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Blood Ceremony - The old ways remain

Blood Ceremony- The old ways remain

Rise Above / Soulfood
VÖ: 05.05.2023

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Altlust

Wenn eine Band in der heutigen Zeit erfolgreich bleiben will, muss sie im Gespräch bleiben. Irgendwie. Also müssen Platten auf den Markt, mittlerweile gerne mit fünf Vorabsingles, um noch schnell den ein oder anderen Streaming-Euro mitzunehmen. Social-Media-Kanäle wollen gefüttert bleiben, hinzu kommen exzessive Touren – denn wie sagte schon Maik Weichert, Gitarrist der deutschen Metalcore-Institution Heaven Shall Burn, voller Sarkasmus und ein bisschen desillusioniert: "Im Grunde sind wir reisende T-Shirt-Verkäufer, die nebenher noch etwas Musik machen." Blood Ceremony machen von all dem – nichts. Ganze sieben Jahre ist es her, dass die Kanadier mit "Lord of misrule" ein wahres Feuerwerk an zukünftigen Okkult-Rock-Klassikern unters Volk brachten. So weit, so großartig. Doch als die Aufnahmen zu einem neuen Album beginnen sollten, hatte ein gewisses Virus andere Pläne. Blöd für eine Band, die auf die gegenseitige kreative Chemie im Studio angewiesen ist. Langer Rede kurzer Sinn: Statt wie gewohnt in London fanden die Aufnahmen für "The old ways remain" bereits 2021 in einem kleinen Studio daheim statt, und weil es dann auf weitere Wartezeiten auch nicht mehr ankam, stellte sich das Quartett in den ellenlangen Schlangen an den Presswerken brav hinten an, während die ähnlich gelagerten Avatarium in der Zwischenzeit mit gleich zwei gefeierten Alben in Vorlage gingen. Doch schon beim Opener "The hellfire club" ist glücklicherweise die alte Magie wieder da – dass böse Zungen die Band als eine Art Liebeshochzeit zwischen Black Sabbath und Jethro Tull feiern, trifft genau hier wunderbar zu, wenn düstere Doom-Riffs auf die unvermeidliche Querflöte treffen.

Doch schon "Ipsissimus" und "Eugenie" wischen dieses Klischee beiseite, indem sie den Eklektizismus der Band auf mehrere Säulen stellen. Vor allem "Eugenie" begeistert dadurch, dass die anfängliche Jethro-Tull-Stimmung einem tiefenentspannten Groove weicht, bis ein Hammond-Solo mit anschließendem Saxofon-Part kurz Richtung Canterbury blickt. Very British? Yes indeed. Doch es ist die deutlich vergrößerte Bandbreite, die richtig Spaß macht. Da ist "The bonfires at Belloc Coombe" mit tatsächlich dezentem Led-Zeppelin-Touch, dort das ruppige "Widdershins". "Mossy wood" hingegen mag so gar nicht in den Flow des Albums passen, wirkt zumindest in nüchternem Zustand mitunter gar übertrieben hippiesk, bleibt aber verzeihlich, weil auch hier die Experimentierfreude wichtiger ist.

Man hätte es im Grunde ahnen können. Denn "Lolly willows" wurde bereits 2019 als Single veröffentlicht, spielte zwar noch recht intensiv mit dem Klischee der genannten Vorbilder, doch schon dort nahmen die Kanadier eine etwas exaltiertere Rolle ein, spielten gar mit jazzigen Einflüssen. Natürlich bleiben Blood Ceremony ihren Wurzeln in Retro-Rock und Proto-Doom treu. Die Öffnung für zusätzliche Einflüsse – auch wenn sie an ein, zwei kleineren Stellen etwas übers Ziel hinausschießen mag – ist da kein Widerspruch, sondern zeigt umso deutlicher, dass der Vierer aus Toronto genau in diese Nische hineingehört und jegliche Konkurrenz locker beiseitewischen kann. Es gibt selten Albumtitel, die dermaßen programmatisch sind wie "The old ways remain". Wir bitten drum.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Eugenie
  • The bonfires at Belloc Coombe

Tracklist

  1. The hellfire club
  2. Ipsissimus
  3. Eugenie
  4. Lolly willows
  5. Powers of darkness
  6. The bonfires at Belloc Coombe
  7. Widdershins
  8. Hecate
  9. Mossy wood
  10. Song of the morrow

Gesamtspielzeit: 44:37 min.

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User Beitrag

Mann 50 Wampe

Postings: 3547

Registriert seit 28.08.2019

2023-05-25 06:35:37 Uhr
Gute Band, da muss ich mir die neue Platte auch mal geben.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 26928

Registriert seit 08.01.2012

2023-05-24 21:03:06 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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