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The Heavy - Amen

The Heavy- Amen

Bad Son / Rough Trade
VÖ: 21.04.2023

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Herrgott nochmal

Nein, beten müssen The Heavy nun wirklich nicht. Zumindest nicht um Erfolg. Zwar wird die relativ kleine Band aus Bath wohl kaum mehr Weltstar-Status erreichen, und die jüngsten Platten "Hurt & the merciless" und "Sons" schwächelten ein wenig. Omnipräsent bleiben Kelvin Swaby und Kollegen trotzdem – auch dank dem mannigfaltigen Einsatz ihrer Songs in verschiedensten Medien. Vor allem von "How you like me now?", das nicht nur auf einer Obama-Wahlparty, sondern auch in "Vampire diaries", "The expendables 3" sowie in "Ted" zu hören war, dem Film mit dem schweinigeligen Plüschbären. Apropos: Das ebenso unanständige "Girl" vom Debüt "Great vengeance and furious fire" drang bis nach Nashville durch, wo Sängerin Rayelle ihren hüpfenden Hit "All about it" um dessen Basslinie herumbaute – dass jene ursprünglich von Terry Reids "Superlungs my supergirl" stammt, sei mal vornehm verschwiegen. Anders als das sechste Album und gleichzeitig das erste auf eigenem Label, denn auf diesem stehen The Heavy voll im Saft.

Dafür müssen die inzwischen vier Briten auf "Amen" ihren Sound gar nicht nennenswert verändern, denn sonst bliebe an dieser Stelle schließlich gar kein Platz für Rückschauen und Querverweise. Aus dem punkig beleumundeten Keller dröhnt dreckiger Indie-Rock, zwischen das "Northern" und "Blue Eyed" vor dem Soul passt immer eine blecherne Bläser-Batterie, gottesfürchtige Gesangsgruppen nehmen errötend zur Kenntnis, dass man auch zu Gospel-Chören und Handclaps lasziv mit dem Hintern wackeln kann. Dazu röhrt und barmt Swaby so verschwitzt wie hingebungsvoll und lässt von Naturgewalten über psychische Grenzerfahrungen bis zu kumpeligen Gangster-Mythen keine Metapher fürs höchste aller Gefühle aus, während seine Band in den ersten beiden Stücken den Referenzrahmen absteckt. Beim groben Knarz-Opener "Hurricane coming" bröckelt der Sixties-Putz von der Wand, das feinsinnige, halbakustische "Ain't a love" zitiert unverhohlen "I heard it through the grapevine". Und Marvin Gaye singt bei den Sonics. Passt doch.

Und so setzt sich das Wechselspiel von Gepolter und Anschmiegsamkeit fort. Mit Swaby an vorderster Front, wenn er stimmgewaltig und exaltiert zwischen Seelenschmeichler und scheinbar bösem Mann mit großem Herzen changiert. Eine besonders souveräne Figur macht der Sänger als "Bad muthafucker", der mit dem "Messin' with my mind" seine Mühe hat – entweder vor einem dicken Upbeat-Arrangement inklusive schlürfendem Backgroundchor und unsanft kratzender Gitarre oder im dynamischen Beinahe-Pop-Format, das sich von einer dezenten Orgel überbacken lässt. Ob der Mann auch Spandex-Hosen trägt? Durchaus denkbar im lärmigen "Stone cold killer", wo The Darkness eine Ladung Discokugeln schlucken. Auch kleine Käsigkeiten wie das Streicher-Gehumpel "Feels like rain" oder die aufgekratzte Lobpreisung des Herrn in "I feel the love" schaden nicht – und was heißt hier überhaupt des Herrn? Swaby spricht dazu Wahres: "I wouldn't be here without a woman." Damit am Ende eines tollen Albums auch alle zufrieden sind. Es sei.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Hurricane coming
  • Bad muthafucker
  • Messin' with my mind
  • Stone cold killer

Tracklist

  1. Hurricane coming
  2. Ain't a love
  3. Bad muthafucker
  4. I feel the love
  5. Messin' with my mind
  6. Just like summer
  7. Stone cold killer
  8. Whole lot of me
  9. Feels like rain
  10. Without a woman

Gesamtspielzeit: 34:51 min.

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Armin

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2023-05-03 20:56:05 Uhr - Newsbeitrag
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