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Jethro Tull - RökFlöte

Jethro Tull- RökFlöte

InsideOut / Sony
VÖ: 21.04.2023

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Abpfiff in Asgard

Da hat sich Ian Anderson aber mal tüchtig von der Muse küssen lassen. Gerade mal ein Jahr ist es her, dass er seine Band Jethro Tull mit "The zealot gene" zurück auf die Bildfläche brachte, ganze 19 Jahre nach dessen Vorgänger-Album. Doch während der Schotte eigentlich Material für ein rein instrumentales Album sammeln wollte, sinnierte er nach eigener Aussage ein wenig über die letzten Endes skandinavische Herkunft seines Namens und über die verschiedenen spirituellen Einflüsse über die Jahrhunderte der Völkerwanderungen. Andere gehen zur Prokrastination in den Garten, aber jeder nun mal so, wie er mag ... Wie dem auch sei, wenn die Texte von "The zealot gene" von der Bibel inspiriert sein dürfen, kann für dieses Album die Edda, also die nordische Sagenwelt, gerade gut genug sein. Womit wir beim Albumtitel wären, der sich zunächst wie eine Karikatur liest, aber laut Anderson komplett ernst gemeint ist. Oder, um es mit dem ihm eigenen dezent skurrilen Spleen auszudrücken: "I just can't miss the glorious opportunity for a good and legitimate umlaut". Ah ja.

Womit wir bei zwei grundlegenden Herausforderungen wären. Erstens: Der Umlaut in der Rockmusik ist und bleibt – wenn auch angeblich von Blue Öyster Cult "erfunden" – eng mit den legendären Motörhead verknüpft. Und zweitens: Das Thema "Ragnarök" wurde bis dato eher von krachendem Viking Metal oder den donnernden Death-Metal-Eruptionen von Amon Amarth popularisiert. Und diese Bands und Stile werden eigentlich eher weniger mit dem feingliedrigen Folk-Prog von Jethro Tull verknüpft, auch wenn sich die Musikwelt nach wie vor darüber kaputtlachen kann, dass ausgerechnet die Briten 1989 den damals hoch favorisierten Metallica den Grammy in der Kategorie "Best Hard Rock / Metal Performance" vor der Nase wegschnappten ... Aber wir schweifen ab. Denn "RökFlöte" ist alles andere als ein Witz, sondern ein bärenstarkes Album, das die Institution Jethro Tull in geradezu erfrischender Form präsentiert.

Das zunächst mystisch startet. Denn der Opener "Voluspo" beginnt mit einem ätherischen Spoken-Word-Beitrag der isländischen Künstlerin Unnur Birna Björnsdóttir, bevor Anderson selbst übernimmt und mit "Ginnungagap" an den Anfang aller Anfänge springt, nämlich zum Ur-Riesen Ymir, aus dem nach der Mythologie die Welt geformt worden sei. Musikalisch hingegen verhalten sich der Frontmann und seine Begleitband alles andere als anfängerhaft, ganz im Gegenteil – nicht zum letzten Mal spielen sich Anderson und Gitarrist Joe Parrish-James hier sehr gekonnt die Solo-Einlagen zu. Natürlich bleibt Martin Barre für viele der einzig wahre Tull-Gitarrist, doch der mit 28 Jahren vergleichsweise junge Parrish-James löst diese Herausforderung höchst respektabel und liefert sich immer wieder wie in "Guardian's watch" wundervolle Duelle mit seinem Chef, während er bei "The navigators" gar ein deftiges Riff auspacken darf, um den Song entschlossen marschieren zu lassen.

Auch "Wolf unchained" wird durch ein starkes Riff dominiert, bricht aber vor allem textlich aus dem Konzept aus, indem Anderson die Wölfe der Urzeit mit heutigen Hunden vergleicht – und augenzwinkernd den Postboten als letztes verbliebenes Opfer der caniden Mordlust identifiziert. Und dass der Frontmann sich durchaus selbst auf die Schippe nehmen kann, zeigt nicht zuletzt das Artwork. Das Flötenspiel ist zwar seit der Steinzeit bekannt, aber die Figur im Stil der Höhlenmalerei weist dann doch eine allzu bekannte Körperhaltung auf. Natürlich besteht die Band mit all ihren Umbesetzungen bereits seit 1967, und auch ihr so stilprägender Frontmann hat die 75 Jahre mittlerweile überschritten. Doch altertümlich oder altbacken ist hier überhaupt nichts. "RökFlöte" zeigt Jethro Tull vielmehr im vollen Bewusstsein ihrer musikalischen Verdienste, aber auch modern genug, um diesen Stil in der Neuzeit fortzuführen. In dieser Form ist es noch lange hin bis zur Götterdämmerung.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Ginnungagap
  • Wolf unchained
  • The navigators

Tracklist

  1. Voluspo
  2. Ginnungagap
  3. Allfather
  4. The feathered consort
  5. Hammer on hammer
  6. Wolf unchained
  7. The perfect one
  8. Trickster (And the mistletoe)
  9. Cornucopia
  10. The navigators
  11. Guardian's watch
  12. Ithavoll

Gesamtspielzeit: 44:50 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 26580

Registriert seit 08.01.2012

2023-04-12 20:36:09 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?


Mr Oh so

Postings: 3021

Registriert seit 13.06.2013

2023-03-03 16:50:47 Uhr
Völl töll.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 26580

Registriert seit 08.01.2012

2023-02-22 18:03:04 Uhr - Newsbeitrag

Jethro Tull recently announced the release of their 23rd studio album, ‘RökFlöte’, on the 21st April 2023 via InsideOutMusic. Following 2022’s ‘The Zealot Gene’, the band's first album in two decades, Ian Anderson and the band are returning with a 12-track record based on the characters and roles of some of the principle gods of the old Norse paganism, and at the same time exploring the ‘RökFlöte’ – rock flute – which Jethro Tull has made iconic.

Today the band are pleased to launch the second single from the album, ‘The Navigators’. Appearing as a special single edit version, mixed by Bruce Soord (The Pineapple Thief), you can watch the video (created by Christian Rios) here:

The lyrics for this track explored the Norse god Njord, who was the god of wealth, fertility, the sea and seafaring.

ToRNOuTLaW

Postings: 604

Registriert seit 19.06.2013

2023-01-23 09:44:05 Uhr
...RökFlöte? Dachte erst, dass sein ein Troll-Post ^^

Habe zugegebenermaßen nichts Jüngeres als "Crest of a Knave" gehört. Anspieltipps?

Sloppy-Ray Hasselhoff

Postings: 1785

Registriert seit 02.12.2019

2023-01-22 14:59:51 Uhr
Jethro! Cool. Ist eingekauft. Baker St. Muse von der Minstrel auch nach fast 50 Jahren einfach nur fantastisch. The real sing.
Zum kompletten Thread

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