentrum der Platte, formuliert ein Testament der Aufopferung. "Saturday was rotten to the core / Whispering to Jodie on the floor / … / Try to flush her pills and get support", heißt es zu dringlich vibrierenden Saiten, ehe es aus der Erzählerin ausbricht: "Oh Jodie, won't you tell me what you're holding on for? / I would find it all, then I'd give it to you." Es erwärmt einem das Herz, wenn Parks in "Pegasus", einem Duett mit der feature-freudigen Phoebe Bridgers, von all ihrer verschenkten Fürsorge etwas zurückbekommt: "Blue jewels round your neck / You cool my distress." Vielleicht hatten die Beatles mit ihrer Einordnung der Liebe auf der menschlichen Bedürfnispyramide doch recht – zumindest wirkt es so, wenn das verhalten-euphorische "Dog rose" unter einem hagebuttenfarbenen Himmel seine Gefühle ausschüttet: "You got me feeling hyper real / And I want to belong to you."

Die vielen Worte über Worte sollen nicht bedeuten, dass "My soft machine" auf musikalischer Ebene nichts zu bieten hat. Zwar sind die von Parks selbst genannten My-Bloody-Valentine-Einflüsse nicht auszumachen, doch lässt "Devotion" wenigstens einmal die Gitarren unerwartet laut krachen. Das gar nicht mal so niedliche "Puppy" kühlt die Atmosphäre mit einem futuristischen Glitch-Beat herunter, während "Room (Red wings)" von Bläsern unterstützt zum großen Soul-Schwung ausholt. Auf hohem Niveau ließe sich dem Album schlimmstenfalls vorwerfen, unterm Strich weniger zwingende Melodien als sein Vorgänger aufzufahren, doch welches junge Erwachsenenleben verläuft schon makellos? Rückschläge, Verwirrung und Leid zeichnen jedes innere Wachstum. Mit Arlo Parks als Schutzpatronin wird der ganze Prozess zumindest ein bisschen einfacher.

(Marvin Tyczkowski)

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Highlights

  • Devotion
  • Purple phase
  • Weightless

Tracklist

  1. Bruiseless
  2. Impurities
  3. Devotion
  4. Blades
  5. Purple phase
  6. Weightless
  7. Pegasus (feat. Phoebe Bridgers)
  8. Dog rose
  9. Puppy
  10. I'm sorry
  11. Room (Red wings)
  12. Ghost

Gesamtspielzeit: 40:54 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Unangemeldeter

Postings: 1327

Registriert seit 15.06.2014

2023-05-31 16:56:36 Uhr
Erster Eindruck bei mir auch sehr positiv. Das erste Album hat sich bei mir erstaunlich gut gehalten, vor allem auch (und das meine ich gar nicht negativ) zum nebenbei Hören. Da trifft sie bei mir irgendwie einen Soft Spot, meist nervt mich Musik wenn sie im Hintergrund dudelt. Aber Arlo, an Abenden mit Freunden, zum Kochen, beim Lesen in der S-Bahn, geht irgendwie immer.

Saschek

Postings: 467

Registriert seit 23.07.2018

2023-05-26 14:05:51 Uhr
Gefällt beim ersten Hören sofort. Mal sehen, ob es sich im Ohr halten kann.

musie

Postings: 3817

Registriert seit 14.06.2013

2023-05-25 13:55:17 Uhr
Also die My Bloody Valentine Einflüsse springen mir jetzt auch nicht direkt ins Ohr, aber etwas hat sich schon geändert im Sound. Plötzlich gefallen mir ihre Songs. Vielleicht hat sie die MBV-Einflüsse einfach sehr gut versteckt...

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 26612

Registriert seit 08.01.2012

2023-05-24 21:03:59 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 26612

Registriert seit 08.01.2012

2023-05-11 18:37:44 Uhr - Newsbeitrag
Arlo Parks - Pegasus (ft. Phoebe Bridgers)
Arlo Parks hat mit "Pegasus" eine neue Single aus ihrem kommenden, zweiten Album "My Soft Machine" veröffentlicht, das am 26. Mai auf Transgressive erscheinen wird.

"Pegasus", das gemeinsam mit ihrer guten Freundin Phoebe Bridgers aufgenommen wurde, ist eine zarte und wunderschöne Ballade, in der es darum geht, was die Leichtigkeit und Wärme in der Liebe mit uns machen - vor allem in der Anfangszeit. “It also explores how the absence of chaos and the presence of real connection can be a little bit terrifying after a long time of not having it”, erklärt Arlo.

Die Single wird zusammen mit einem Video veröffentlicht, bei dem Bedroom von Compulsory Film Regie geführt hat, der kürzlich auch das Video zu "Blades" und zuvor "Too Good" von ihrem Debütalbum "Collapsed In Sunbeams" gedreht hat. Mysteriöse Wüstenlandschaften, der Staub und das Gefühl der Abwesenheit haben dabei schon immer einen besonderen Platz in Arlos Herzen gehabt. „Films like Gerry, My Own Private Idaho and Paris, Texas all use the desert as its own character representing isolation, nostalgia and the journey to a place outside of yourself”, ergänzt die zweifach für den Grammy nominierte, mit dem Mercury Prize und dem BRIT Award ausgezeichnete Künstlerin. “Bedroom did an incredible job of meshing surreal dreamscapes with real intimacy to make one of my favourite music videos I’ve ever made.” Der Track folgt auf die bisher ausgekoppelten Singles "Weightless", "Impurities" und "Blades".



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