Four Tet - Rounds

Four Tet- Rounds

Domino / Zomba
VÖ: 05.05.2003

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Brummkreisel

Kieran Hebden ist ein vielbeschäftigter und umtriebiger junger Mann. Als DJ versorgt er britische und festländische Clubs mit ausgewählter Electronica und HipHop. Als Remixer ist er gefragt wie kaum jemand: Von Aphex Twin über Badly Drawn Boy und die Doves bis hin zu The Notwist reicht die Liste der Kollaborationen. Außerdem spielt er seit Mitte der 90er die postrockende Gitarre bei Fridge. Und schließlich nennt er sich noch Four Tet und hat als Laptop-Artist schon drei in den höchsten Tönen gefeierte Alben abgeliefert: 1999 dokumentierte "Dialogue" sein Projekt "Jugend forscht" in den Bereichen Free Jazz und Soul. Seit dem 2001er Album "Pause" gehört die Bezeichnung Folktronic zum Wortschatz aller Musikrezensenten. Nun folgte in diesem Jahr also der dritte Streich mit "Rounds".

Das Album bringt die Musik auf den Punkt, die Hebden momentan am liebsten hört. So zumindest beschreibt er selbst seine Arbeitsweise. Auch wenn ein wenig britisches Understatement mitschwingt - so nach der Art "Ich mach ja nur Mixtapes" - entfacht dieser direkte und ehrliche Zugang bei den Zuhörenden sofort Sympathie und Verständnis. Besonders letzteres ist ja mitunter schwierig zu erlangen, wenn Klang-Jongleure und Geräusch-Bastler am Werke sind. Doch Hebden schafft etwas Organisches - auch wenn fast alle Rezensenten darauf hinweisen, wird es dadurch ja nicht falscher. Womit aber auch der einzige Schwachpunkt angesprochen werden muß: Am Groove hapert es etwas. Fast zu seicht wirken manche Stücke, allein das leicht agressive "She moves she" fällt da mit seinen Geräusch-Samples aus dem Rahmen. Aber als Four Tet will Hebden ja auch nicht das Straßenkind in sich hervorkehren, sondern eine Zwischenebene ziehen: Unten liegen die Einflüsse und Erfahrungen, oben die theoretische Auseinandersetzung mit Musikstrukturen. Dazwischen pluckert und fiept, scheppert und klingelt es, daß es eine wahre Freude ist. Experiment geht dann doch vor Gefälligkeit.

Daß der Sound von Four Tet auch deutsche Vorfahren hat, ist da fast schon zwangsläufig. Doch weniger die artverwandte Kölner Schule, die weite Teile der Welt elektronische Musik gelehrt hat, sondern eher Krautrocker wie Can lassen sich erahnen bei Tracks wie "Slow jam". Nur das Quietsche-Entchen versteht man nicht auf Anhieb. Doch gerade solche Quasi-Späße sind vielleicht typisch für Kieran Hebden: In "Unspoken", dem großartigen Mittelpunkt von Rounds, nimmt er eine Piano-Sequenz aus Tori Amos' "Winter", unterlegt eine scheppernde Kickdrum und entführt mittels sphärischer Synthie-Sounds ins Reich der Träume.

Der Titel "Rounds" kommt natürlich auch nicht von ungefähr. Er streift am Rande die Arbeitsweise des digitalen Musikschaffens, das Prinzip Loop. Die Beschäftigung mit dem Sequenzer rundet einen Track ab. Aber eigentlich dreht die Musik gemächliche Runden in den Köpfen derer, die sich ihr hingeben. Klangkosmen mit einer Intensivität, wie sie sonst nur Bands wie Sigur Rós oder Múm gelingt. Hebden hat diese "Spirit fingers", aus vielen Teilen ein großes Ganzes zu schaffen.

(Joerg Utecht)

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Highlights

  • Unspoken
  • Slow jam

Tracklist

  1. Hands
  2. She moves she
  3. First thing
  4. My angel rocks back and forth
  5. Spirit fingers
  6. Unspoken
  7. Chia
  8. As serious as your life
  9. And they all look broken hearted
  10. Slow jam

Gesamtspielzeit: 45:40 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
toolshed
2009-12-13 02:18:53 Uhr
Ein kleiner Meilensteinen in der großen elektronischen Musikgeschichte -9/10. "Pause", mit gleicher Wertung, nur knapp dahinter. Auf die "Ringer EP" bin ich nun mächtig gespannt, hab die CD erst seit heute zur Hand.
knaTTerton
2008-05-27 15:32:30 Uhr
Ich mochte die Entwicklung zur "Everything Ecstatic" schon nicht so sehr. Hoffe doch sehr, dass er bei einem neuen Album mehr zu seinen Wurzeln zurückkehrt.
Ich will sachen wie "Unspoken", "She Moves She" oder "Parks".
Nichts hör ich abends bei ner Flasche Rotwein lieber. Oder am hellichten Tage mit ner Limo.
Und das jetz schon seit Jahren, ohne, dass das ganze auch nur ein bisschen abnutzt. Das hat bisher kein anderer bei mir geschafft.
Khanatist
2008-05-27 15:13:02 Uhr
knaTTerton: Eben wegen des Experimentiercharakters handelt es sich wohl auch um eine EP. Glaube nicht, dass ein kommendes Album da anknüpft.
Die ruhigen, akustikorientierten Sachen von Four Tet halte ich übrigens auch für seine Stärke. "(Un)'tangle'"!
knaTTerton
2008-05-27 13:22:03 Uhr
Oh ja, die "Rounds" ist viel ruhiger und verspielter. Die akustischen Elemente stehen noch mehr im Vordergrund. Falls du die "Pause" kennst (die auch seeeehr stark ist), so ungefähr klingt er auch auf "Rounds" (wobei die "Rounds" noch homogener ist).
Harald
2008-05-27 13:16:11 Uhr
Ich kenne bisher nur zwei Stücke von der "Ringer EP", finde die aber sehr gut. Allerdings kenne ich auch bisher die "Rounds" noch gar nicht. Muss ich mal unbedingt nachholen. Unterscheiden die sich denn derart stark?
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