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Night Demon - Outsider

Night Demon- Outsider

Century Media / Sony
VÖ: 17.03.2023

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Children of the revolution

Wir sind mal wieder bei den berühmtesten sechs Buchstaben des Heavy Metal. Nein, nicht W-A-C-K-E-N, sondern NWOBHM. Sechs Buchstaben also, die für die einen wirres Kauderwelsch sind, für die anderen der Heilige Gral des Genres. Als der britische Journalist Geoff Barton im Mai 1979 in der Zeitschrift "Sounds" den Begriff "New Wave of British Heavy Metal" prägte, wird er wohl kaum erwartet haben, dass dieser anfangs eher holprige Versuch, der Fülle an britischen Bands ein griffiges Label zu verpassen, die als Antwort auf den Punk gerade wie Pilze aus dem Boden schossen, derart die Jahrzehnte überdauern würde. Man bedenke: Auch wenn sie sich selbst nie als Teil dieser Bewegung sahen, waren Iron Maiden mehr als nur stilprägend, und bekanntermaßen haben auch Metallica ihre Existenz im Wesentlichen der Sammelwut ihres Schlagzeugers zu verdanken, der auch heute noch ein überaus profunder Experte jener Szene ist.

Jarvis Leatherby kennt diese Pionierzeit natürlich nur vom Hörensagen. Es gibt allerdings momentan nur wenige Musiker, die diese Periode bis hin zu Texten und Lebenseinstellung so verinnerlicht haben wie der 1981 geborene Kalifornier, der vor mehreren Jahren nach Irland übergesiedelt ist. Das beginnt mit dem Management der Genre-Veteranen Cirith Ungol, die er förmlich zur Reunion und zu neuen Alben trieb, und endet noch lange nicht mit seiner eigenen Band Night Demon, über deren bevorzugte Stilrichtung man vermutlich keine weiteren Worte verlieren muss. Nur in Sachen Alben hielt sich der umtriebige Bassist und Frontmann bislang vornehm zurück, und so ist "Outsider" erst der dritte reguläre Longplayer seit der Bandgründung 2011. Jedoch einer, mit dem sich Leatherby selbst übertroffen hat.

Dabei kann man den Umstand, dass die Songs in eine wunderbare Fantasy-Horror-Story eingebettet sind, schon fast außer Acht lassen, auch wenn man Leatherby damit sicherlich Unrecht tut. Doch dies ist letztlich das paradoxe Schicksal aller Konzeptalben, deren Songs so gut sind, dass sie auch komplett eigenständig funktionieren. Auf der anderen Seite gibt es bei einer unverschämt kurzen Spieldauer von gerade einmal knapp 35 Minuten ohnehin nur die Devise: marschieren. Und diese Platte marschiert. Denn nach kurzem Intro treibt der Titeltrack gnadenlos voran, begeistert mit energetischen Riffs und einem Refrain zum Fäusterecken. Spätestens bei "Obsidian" darf es eigentlich niemanden mehr auf den Plätzen halten, ob nun im Live-Club oder im Wohnzimmer. Was für ein Riff, bei dem sogar hin und wieder der Gedanke aufkommt, wie grandios es erst klänge, wenn Night Demon kein – im Übrigen ungeheuer dicht und druckvoll klingendes – Powertrio wären, sondern mit Twin-Leads aufwarten könnten.

Nicht zuletzt hier fällt auf, wie gut "Outsider" tatsächlich klingt. Transparent und doch kraftvoll entfaltet zum Beispiel die Powerballade "Beyond the grave" ihre Wirkung, gerade im stadionrockigen Mittelteil meint man jedes Umgreifen von Leatherby am Bass zu hören – genau so kann Heavy Metal unter den Fittichen eines Produzenten klingen, der sein Handwerk versteht. Es ist jedoch der epische Abschluss "The wrath", der auf siebeneinhalb Minuten nochmals aufzeigt, warum Night Demon schon geraume Zeit als eine der Bands gehandelt werden, die den ganz Großen des Genres einmal nachfolgen könnten. Ein Genre, dominiert von Gruppen, die über viele Jahrzehnte alles überstrahlt haben. Doch auch Legenden altern irgendwann, und so langsam machen sich junge Bands auf, irgendwann einmal in die Fußstapfen dieser Legenden treten zu können. Ob und wann das bei Night Demon der Fall sein wird, ist natürlich völlige Spekulation. Doch wer auf derart hohem Niveau eine der wichtigsten Strömungen des Heavy Metal in die Neuzeit heben kann, hat viel mehr als nur Kritikerlob verdient.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Obsidian
  • Beyond the grave
  • The wrath

Tracklist

  1. Prelude
  2. Outsider
  3. Obsidian
  4. Beyond the grave
  5. Rebirth
  6. Escape from beyond
  7. A wake
  8. The wrath

Gesamtspielzeit: 34:47 min.

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Armin

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2023-04-05 20:48:40 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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