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Otay:onii - Dream hacker

Otay:onii- Dream hacker

Bié
VÖ: 22.02.2023

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Zwischen Welten

In zwei Welten leben – für Lane Shi Otayonii Realität. Einen Teil ihres Lebens verbringt sie in den USA, einen Teil in China. Einen Teil ihres musikalischen Lebens wiederum widmet sie der Noise-Lärm-Krach-Band Elizabeth Colour Wheel, wo sie mit entrückter Vocal-Performance überzeugt – siehe "Nocebo". Auf Solopfaden jedoch beschreitet sie unter dem Alias Otay:onii komplett andere Wege. Zugänglichkeit ist hier vielfach ebenfalls ein Fremdwort, allein das um ihre Stimme kreierte Soundgewand ist ein komplett anderes. Nach "Nag" von 2018 und "Ming Ming" von 2021 ist "Dream hacker" nun ihr drittes eigenes Werk.

Zum Einstieg gönnt sich Otayonii mit "You do / Rub" erst einmal entfernt an Nine Inch Nails erinnernde Piano-Akkorde, zu denen sie einige Zeilen beisteuert, ehe verzerrte Elektro-Drones das Schicksal dieses balladesken Anfangs wie ein Bienenschwarm besiegeln. "Wenn Realitäten mit Träumen kollidieren" ist das Motto hinter "Dream hacker", und so prallen hier einige Gegensätze aufeinander – teils mit harten Brüchen, teils fließend. Das elegische "Light burst" etwa, ein kurzes Zwischenstück mit fast rituellem Charakter, wird von "W.C." fortgespült – und zwar wortwörtlich. Manchmal ist es eben gut, Texte nicht zu verstehen, etwa wenn auf Chinesisch zu einem rumpelnden, pluckernden Abfluss-Beat über – nun ja – eine Toilette gesungen wird.

Das ebenso schräge "Two rocks a bird" bringt ein The-Knife-Gefühl mit sich, ehe mit "Overlap" einer der beiden herausragenden Tracks von "Dream hacker" folgt. Nach einem zunächst irreführenden perkussiven Intro gewinnt der Track schnell eine Eleganz, die so nicht zu erahnen war. Portishead treffen Goldfrapp – was Otayonii hier mit warmer Stimme und fantastischer Melodie vollbringt, entschuldigt auch vorherige Ausflüge zum Abort. Wie gesanglich variabel die Chinesin agieren kann, zeigt "Ritualware", wo sie erst zu Ambient-Drones in leicht Björk-angehauchter Manier agiert, um gegen Ende in eine tiefere, kraftvolle Art zu wechseln, die Siouxsie Sioux nahekommt. Zweites Hightlight dieses nur knapp über eine halbe Stunde kurzen Albums ist der träumerische Abschluss "Good fool", der ebenfalls belegt, was für ein wahnsinniges Melodiepotential Otayonii mitbringen kann, wenn sie denn nur will. Drones, Ambient, Noise-Experimente hin oder her: Ein komplettes Album mit Fokus auf diesen Stärken wäre ein absolutes Jahreshighlight.

(Klaus Porst)

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Highlights

  • Overlap
  • Good fool

Tracklist

  1. You do / Rub
  2. Light burst
  3. W.C.
  4. Two rocks a bird
  5. Overlap
  6. Ritualware
  7. Good fool

Gesamtspielzeit: 32:09 min.

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User Beitrag

Armin

Plattentests.de-Chef

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Registriert seit 08.01.2012

2023-04-19 21:18:12 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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