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Blond - Perlen

Blond- Perlen

Betonklunker / FUGA / Bertus
VÖ: 21.04.2023

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Die Mädchen mit den Perlenohrwürmern

Erst einmal eine Entschuldigung: Der Thorsten konnte dieses Mal leider nicht für die Rezension gewonnen werden. Nachdem er das Debüt "Martini Sprite" gelobt hatte, hat ihm noch einmal jemand die Texte vorgelesen. Gaaanz laaangsam. Daraufhin wurde er noch gesehen, wie er mit hochrotem Kopf so etwas wie "Verarschen kann ich mich alleine ... Früher hatten wir Männer immer die wichtigen Jobs ... Ach ich weiß es doch auch nicht" und ähnlich Verzweifeltes brabbelte und sich mit einer Flasche Goldkrone in den Redaktionskeller verzog. Seitdem ist er nicht wieder aufgetaucht.

Dabei würde ihm ein Refrain wie "Es regnet Männer / Halleluja" sicher gefallen. Und dann noch zur Melodie des altbekannten Gassenhauers der Weather Girls, den hat Thorsten früher auch immer gerne mitgegrölt. Dass in der Strophe dann das eigentliche Thema – Festival-Lineups ohne große Frauenbeteiligung und wenn schon, dann eher "ganz unten auf dem Festivalplakat" – herausgearbeitet wird, wäre unserem Protagonisten kaum aufgefallen. Ebenso, wie sich im hymnischen "Ich sage ja" der doppelte Boden unter den Erwartungen an Mädchen/Frauen öffnet. Ja, Nina und Lotta Kummer sowie Johann Bonitz haben auch auf ihren zehn neuen "Perlen" – zuzüglich der fußballstadiontauglichen In- und Outros – wieder die "toxic guys" im Zielfernrohr ihrer Beobachtungen.

Die zugehörige Musik ist gefühlt noch eingängiger geworden. Lupenreiner Pop ist das. Der sich zwischen gutem, altem New Wave und überdrehtem Hyperpop die richtigen Einflüsse herauspickt, den Punk im Herzen trägt, dem HipHop kurz mal kopfnickend die Schau stiehlt und auch die familiären Bande der Familie Kummer soundtechnisch keineswegs verleugnet. Und immer wieder zum Nachdenken anregt. Das kann eher nebenbei und gutgelaunt passieren, wenn "Durch die Nacht" musikalischen Vorbildern dankt und das mitunter prekäre Künstlerleben eher achselzuckend hinnimmt. Oder das Veganerbrett "Oberkörperfrei" als garantierter zukünftiger Moshpitverursacher in der Wursttheke aufräumt.

Es werden aber auch düstere Inhalte geschickt und mit Widerhaken verarbeitet. Wo man in "Du und ich" genüsslich Rache an Disko-Grapschern und Dickpic-Versendern übt. Oder sich das wichtige Thema mentale Gesundheit im Song-Doppelpack vielschichtig vornimmt – erst in der berührenden Ballade "Immer lustig", die treffende Worte für die gar nicht so seltene Diskrepanz zwischen außen fröhlich und innerlich kaputt findet, und anschließend im cleveren "Mein boy", das ein bonbonbuntes Schmacht-Liebesliedchen andeutet und dann mit einem Twist den Angehimmelten als den lange ersehnten Therapeuten (inklusive der Probleme, so einen überhaupt zu finden) vorstellt. Doch Blond halten letztlich immer die nötige Balance, man kann mit dieser Platte eine Menge Spaß haben. Und letztendlich gilt eh für alle: "Du musst Dich nicht schämen", ein Blondinator zu sein.

(Thomas Bästlein)

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Highlights

  • Du und ich
  • Mein Boy
  • Oberkörperfrei
  • Ich sage ja

Tracklist

  1. Intro
  2. Durch die Nacht
  3. Männer (feat. addeN)
  4. Du und ich
  5. Sims 3
  6. Toxic
  7. Immer lustig
  8. Mein Boy
  9. Oberkörperfrei
  10. Ich sage ja (feat. Power Plush)
  11. Du musst dich nicht schämen
  12. Outro

Gesamtspielzeit: 34:31 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Z4

Postings: 7737

Registriert seit 28.10.2021

2023-05-07 13:54:59 Uhr
Kann nett, aber ich glaub ich bin zu alt dafür. Perfekt für Fans der Ärzte und Kraftclub. Wundert mich, dass die nicht schon größer sind.

Furchtbonbon

Postings: 32

Registriert seit 12.01.2023

2023-04-25 19:50:41 Uhr
Ja vielleicht, aber immer noch ein wichtiges Wort, was viele Beziehungsmuster beschreiben kann…
Fügt sich aber wunderbar ins Album ein. Ich mag es sehr. Kurzweiliger Indiepop mit Ironie und auch Ernsthaftigkeit.

XTRMNTR

Postings: 1261

Registriert seit 08.02.2015

2023-04-25 16:34:35 Uhr
Das Wort "toxisch" ist mittlerweile auch bisschen überbeansprucht oder?

Waria

Postings: 1

Registriert seit 22.04.2023

2023-04-22 06:56:24 Uhr
Letztlich ein Verrat an den eigenen Idealen. Blond, das war immer eben nicht Blind, eben nicht die Opferrolle. Jetzt aber wird genau die zelebriert. Schuld, ja das sind die Anderen. Männer eben, kennste, kennste?

Furchtbonbon

Postings: 32

Registriert seit 12.01.2023

2023-04-19 22:03:42 Uhr
Schöne Rezension. Ich geh morgen zur Release Show und freu mich drauf. Es wird sicher ein lustiger alberner Abend mit schräger Show und der genau richtigen Portion Ernsthaftigkeit, die mit amüsantem Spaß von der Band vorgetragen wird.
Und dann kann ich am Wochenende ihr Album genießen.
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