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Fruit Bats - A river running to your heart

Fruit Bats- A river running to your heart

Merge / Cargo
VÖ: 14.04.2023

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Nach Hause

Kennst Du das auch? Die alten Treter sind abgenutzt, Du gehst in das nahe Schuh-Fachgeschäft Deines Vertrauens, findest ein Paar, das Dein Interesse weckt, aber dann das: Schon beim ersten Probe-Einführen Deiner rechten Mauke spürst Du, dass es überall drückt und quetscht. Noch ärgerlicher ist das natürlich, wenn das Ganze in Deinem Zuhause stattfindet, da Du Dich trotz besserer Kenntnis wieder von einem Online-Angebot hast verführen lassen und dem erwartungsvollen Auspacken der Sendung die Ernüchterung folgt, dass Du nicht nur keine neuen Schuhe haben wirst, sondern auch noch ein nerviger Rücksendeprozess folgen muss.

Aber es gibt zum Glück auch die anderen Beispiele, bei denen bereits das erste Reinschlüpfen ein sofortiges Nach-Hause-Kommen-Gefühl verbreitet. Genau dieses Gefühl kannst Du Dir mit dem Album "A river running to your heart" von Fruit Bats bereiten. Die Corona-Zeit hat Eric D. Johnson als Kopf hinter der Band nicht nur genutzt, um sich Gedanken über das Wo und Wie des eigenen Zuhauses zu machen, sondern auch gleich, um das neue Album fast komplett selbst einzuspielen und in Eigenregie zu produzieren. Das Ergebnis ist ein Quantensprung in seiner schon über 20-jährigen eigenen Musikgeschichte, lässt den puren Americana-Folk ein Stück weit hinter sich und greift zudem gesanglich, musikalisch und produktionstechnisch um einige Regale höher als zuvor.

Auf das Instrumental-Intro folgt gleich mit "Rushin' river valley" einer der stärksten Songs des Albums. In dieser Liebeserklärung an seine Frau verwebt er nicht nur zunehmend viele Instrumenten- und Synthie-Ebenen mit großer Leichtigkeit miteinander. Er setzt zudem seine Zeilen in unterschiedlicher Rhythmik mit solcher Selbstverständlichkeit, dass all das zunächst überhaupt nicht auffällt und so ein völlig entspanntes Wohlgefühl entsteht. Die folgenden vier Tracks haben dann die Suche nach dem Zuhause und der Heimat als gemeinsames Thema, was sicher Johnsons nomadischen Kindheit und seinem musikgeprägten Erwachsenenleben geschuldet ist. Immerhin hat ihm diese lokale Unstetigkeit den Kontakt zu einigen anderen Bands gebracht, so war er u.a. für fünf Jahre (2006 bis 2011) Keyboarder bei The Shins und ist weiterhin Mitglied der Folk-Supergroup Bonny Light Horseman (mit Anaïs Mitchell und Josh Kaufman (The National)). In dem stampfenden "See the world by night" erzählt er davon, wie man die nächtliche Welt aus einem Van betrachtet und verzückt im Refrain mit einem unerwarteten Stimmenaufschlag. Das schwelgerische "Tacoma" handelt dagegen von der möglichen Rückkehr in die alte Heimat, dem "only place that makes me feel alive". Reinen Gitarren-Folk bieten dann "Waking up in Los Angeles" und "We used to live here", die beide mit der Zeit wachsen.

Mit "It all comes back" wartet dann der wohl wichtigste Song dieses Albums. Die mythische Atmosphäre darin lässt sich leicht auf die Nach-Corona-Zeit übertragen ("We lost our way, we lost our sense of place, I don't even know where I am today, but it all comes back"), das Stück fesselt einen augenblicklich mit seinen mantra-artigen Wiederholungen und ist dabei einfach fantastisch gesungen. Das übernächste "The deep well" schmeichelt sich dann noch einmal in überraschend hoher Stimmlage angenehm an, ehe in "Jesus tap dancing Christ" das Hohelied auf das eigene Zuhause gesungen wird.

Wer in dieses Album schlüpft, mag so schnell nicht wieder heraus, denn dafür passt einfach zu viel daran, und zu angenehm ist das Gefühl mit ihm. Wie die Heimkehr in das eigene, endlich erreichte Zuhause, in dem man die drückenden Business-Treter loswerden und seine bequemen Hausschuhe anziehen kann.

(Malte Schierenberg)

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Highlights

  • It all comes back
  • Rushin' river valley
  • The deep well
  • See the world by night

Tracklist

  1. Dim north star
  2. Rushin' river valley
  3. See the world by night
  4. Tacoma
  5. Waking up in Los Angeles
  6. We used to live here
  7. It all comes back
  8. Sick of the feeling
  9. The deep well
  10. Meridian
  11. Jesus tap dancing Christ

Gesamtspielzeit: 34:42 min.

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User Beitrag

hesmovedon

Postings: 78

Registriert seit 20.10.2019

2023-04-25 19:45:30 Uhr
Wohl keine Fruit-Bats-Hörer hier.
In der Tat ein sehr schönes Album, auch zum nebenbei hören oder einschlafen (nicht negativ gemeint). 7 Punkte gehen in Ordnung. Gute Rezension, aber musikalisch/gesanglich merke ich jetzt keine große Veränderung zu den Vorgängeralben (wobei ich die älteren noch nicht kenne). Mein Favorit ist und bleibt "Gold Past Life" (8/10 Punkte)

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 26621

Registriert seit 08.01.2012

2023-04-12 20:35:44 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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