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Cash Savage And The Last Drinks - So this is love

Cash Savage And The Last Drinks- So this is love

Glitterhouse / Indigo
VÖ: 28.04.2023

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Musikalische Krisenbewältigung

Stand die queere Sängerin Cash Savage aus Melbourne auf ihrem Debüt "Wolf" noch mit beiden Beinen im Country, entwickelte sie über die Zeit und vier Alben ein immer breiteres Profil, was auch an ihrem stetig wachsenden Kollektiv The Last Drinks liegt. Staubiger Alternative-Rock und Gothic Country Marke David Eugene Edwards (Sixteen Horsepower, Wovenhand) hielten ebenso Einzug wie Ausflüge in den Post-Punk, Chöre wie etwa auf dem fantastischen "The hypnotizer" und natürlich Verweise auf Nick Cave, in dessen Band ihr Onkel Convay Savage so einige Spuren hinterließ. Thematisch: Liebe und Tod in Zeiten der großen und kleinen Depression. "So this is love" führt diesen Weg konsequent fort – Savage wechselt Stimmungen, Genres, Instrumentierungen in jedem Song. Der rote Faden, der alles zusammenhält, ist dennoch erkennbar – und sei es eine einzelne Gitarrenlinie.

"So this is love" – Titel, Opener, Ausrufezeichen! Er schleicht sich zunächst leicht vernuschelt und in den Lyrics versteckt ein, ruft nach Minuten des Aufbaus aber immer lauter. Was für ein Einstand! Parallel dazu dreht sich die Violine in die Höhe und steigen The Last Drinks in den Refrain ein, Savage geht komplett in die Vollen und springt stimmlich aus sich heraus. Toll, spektakulär, vom Gefühl her ziemlich lebensbejahend. Eine Stimmung, die "Hold on" erst einmal wieder einreißt: mehr Spoken Word als wirklich Singsang, dazu das Verharren in Midtempo eines Alternative-Country-Songs.

Das erwähnte Spiel mit den Genres zeigt sich bei "Push" in voller Blüte: zunächst ein nervöses Tänzeln auf einer wiederkehrenden Akkordfolge, dazu Savage, die ab Mitte des Songs immer mehr in ein Stakkatogeschrei übergeht, während sich hinter ihr eine düstere Post-Punk-Soundwand auftürmt. Dafür gibt es danach eine siebenminütige "Everyday is the same"-Hommage auf die Ohren, die so zäh und schleppend voranschreitet, dass in dieser Zeit gefühlt einiges in halber Geschwindigkeit abläuft. Wieder gut macht dies das slackerhaft abgefuckte "$600 short on the rent", einen passenden Gegenpart dazu liefert später “Keep working at your job“ als schräger Abgesang auf die Mühlen des Kapitalismus.

Was mit einer unglaublich guten, ohrwurmtauglichen Hymne begann, endet auch mit einer: "Shake from the heart" fängt noch einmal einen wahnsinnigen Melodiebogen ein, steckt noch einmal so viel Kraft in einen Song, dass es einmal mehr darüber hinwegtäuscht, dass Savage in diesen 47 Minuten vor allem den Kampf mit den inneren und äußeren Dämonen führt. "So this is love" hat an vielen Stellen eine andere Anmutung als die Eindrücklichkeit, mit der diese Songs geschrieben wurden. Nicht nur ein Album für Cash Savage selbst oder eine kleine Gruppe Menschen, die sich ebenfalls in einer misslichen Lage befinden, sondern eine Platte, die deutlich weiter reicht - und über so einige Grenzen hinaus.

(Klaus Porst)

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Highlights

  • So this is love
  • I want to be everyone
  • Shake from the heart

Tracklist

  1. So this is love
  2. Hold on
  3. Push
  4. Everyday is the same
  5. $600 short on the rent
  6. I want to be everyone
  7. Keep working at your job
  8. Seahorse (I'll be your rainy day)
  9. Shake from the heart

Gesamtspielzeit: 47:19 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Grizzly Adams

Postings: 4793

Registriert seit 22.08.2019

2023-07-26 17:48:57 Uhr
Eines der Alben, das an vielen alternativen Ohren bisher vorbeigegangen ist, wennschon mir den Traffic so anschaue. Hab es auch erst vor ein paar Tagen wahrgenommen. Hab mich aber stante pede in den Opener und Titeltrack verliebt. Ganz starker Song, der alle Zutaten für eine Hymne aus dem Bereich Alternativ/Indie-Rock in sich trägt. Dazu die balladigen Stücke wie Tom Green schreibt. Sehr einnehmend. Was ich tatsächlich erst beim Googeln der Band begriffen habe: da singt eine Frau. Das habe ich beim ersten Eindruck nicht gehört. Die Stimmlage passt auch zum anderen Geschlecht. Dazu der Name Cash. Eher neutral.
Egal, ein sehr schönes Album. Trifft meinen Nerv und gibt eine vortreffliche Bewerbung auf meiner Liste der Alben des Jahres ab. 8/10

Tom Green

Postings: 16

Registriert seit 25.08.2019

2023-05-18 08:17:29 Uhr
Für mich such eines der stärksten Alben des Jahres. Die elegischen Balladen sind so großartig: "Everyday is the same", "I want to be everyone", "Seahorse". Man merkt, dass sich die Sängerin im Umfeld der Bad Seeds bewegt, aber klingt doch sehr eigen. Einziger Schwachpunkt: Mit den rockigeren Stücken wie "Push" kann ich wenig anfangen, klingt dann wie Grinderman - und die fand ich immer eher nervig. Trotzdem: mindestens 8/10. Einzelwertung folgt....

Perfect Day

Postings: 660

Registriert seit 18.01.2014

2023-05-17 22:56:25 Uhr
Für mich ein ganz starkes Album mit einem tollen Opener. Es entwickelt sich auf die Dauer der Spielzeit ein Sog, dem ich mich schwer entziehen kann. Wäre definitiv bei einer höheren Wertung!

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 26621

Registriert seit 08.01.2012

2023-05-17 21:18:24 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

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