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Coheed And Cambria - In keeping secrets of silent Earth: 3

Coheed And Cambria- In keeping secrets of silent Earth: 3

Equal Vision / Sony
VÖ: 28.06.2004

Unsere Bewertung: 9/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Tausendundeine Nacht

Der Mond taucht in den Wolken unter und schenkt uns noch weniger von seinem fahlen Licht. Dunkelheit macht sich breit, greift um sich und nimmt alles gefangen, was sie kriegen kann. Gemüter verdunkeln sich. Der Wind kitzelt im Nacken. Wenn es der Wind ist. "I will come reformed / In short for the murders of those I court I bless the hour that holds your fall / Sincerely, I will kill you all", ruft der Mörder aus der Ferne. Nur ein Traum? "In our sleep, there's more to this night."

Da ist tatsächlich mehr, viel mehr, in dieser Nacht. Traurig, aber wahr: Woche für Woche, Monat für Monat wird so unglaublich viel Schrott veröffentlicht, den keiner hören will und der unzählig oft gehörtes ein unzähligunderstes Mal wiederkäut. Brillante Platten wie "In keeping secrets of silent Earth: 3" indes verkümmern viel zu oft im Schattendasein. Es darf spekuliert werden: Wenn "The Mars Volta" drauf- und eine große Plattenfirma dahinterstehen würde, wäre das Zweitwerk von Coheed And Cambria vielerorts zum "Album des Jahres 2003" erklärt worden.

Die Tatsachen sehen anders aus: In den Staaten wurde das Album im Oktober 2003 veröffentlicht, hochgelobt und auch erstaunlich zahlreich über die Ladentische gereicht. Und hierzulande? Immer wieder war von diesem oder jenem Lizenzdeal die Rede, von einem Vertrieb über Entertainmentgigant Warner, von einer gemeinsamen Tour mit Thrice. Wunschdenken. In den Genuß von "In keeping secrets of silent Earth: 3" kamen bislang lediglich jene, die sich auch über den Tellerrand der Republikgrenze über Musik informieren und wahlweise auf den teuren Import bei Amazon.de oder auf einen der gutsortierten Mailorder wie Flight 13 und Green Hell zurückgegriffen haben. Traurig, aber wahr.

Wie also klingt es nun, dieses unter Verschluß gehaltene "In keeping secrets of silent Earth: 3"? Mit einem Wort: unbeschreiblich. Selbst der nächstliegende Vergleich mit The Mars Volta kommt ins Schleudern, auch wenn die Herangehensweise eine ähnliche ist. "In keeping secrets of silent Earth: 3" vereint die versponnensten Einflüsse aus Emo-Core, Prog-Metal, Classic-Rock und völliger Losgelöstheit. "Arena Emo" nennt dies der altehrwürdige Dylan-Fanclub vom Rolling Stone. Und könnte nicht falscher liegen.

Claudio Sanchez hat sein Innerstes aufgesprengt und läßt es raus: Liebe, Haß, die absonderlichsten Gedanken und alles, was dazwischen liegt. Als Medium dient ihm eine gewöhnungsbedüftig hohe Stimme, die klingt, als ob ein Dämon mit einer Elfe gemeinsame Sache macht. Ein Spiel der Extreme, ganz ohne Gewinner. Der Kampf allerdings könnte nicht spannender sein: Der achtminütige Titelsong wirkt schauriger, als eine einsame Nacht auf dem Friedhof, der Anti-Pop-Song "A favor house Atlantic" schlichtweg überwältigend, und das dreigeteilte "The camper velourium" steigert sich vom schmeichelnden, beinahe funkigen ersten Teil "Faint of hearts" über das erbarmungslose "Backend of forever" geradewegs in den Abgrund von "Al The Killer".

Als ob das noch nicht genug der Eindrücke wären, stellt das Konzeptalbum auch noch die dritte Folge einer vierteiligen Science-Fiction-Saga dar. Einem viel größeren Gesamtkunstwerk, dem "The second stage turbine blade" vorangegangen war und noch ein erster und ein vierter Teil folgen wird. Wer viel Zeit und noch mehr Phantasie aufbringt, ist eingeladen, in die in ferner Zukunft und/oder ferner Vergangenheit und/oder woauchimmer spielende Geschichte um die beiden Hauptcharaktere Coheed und Cambria einzutauchen und sich verwundern, verwirren, verstören zu lassen. Bei allen Uneingeweihten jedoch werden die Songs denselben Effekt erzielen, denselben Alptraum entfachen: Die Geister, die sie riefen.

(Armin Linder)

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Highlights

  • In keeping secrets of silent Earth: 3
  • Three evils (Embodied in love and shadow)
  • The camper velourium I: Faint of hearts
  • A favor house Atlantic

Tracklist

  1. The ring in return
  2. In keeping secrets of silent Earth: 3
  3. Cuts marked in the march of men
  4. Three evils (Embodied in love and shadow)
  5. The crowing
  6. Blood red summer
  7. The camper velourium I: Faint of hearts
  8. The camper velourium II: Backend of forever
  9. The camper velourium III: Al The Killer
  10. A favor house Atlantic
  11. The light & the glass

Gesamtspielzeit: 70:48 min.

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Demon Cleaner

Postings: 5648

Registriert seit 15.05.2013

29.06.2015 - 17:29 Uhr
Mir ist das Album gestern quasi entgegen gefallen und lustigerweise hab ich auch mal meine alten Postings hier angeschaut.

Finde das Album aber nicht mehr wirklich toll, ist schlecht gealtert. Mir zu Powersolo-mäßig, nerdig, kitschig...weiß auch nicht. Der Titeltrack ist immer noch ganz geil aber.

Alles, was nach diesem Album von ihnen kam fand ich aber schon damals ganz schlimm.

Kevin

Postings: 519

Registriert seit 14.05.2013

29.06.2015 - 20:11 Uhr
Für mich sehr gut gealtert. Stimme Dir aber zu, was die Nachfolger angeht.

Affengitarre

Postings: 1619

Registriert seit 23.07.2014

29.06.2015 - 21:03 Uhr
So schlimm ist das Album doch auch nicht. Es war für mich zwar noch nie ein Meisterwerk, aber als schlecht gealtert sehe ich das trotzdem nicht an. Außerdem sind "Velorium" 2+3 noch ziemlich geil. "The Afterman: Ascension" mag ich eigentlich auch.

Demon Cleaner

Postings: 5648

Registriert seit 15.05.2013

29.06.2015 - 21:42 Uhr
Ich finde die poppigen Stücke nicht mehr so gut. "Blood Red Summer", "Favor", "Three Evils". Stimmt die letzten beiden "Velorium"s und die letzten beiden Longtracks auf dem Album sind auf jeden Fall gut. Wäre für mich auch immer noch eine 7/10, ich fand es allerdings mal deutlich besser.

Ist "Aftermath" wieder was? Fand schon die "Good Apollo" als Nachfolger fürchterlich, ab "No World For Tomorrow" bin ich dann ausgestiegen.

Affengitarre

Postings: 1619

Registriert seit 23.07.2014

29.06.2015 - 21:45 Uhr
Die "Apollo" fand ich auch recht lahm. Also ich hatte und habe an "Ascension" viel Spaß, hör dir am besten Mal "Key Enity Extraction I" und "Mothers of Men" an, vielleicht ist das ja wieder was für dich.
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