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Lordi - Screem Writers Guild

Lordi- Screem Writers Guild

Atomic Fire / Warner
VÖ: 31.03.2023

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 3/10

Monster Energy

Wenn man lange genug befreundet ist, hört man hin und wieder die selben Witze von den Personen, die man am liebsten und am meisten um sich hat. Man bekommt sie vielleicht gar nicht selbst erzählt, aber man ist eben dabei, wenn die Pointe beim hundertsten Mal wieder die selbe ist. Das kann mal nervig sein, aber irgendwie liebt man es auch, und manchmal kann man sogar fast wieder so darüber lachen wie beim ersten Mal. Lordi hatten es sich im Jahrzehnt nach ihrem legendären ESC-Gewinn 2006 in dieser Wohlfühlblase mit immer gleichen Witzen bequem gemacht. Ein bisschen faul waren sie gar geworden. Erst das größenwahnsinnige 7-in-1-Album Lordiversity" zeigte: Mr. Lordi und die anderen Monster haben immer noch Energie und sind auf der Jagd. Doch wie befriedigt man den neu entfachten Hunger nach dem wohl größten Festmahl seit Ewigkeiten?

Man verlässt sich auf das, was man am besten kann. Das "Creature feature" war schon immer die Paradedisziplin der Finnen, und auf "Screem Writers Guild" widmen sie ihrem cineatischen Sound ein konzeptionelles Denkmal. Schon vor dem Vorspann zeigen sich die Horrorfans alles andere als schwach auf der geschminkten Brust. Neuzugang Kone darf in dieser ersten Explosion namens "Dead again Jayne" gleich mal per Gitarrensolo beweisen, warum die unheilvolle Gruppe ihn aufgenommen hat. Raum für Soli und drumherum hymnische Heavy-Metal-Refrains ist man von Lordi sowieso gewohnt, und auch wenn in den letzten Jahrzehnten manche mehr und manche weniger gut hängengeblieben sind, nervig sind sie selten.

In diesen Refrains erzählt Raubein Mr. Lordi aus der Horrorrumpelkammer von Killermaschinen wie in "Inhumanoid" oder nach kurzem kehligem Beschwörungsgesang, der einem Didgeridoo ähnelt, von dem "Thing in the cage". Und auch wenn wir es lyrisch nicht mit Rilkes Panther zu tun haben, der hinter tausend Stäben keine Welt sieht, Lordis Version wohnt eine ähnliche Tragik inne — ja, wirklich! Genauso gibt es im "Vampyro Fang Club" nur zwei Optionen: Mit der ganzen Eckzahngang rausgehen und für immer jung bleiben oder zu Staub zerfallen. Immer noch besser als von der "Scarecrow" durchs Korn gejagt zu werden und am Ende deren Platz einzunehmen. Da hilft höchstens eine Flucht auf das "Lycantropical Island", auf dem man die Haare wachsen und die Seele baumeln lassen kann, wie die Werwölfe ihre Opfer von den Bäumen.

Zwei Songs stechen auf "Screem Writers Guild" aus den anekdotischen Legenden ein wenig raus. "The bride" zumindest musikalisch als emotionale Ballade aus der Sicht von Frankensteins Monster, der seine Angebetete besingt. Doch vor allem der letzte Song "End credits" ist selbst im Kosmos von Lordi eine Mutation. Es ist offensichtlich zumindest ein in Teilen, wenn nicht sogar gänzlich autobiografischer Song aus der Feder von Mr. Lordi. Das Klavier rückt ihn die ersten zwei Minuten fast allein ins Zentrum, während er aus seiner Kindheit erzählt. Dann holt ein Gitarrensolo wie gemacht für Drohnenaufnahmen von einem langhaarigen Metalkuttenträger ganz oben auf einer Felsformation einen aus der Schockstarre. Immer noch irritiert hört man genau hin: Es geht um das eigene Vermächtnis, den eigenen Tod, die eigene Beerdigung. Ein Song und ein Ende, wie es wohl keiner erwarten würde. Und damit der beste Beweis: Selbst wenn Lordi gerne die alten Witze erzählen und man davon manchmal bestimmt auch genervt sein kann, für eine neue Pointe sind sie trotzdem noch gut.

(Arne Lehrke)

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Highlights

  • Dead again Jayne
  • Thing in the cage
  • End credits

Tracklist

  1. Dead again Jayne
  2. SCG XVIII: Nosferuiz Horror Show
  3. Unliving Picture Show
  4. Inhumanoid
  5. Thing in the cage
  6. Vampyro Fang Club
  7. The bride
  8. Lucyfer prime evil
  9. Scarecrow
  10. Lycantropical island
  11. In the castle of Dracoolove
  12. The SCG Awards
  13. Heavengeance
  14. End credits

Gesamtspielzeit: 55:14 min.

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Armin

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2023-04-05 20:48:30 Uhr - Newsbeitrag
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