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Wolfgang Müller - Fast wie neu

Wolfgang Müller- Fast wie neu

Fressmann / Indigo
VÖ: 05.05.2023

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Der Fast-Junge mit der Gitarre

Wer den künstlerischen Werdegang von Wolfgang Müller verfolgt hat, der weiß: Wenn dieser Musiker eine Idee hat, dann entsteht daraus stets Gutes. Mit großer Verlässlichkeit legt er seit 2009 alle drei Jahre ein Studioalbum vor, geht regelmäßig auf Tour und heimst nahezu durchweg wohlwollende bis begeisterte Rückmeldungen ein. Sein treues Publikum und die Anerkennung seitens der Musikpresse können unter dem Strich aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Müller zu den nach wie vor eher unbekannten Leuchttürmen deutschsprachiger Klänge zählt. Das mag man bedauern – man kann sich selbst aber auch einfach glücklich schätzen, ihn nicht überhört zu haben. Müller hatte also wieder einmal eine Idee, und herausgekommen ist in diesem Fall etwas sehr Gutes.

Zwölf Akustikstücke umfasst das Album "Fast wie neu". Der Titel deutet es an: Unbekannt sind die Songs zum größten Teil nicht. Gleich zum Auftakt allerdings präsentiert der Musiker tatsächlich eine Neuschöpfung. Das feine "Dunkelhäuser" präsentiert Müller in gewohnter Qualität und kommt herrlich unperfekt daher, wenn er sich durch die Zeilen singt und ab und an ein kleines Stück neben den handelsüblichen Reimschemen liegt. "Ich liebe die Menschen, aber ich hasse die Leute", heißt es dort am Ende. Dass Müller mit einigen Zeitgenossen nachhaltig über Kreuz liegt, daraus macht er auch abseits seiner musikalischen Veröffentlichungen keinen Hehl.

"Fast wie neu" ist Müller pur. Der 1976 geborene Wahl-Hamburger begleitet sich auf der Gitarre, sonstigen instrumentalen Beistand sucht man vergeblich. Und eben hier liegt der besondere Charme der zwölf Stücke, denn sie eröffnen einen unmittelbaren Blick auf den Kern seines Schaffens: die hohe Songwriter-Kunst, die all seinen Werken zugrunde liegt. Und wenn er im 2015er Stück "Später gern" vom Album "Auf die Welt" die Zeile "Dieses Jahr wird's leider nichts" singt, dann erweist sich das im Rückblick als nahezu prophetisch. Denn es wurde ja tatsächlich nichts, als Müller mit seinem letzten famosen Streich "Die Nacht ist vorbei" auf Tour gehen wollte. Dabei waren per Crowdfunding bereits Gelder eingeworben. Dann: Absage, Frust, Zweifel. Da fast niemand das Geld zurückverlangte, hatte Müller – mal wieder – eine Idee: ein Akustikalbum als Geschenk für die großzügigen Unterstützer.

Nun erweist es sich als Glücksfall, dass er das Ergebnis seiner Arbeit auch einer breiteren Öffentlichkeit präsentiert. Denn die zwölf Songs sind viel mehr als nur ein Wolfgang Müller ohne Band. Die etwas mehr als 30 Minuten zeigen einen Musiker, der hörbar Freude an seinem Schaffen verspürt. Kein einziges Stück lässt die ansonsten opulentere Begleitung vermissen, wenngleich die Vorfreude auf Livetermine in voller Besetzung natürlich nicht abnimmt. Mit "Fast wie neu" hat es sich Wolfgang Müller übrigens nicht leicht gemacht. Ursprünglich wollte er das alles in drei Tagen einspielen. Sänger, Mikro, Gitarre: Was sollte da schon schiefgehen? Es wurden vier Wochen. Denn bei aller Leichtigkeit steckt bei ihm immer auch sehr viel Arbeit und Liebe zum Detail darin.

(Torben Rosenbohm)

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Highlights

  • In meinen Träumen
  • Hinter den Häusern
  • See mitten im Wald

Tracklist

  1. Dunkelhäuser
  2. Herzen
  3. Der blonde Hans
  4. Zu rosa
  5. Ein Hauch von Frühling
  6. Später gern
  7. In meinen Träumen
  8. Havarieren
  9. Hinter den Häusern
  10. See mitten im Wald
  11. Wolken
  12. Brachland

Gesamtspielzeit: 35:20 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Der Wanderjunge Fridolin

Postings: 4355

Registriert seit 15.06.2013

2023-05-12 19:22:01 Uhr
Sehe ich auch so. Dufte Typ irgendwie. Wobei ich lange mit mir zu kämpfen hatte, ob ich das wirklich gut finden soll. Ist natürlich komplett idiotisch, der Gedanke, aber auf den ersten Lausch bewegte sich mir das zu nahe am deutschen Kalenderspruchpop. Wie gesagt, dieser Eindruck war ganz und gar ungerechtigkeit. Manchmal muss man halt eben etwas aufmerksamer und genauer hinhören, um ein Ding erfassen zu können. Im Endeffekt hat es meine Vorliebe für deutsche Texte gerichtet.

Grizzly Adams

Postings: 4633

Registriert seit 22.08.2019

2023-05-12 17:10:14 Uhr
Man verzeihe mir das Wortspiel, aber es müllert mal wieder. Kommt für mich überraschend, denn eine Vorankündigung hab ich nicht mitbekommen. Heißt aber nix, denn der Liedermacher mit dem Allerweltsnamen läuft ja doch immer noch unter dem Radar der Aufmerksamkeit und verfügt über keine Marketingmaschine. Dafür aber wunderbares Songmaterial. Und macht 11x alles fast wie neu und 1x ganz neu. Macht in Summe natürlich 12 Richtige.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 26373

Registriert seit 08.01.2012

2023-05-10 21:23:20 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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